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  • FC Bayern | Effenberg über Robert Lewandowski: Das wird er nie vergessen


Meinung
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Die subjektive Sicht des Autors auf das Thema. Niemand muss diese Meinung übernehmen, aber sie kann zum Nachdenken anregen.

So einen Satz habe ich seit zehn Jahren nicht gehört

Eine Kolumne von Stefan Effenberg

Aktualisiert am 08.03.2022Lesedauer: 6 Min.
Robert Lewandowski (l.): Der Weltfußballer wartet nach wie vor auf ein Gespräch mit dem FC Bayern über eine Verlängerung seines Vertrages.
Robert Lewandowski (l.): Der Weltfußballer wartet nach wie vor auf ein Gespräch mit dem FC Bayern über eine Verlängerung seines Vertrages. (Quelle: imago-images-bilder)
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Ein Aus in der Champions League wäre fatal. Noch schlimmer wäre der Abschied von Weltfußballer Lewandowski. Ich mache mir Sorgen um Bayern.

Es ist ein Satz, der erst mal ganz normal klingt. "Überflüssig zu sagen, wie wichtig dieses Spiel für unsere Saison ist – und so stehen wir unter enormem Leistungsdruck", schrieb Nationalspieler Thomas Müller in seinem Newsletter vor dem Achtelfinal-Rückspiel in der Champions League am Dienstagabend gegen Salzburg.


FC Bayern: Was diese ehemaligen Stars heute machen

t-online.de hat sich 20 ehemalige Spieler des deutschen Rekordmeisters herausgesucht und aufgeschrieben, was sie heute machen. Tobias Rau beispielsweise, 2003 bis 2005 im Verein, unterrichtet heute in der Nähe von Bielefeld an einer Gesamtschule Biologie und Sport.
Thomas Helmer (1992–1999): Jahrelang eine Bank in der Defensive des FC Bayern. Zuletzt moderierte der Europameister von 1996 die Sport1-Kultsendung "Doppelpass", im Sommer 2021 gab er sie jedoch an Florian König ab. Helmer ist dennoch weiterhin für Sport1 als Moderator im Einsatz, moderiert unter anderem den "Doppelpass on Tour", den Sport1-Fantalk oder auch die Spiele des DFB-Pokals.
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Bayern strotzt nicht vor Selbstbewusstsein

Klar, nach dem 1:1 im Hinspiel ist ein Weiterkommen alles andere als sicher.

Aber Leistungsdruck? So einen Satz habe ich von Bayern seit zehn Jahren nicht gehört. Die Leistung stimmte schließlich in der Regel. Druck haben die Spieler ohnehin immer.

Dass sich die Spieler mit der Leistung auseinandersetzen, sagt aber etwas über den Zustand der Mannschaft aus: Sie strotzt derzeit nicht wie gewohnt vor Selbstbewusstsein. Ihr fehlen schon seit längerer Zeit die Stabilität und die Kompaktheit im Spiel gegen den Ball. Sie lässt zu viele Chancen des Gegners zu, gerade hundertprozentige – so wie gegen Leverkusen (1:1).

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Salzburg kennt Bayerns Schwächen

Und deshalb hat Bayern in der Rückrunde der Bundesliga auch schon jetzt so viele Punkte abgegeben wie in der gesamten Hinrunde: und zwar acht bei jeweils zwei Niederlagen und einem Unentschieden.

In den vergangenen Jahren war ich weit davon entfernt, wegen Bayern beunruhigt zu sein. Aktuell muss ich aber zugeben: Ich mache mir durchaus Sorgen. Salzburg weiß ganz genau, wo die Löcher und Schwächen liegen, hat zudem nichts zu verlieren. Das kann ein böses Erwachen für Bayern geben.

Ich gehe nach wie vor davon aus, dass sie letztlich weiterkommen werden – aber sicherlich nicht so souverän, wie man das erwarten würde.

Die falsche Kategorie Spieler

Um es klar zu sagen: Scheidet Bayern gegen Salzburg aus, ist das fatal. Das wäre eine Riesenenttäuschung, die die Baustellen des FC Bayern gnadenlos offenlegen würde – insbesondere in Bezug auf die fehlende Breite im Kader. Da muss zur kommenden Saison durchaus etwas passieren.

Ich wundere mich immer wieder, welche Spieler da als Zugänge gehandelt werden. Lothar Matthäus hat in seiner Sky-Kolumne den Stuttgarter Konstantinos Mavropanos, den Leipziger Joško Gvardiol und den Bochumer Armel Bella-Kotchap ins Gespräch gebracht. Angeblich soll auch der Wolfsburger Ridle Baku ein Kandidat sein. Und dann gibt es Gerüchte um den Gladbacher Nationalspieler Matthias Ginter.

Es lohnt sich sicherlich, Unterschiede zwischen diesen Spielern zu machen – zum Beispiel bei Ginter. Aber: überwiegend ist das doch nicht die Kategorie, die den hohen Ansprüchen des FC Bayern sofort genügt. Dayot Upamecano beweist nach seinem Wechsel zum Rekordmeister, was für ein großer Schritt das selbst für einen so hochveranlagten französischen Nationalspieler ist und wie viel Zeit das braucht. Und der kam wohlgemerkt von RB Leipzig, einem Topklub also.

Zuschauer haben auch Augen im Kopf

Ich würde sehr gerne den Dänen Andreas Christensen vom FC Chelsea in München sehen – aber die anderen genannten? Die kann ich mir beim besten Willen nicht bei Bayern vorstellen. Es wäre ein Leichtes, eine Liste mit 50 Spielern zu erstellen, die diesen Sprung in der Vergangenheit nicht geschafft haben, obwohl sie bei einem anderen Bundesligisten überzeugt haben.

Aktuell gehört zum Beispiel auch Marcel Sabitzer darauf, weil er weiterhin arge Probleme hat. Trainer Julian Nagelsmann hat ihn zuletzt nach dem 4:1 gegen Fürth sehr gelobt ("Er hat die langen Bälle von Fürth clever verteidigt und Druck in unserer Hälfte gemacht. Er hat ein gutes Spiel gemacht und war aggressiv").

Mag sein, dass er ihn starkreden will, aber die Zuschauer haben ja auch Augen im Kopf. Wenn ein Trainer eine durchschnittliche Leistung so hervorhebt, dann stimmt etwas nicht.

Bayern braucht Nkunku nicht

In der Bundesliga gibt es nur wenige Spieler, die dem FC Bayern wirklich helfen würden. Christopher Nkunku von RB Leipzig gehört aufgrund seiner Fähigkeiten eigentlich dazu. Er war in 37 Saisonspielen an 38 Toren beteiligt und hat insbesondere in der Champions League herausragend performt.

Christopher Nkunku spielt die Saison seines Lebens für RB Leipzig. Ein Kandidat für Bayern ist er trotzdem nicht, findet zumindest Stefan Effenberg.
Christopher Nkunku spielt die Saison seines Lebens für RB Leipzig. Ein Kandidat für Bayern ist er trotzdem nicht, findet zumindest Stefan Effenberg. (Quelle: osnapix/imago-images-bilder)

Ich sage trotzdem: Der FC Bayern braucht Nkunku nicht. Der Verein ist in der Offensive so gut aufgestellt, dass ein solcher Transfer keinen Sinn ergeben würde. Nkunku würde allein an Ablöse rund 75 Millionen Euro kosten und immer spielen wollen – das passt einfach nicht mit den vorhandenen Spielern zusammen.

Bayern sollte sich lieber um Verstärkung in der Innenverteidigung kümmern sowie womöglich im defensiven Mittelfeld, wo der Ausfall von Leon Goretzka doch sehr schwer wiegt.

Wie geht es beim Offensivtrio weiter?

Das Wichtigste ist aber, dass Bayern nun die Spieler langfristig an den Verein bindet, deren Verträge 2023 auslaufen. Das sind neben dem von Torwart Manuel Neuer die der Offensivspieler Serge Gnabry, Thomas Müller und Robert Lewandowski.

Wie geht es bei diesem Trio weiter?

Ich gehe weiter fest davon aus, dass Gnabry bleibt und langfristig unterschreibt – genau wie es Joshua Kimmich, Leon Goretzka und Kingsley Coman getan haben. Er hat fantastische Statistiken und nicht nur dadurch ein herausragendes Standing bei Bayern.

Die Gefahr im Fall Lewandowski

Ich gehe auch bei Thomas Müller und Robert Lewandowski von einem Verbleib aus. Hier muss der FC Bayern allerdings in die Gänge kommen.

Vorstandschef Oliver Kahn hat am Wochenende zugegeben, sich mit Mino Raiola getroffen zu haben. Das ist der Berater von Dortmund-Stürmer Erling Haaland, der immer wieder mit Bayern in Verbindung gebracht wird. Mit Lewandowski dagegen gab es angeblich noch keine Gespräche über eine Vertragsverlängerung. Das birgt natürlich eine Gefahr.

Sollte Bayern als Plan A tatsächlich eine Verpflichtung von Haaland haben und Lewandowski nur Plan B sein, wird Lewandowski das nie vergessen.

Bis Sommer muss Bayern das geregelt haben

Nach wie vor gehe ich davon aus, dass es die Gespräche zwischen Bayern und Lewandowski in Kürze geben wird. Ich muss aber auch ganz deutlich sagen: Wenn Lewandowski 2023 den Verein verlässt, weil ihm das zu lange gedauert hat, wirft das kein gutes Licht auf die Verantwortlichen.

Ich würde sogar noch weiter gehen. Wenn Bayern nicht versucht, den Vertrag zu verlängern, ist das die schlechteste Entscheidung der Vereinsgeschichte. Dafür hat dann wirklich niemand Verständnis.

Allerspätestens bis zum Sommer sollte der FC Bayern diese Themen also geregelt haben.

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Mit Rose ging bei Gladbach alles los

Zumal man bei einem anderen Ex-Verein von mir sieht, was passieren kann, wenn die Zukunft einer halben Mannschaft offen ist. Mindestens. Bei Borussia Mönchengladbach geht Ginter sicher im Sommer, Denis Zakaria ist schon weg – dazu laufen Verträge von Patrick Herrmann, Jonas Hofmann, Yann Sommer, Tony Jantschke, Lars Stindl, Christoph Kramer, Breel Embolo, Alassane Pléa, Marcus Thuram und Ramy Bensebaini spätestens 2023 aus.

Den Spielern ist anzusehen, dass sie sich mehr mit ihrer persönlichen Zukunft beschäftigen als mit jener der Borussia. Aus meiner Sicht ging diese Negativentwicklung mit der Verkündung des Abschieds von Trainer Marco Rose vor einem Jahr los.

Roland Virkus ist jetzt Sportdirektor bei Borussia Mönchengladbach und muss gleich den Kader umbauen.
Roland Virkus ist jetzt Sportdirektor bei Borussia Mönchengladbach und muss gleich den Kader umbauen. (Quelle: Revierfoto/imago-images-bilder)

Einige Spieler überschätzen sich maßlos. Sie denken, dass sie nach einem guten Monat von einem guten Verein aus der Premier League oder La Liga gekauft werden. Sie täuschen sich da allerdings gewaltig.

Kein Geld für neue Stars

Der Spielerberater Volker Struth hat vor einigen Wochen im "Doppelpass" gesagt: "Viele Spieler, deren Verträge auslaufen, werden im Sommer arbeitslos sein." Ganz einfach, weil viele Vereine aufgrund der Einbußen durch die Corona-Pandemie nicht in der Lage sind, die Millionengehälter zu zahlen, die sich einige vorstellen. Der frühere Nationalspieler Aaron Hunt zum Beispiel hat gerade seine Karriere beendet, er war seit Sommer 2021 vereinslos.

Was die Gladbacher Europacup-Ambitionen angeht, sehe ich für die kommenden Jahre schwarz. Die auslaufenden Verträge sind zwar für den neuen Sportdirektor Roland Virkus durchaus eine Chance, großflächig Veränderungen vorzunehmen – es ist allerdings wenig Geld da, um neue Stars zu kaufen.

Wenn ich Fan von Gladbach wäre, würde ich darauf hoffen, dass Virkus als ehemaliger Nachwuchschef auf die Jugend setzt. Neben einem Gerüst aus erfahrenen Spielern natürlich. Dann ist es auch okay, wenn der Klub erst mal nicht um die Europapokal-Qualifikation spielt.

Was ich nicht akzeptieren würde: Wenn weiter hochbezahlte Stars so lustlos auftreten, wie das derzeit der Fall ist.

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Eine Kolumne von Stefan Effenberg
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