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"Gro├čartige Geschichte": "Ehrgeizling" Nagelsmann will mehr

Von dpa
Aktualisiert am 24.04.2022Lesedauer: 4 Min.
Bayerns Cheftrainer Julian Nagelsmann geht nach dem Sieg gegen den BVB ├╝ber den Platz.
Bayerns Cheftrainer Julian Nagelsmann geht nach dem Sieg gegen den BVB ├╝ber den Platz. (Quelle: Matthias Balk/dpa./dpa)
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M├╝nchen (dpa) - Im Kreis seiner routinierten Meister-Spieler wirkte Julian Nagelsmann als Titel-Novize emotional am aufgew├╝hltesten - und nach dem spontanen Jubel erstaunlich nachdenklich.

Seine erste Bierdusche auf dem Arena-Rasen habe sich "gut angef├╝hlt", berichtete der mit 34 Jahren nun j├╝ngste M├╝nchner Meistercoach gl├╝cklich. "Es ist f├╝r mich der erste gro├če Titel und ein bedeutender Moment."

Premierenjahr f├╝r Nagelsmann beim FCB

Nagelsmann musste einige "Nackenschl├Ąge" im Premierenjahr wegstecken und erst lernen, was es hei├čt, Bayern-Trainer zu sein. Auch in ihm arbeitet weiter der Champions-League-Frust nach dem Schock-Aus gegen den FC Villarreal, das alle in M├╝nchen mit in einen unruhigen Sommer mit qu├Ąlenden Personaldebatten schleppen. Vor allem die Causa Robert Lewandowski scheint sich zu versch├Ąrfen.

Der Weltfu├čballer erf├╝llte seinen Torj├Ągerjob auch beim 3:1 (2:0) im Topspiel gegen Borussia Dortmund mit Treffer Nummer 48 im 43. Saisoneinsatz. F├╝r seinen verl├Ąsslichen Lieferdienst will der 33 Jahre alte Torj├Ąger in Zukunft noch mehr Geld kassieren. "Das Einzige, was ich wei├č, dass bald ein Treffen kommt", ├Ąu├čerte er am Wochenende zur├╝ckhaltend. Die Situation sei "nicht leicht" f├╝r ihn.

Und f├╝r den Verein? Sportvorstand Hasan Salihamidzic verwies am Sonntag im TV-Sender Sky auf die massiven Corona-Einbu├čen auch des Bundesliga-Kr├Âsus: "Vor der Pandemie hatten wir steigende Einnahmen, Jetzt haben wir sinkende Einnahmen und steigende Geh├Ąlter."

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Lewandowski sei "der Topverdiener im Club". Er sehe aber nicht, dass sich "die Fronten verh├Ąrten". Die Verhandlungen mit Lewandowskis Beratern sollen erst jetzt beginnen. "Wir haben alle Zeit der Welt, zu reden", sagte Salihamidzic. Er verwies mehrmals auf den g├╝ltigen Vertrag mit Lewandowski bis zum 30. Juni 2023. "Jetzt haben wir Zeit, dar├╝ber zu reden, was danach ist", sagte Salihamidzic. Einen Abschied des Torj├Ągers aus der Bundesliga im Sommer schloss er mehrmals aus.

Meister schaft daheim vor 75.000 Zuschauern

Den zehnten Meistertitel nacheinander wollte sich beim Feiern am Samstagabend auch Nagelsmann derweil "nicht kleinreden lassen". Zumal der Meisterschaftsvollzug im direkten Vergleich mit dem ewigen Rivalen Dortmund in der mit 75.000 Zuschauern gef├╝llten Allianz Arena den bestm├Âglichen Rahmen f├╝r Spieler, Trainer und Fans bot. Die Borussia wurde auf zw├Âlf Punkte distanziert - Mission erf├╝llt.

"Wir wollten unbedingt", sagte der mit nun elf Titeln alleinige Spieler-Rekordmeister Thomas M├╝ller zur speziellen Konstellation im letzten gro├čen Saisonspiel: "Wir haben gezeigt, was Sache ist!" Die Bayern-Dominanz h├Ąlt an - die Konkurrenz steht seit 2013 Spalier.

Zehn Jahre Bayern-Herrschaft - "das ist schon eine au├čergew├Âhnliche Zahl", schw├Ąrmte Kapit├Ąn Manuel Neuer, der mit einer Pappschale ├╝ber den Rasen h├╝pfte. Zehn Meistertitel in Serie konnte vor den Bayern kein Verein in einer der f├╝nf Top-Ligen Europas - also in England, Spanien, Italien, Frankreich und Deutschland - bejubeln.

"Wir haben eine gro├čartige Geschichte geschrieben, nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa", t├Ânte Lewandowski. Neben ihm erzielten Serge Gnabry und Jamal Musiala die Tore zur insgesamt 32. Bayern-Meisterschaft. Emre Can traf f├╝r den BVB zum 1:2 f├╝r den BVB, der im Klassiker nur nach der Pause auf Augenh├Âhe agierte. "Bayern war die konsequentere Mannschaft", sagte Kapit├Ąn Marco Reus. Das galt nicht nur in diesem Klassiker, sondern inzwischen seit einer Dekade.

Bayern-Dominanz eine Gefahr f├╝r die Bundesliga?

Gut tut die ungez├╝gelte Bayern-Dominanz der Bundesliga selbst aus Sicht ehemaliger M├╝nchner Fu├čball-Gr├Â├čen nicht mehr. "Was ist Fu├čball? Fu├čball ist in erster Linie Emotion. Wenn du wieder drei Spieltage vor Saisonschluss mit zw├Âlf Punkten vorne stehst, fehlt die", sagte der fr├╝here Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge am Sonntag im TV-Sender Bild. Er vermisst "Spannung in der Spitze".

Der fr├╝here Kapit├Ąn Philipp Lahm ├Ąu├čerte sich im ZDF ebenfalls kritisch zum Sparflammen-Titelkampf: "Es muss enger sein, dass die Bundesliga wirklich bis zum Ende spannend ist und nicht immer schon vier Spieltage vor Schluss entschieden ist." BVB-Coach Marco Rose garnierte seine Gratulation an den FC Bayern immerhin mit einer dezenten Kampfansage: "Im Fu├čball kann man durchaus mal zehn Jahre hintereinander Meister werden, vielleicht auch 15. Aber es gibt immer Mannschaften, die versuchen, das zu ├Ąndern - und dazu geh├Âren wir."

W├Ąhrend Oliver Kahn auch nach seinem ersten Meistertitel als Vorstandsboss seltsam unsichtbar blieb, ├╝bernahm Nagelsmann wieder mal die f├╝hrende Rednerrolle im Verein und lie├č dabei auch in sein Innerstes blicken. "Ich wei├č, dass ich Dinge besser machen kann, als ich es getan habe", sagte der junge Coach, der bekannte, dass "es nicht leicht war nach Hansi, der gro├če Fu├čstapfen hinterlassen hat".

Nagelsmann: "Werde gewisse Dinge anpassen"

Flicks sieben Titel in 18 Monaten - darunter der Triumph in der K├Ânigsklasse 2020 in Lissabon - kann er nach dem ersten Jahr allein die obligatorische Meisterschale entgegenstellen. Das stachelt den bekennenden "Ehrgeizling" an. "Ich werde meinen Stil nicht komplett ├Ąndern, aber gewisse Dinge anpassen", k├╝ndigte er an: "N├Ąchstes Jahr werde ich vielleicht sogar noch einen gr├Â├čeren Druck versp├╝ren." In Champions League und DFB-Pokal wolle er "in Zukunft weiter kommen und dazu die elfte Meisterschaft nacheinander feiern".

Die Ziele sind damit gesetzt. Die Umsetzung d├╝rfte knifflig werden. Die Personaldebatten - ein st├Ąndiges St├Ârfeuer schon in der R├╝ckrunde - gewannen im Meistertrubel sogar noch an Lautstarke. Nagelsmann richtete eine Botschaft an seine Bosse Kahn und Salihamidzic: "Ich habe volles Vertrauen in Brazzo und in Olli, dass sie bis Ende August wieder einen Topkader zur Verf├╝gung stellen."

Kapit├Ąn Neuer (36) und Urgestein M├╝ller (32) d├╝rften bald um ein Jahr bis 2024 verl├Ąngern. Nationalverteidiger Niklas S├╝le (26) zieht weiter zum BVB - der n├Ąchste abl├Âsefreie Substanzverlust nach David Alaba (Real Madrid) im Jahr 2021. Bei Nationalspieler Gnabry (26) ist alles offen. ├ťber allem aber steht Lewandowskis Zukunft. "Ich hoffe, dass er bleibt. Aber Hellseher bin ich nicht", bemerkte Nagelsmann.

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