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"Weckrufe und Tr├Ąnen": Wie Popstars gegen Trump mobil machen

Von dpa
Aktualisiert am 25.10.2020Lesedauer: 4 Min.
Billie Eilish nahm am Parteitag der Demokraten teil.
Billie Eilish nahm am Parteitag der Demokraten teil. (Quelle: Jordan Strauss/Invision/AP/dpa./dpa)
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Berlin (dpa) - Immerhin, einige prominente Fans hat der US-Pr├Ąsident in der Popszene dann doch noch neben dem notorischen Rap-R├╝pel Kid Rock. F├╝r viele Beobachter eher unerwartet kam k├╝rzlich die Donald-Trump-Begeisterung von Punk-Pionier John Lydon alias Johnny Rotten (The Sex Pistols). Weniger ├╝berraschend war die Wahlhilfe des erzkonservativen Kiss-Mitgr├╝nders Ace Frehley.

Ansonsten ist die Zahl der Trump-Unterst├╝tzer in der US-Musikbranche mager - und die Gegnerschaft zum Mann im Wei├čen Haus ├╝berw├Ąltigend. Bei Rock-Veteranen wie Bruce Springsteen, Neil Young und Michael Stipe (fr├╝her R.E.M.), Soul-Stars wie Stevie Wonder oder jungen Pop-Idolen wie Taylor Swift, Billie Eilish, Cardi B und Megan Thee Stallion bekommt der Republikaner (74) keinen Stich. Sie mahnen f├╝r die US-Wahl am 3. November eindringlich den Wechsel an und werben f├╝r den demokratischen Herausforderer Joe Biden (77).

Lydon (64), der neben der britischen auch die US-Staatsb├╝rgerschaft besitzt, will aber f├╝r Trump stimmen. "Er ist die einzige vern├╝nftige Wahl, jetzt, da Biden im Rennen ist", denn der "kann das einfach nicht, das Ruder zu ├╝bernehmen", sagte der Wahl-Kalifornier dem "Observer". F├╝r Hardrocker Frehley (69) ist Trump "der st├Ąrkste F├╝hrer, den wir haben". Vor zwei Jahren hatte der Ex-Kiss-Gitarrist sein Idol so empfohlen: "Sie sollten ihn unterst├╝tzen - oder in ein anderes Land ziehen." Rapper 50 Cent ├Ąrgerte sich zuletzt vor allem ├╝ber Bidens Steuerpl├Ąne, als er auf Twitter schrieb: "Ist mir egal, dass Trump schwarze Menschen nicht mag."

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Wer indes die ganz ├╝berwiegende Stimmungslage unter Rock- und Popk├╝nstlern kennenlernen will, der findet im Internet viel Futter - vom noch halbwegs neutralen, de facto jedoch pro-demokratischen "Vote!"-Aufruf bis zur glasklaren Unterst├╝tzung f├╝r Biden.

Stars spielen auf Youtube ihre Lieder im "Team Joe Sings". Ob Kesha ("Wir brauchen den Wechsel, und wir brauchen ihn jetzt") oder die Latin-Rock-Band Los Lobos, Indie-Popper wie Matt Berninger oder Ben Gibbard - sie alle zeigen dort, auf welcher Seite sie stehen. Andere Kan├Ąle wie Twitter und Instagram oder Interviews nutzen Jeff Tweedy von der Folkrock-Vorzeigeband Wilco, Cher oder Ariana Grande, um als Trump-Gegner Flagge zu zeigen.

Im Gegensatz zur Wahl 2004 (George W. Bush gegen John Kerry) sind gro├če Konzerte zugunsten der US-Demokraten diesmal wegen der Corona-Pandemie unm├Âglich. Also kein Staraufgebot wie damals, als unter anderem Springsteen, Pearl Jam, R.E.M., Dixie Chicks und James Taylor f├╝r Kerry auf der B├╝hne standen. Stattdessen eine andere, oft in die sozialen Netzwerke verlagerte Mobilisierung f├╝rs W├Ąhlen und f├╝r Biden mit seiner Vize-Kandidatin Kamala Harris.

So pr├Ąsentierte Superstar Taylor Swift (30) auf Twitter ein Foto von sich mit Keksen, deren Zuckerguss-Aufschrift "Biden/Harris/2020" keine Zweifel lie├č. In einem Interview erl├Ąuterte die einstige Lieblingss├Ąngerin vieler Trump-W├Ąhler: "Ich glaube, dass Amerika unter ihrer F├╝hrung eine Chance hat, den Heilungsprozess in Gang zu setzen, den es so dringend braucht." Swift hatte schon vorher ihrem Zorn ├╝ber den Amtsinhaber freien Lauf gelassen.

Biden wei├č nat├╝rlich, was solche Wahlhilfe einer jungen Frau mit 140 Millionen Instagram-Abonnenten wert ist - er bedankte sich umgehend. Neben S├Ąngerin Jennifer Lopez (51) trat das Ehepaar Biden Mitte Oktober gar in einem heimeligen Video auf - mit dem Ziel, dem Gegenkandidaten viele Stimmen der Latino-W├Ąhlerschaft zu sichern. Die Entwicklung unter Trump sei f├╝r sie "wirklich traurig, weil dies nicht mehr das Land ist, in dem ich aufgewachsen bin", so Lopez.

S├Ąngerin Demi Lovato (28) kritisierte derweil den US-Pr├Ąsidenten in ihrem neuen Song "Commander In Chief": Wie es sich anf├╝hle, noch atmen zu k├Ânnen, w├Ąhrend das Land in einer Krise versinke und Menschen sterben, hie├č es dort in Anspielung auf Trumps Umgang mit Coronavirus-Pandemie und Rassismus.

Springsteen (71) gab im August seinen ber├╝hmten Song "The Rising" f├╝r Bidens Nominierungskongress frei. Der Stadionrocker hatte sich schon nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd durch brutale Polizeigewalt im Mai geschockt ├╝ber den Pr├Ąsidenten ge├Ąu├čert. In einem Song seines neuen Albums erw├Ąhnt der "Boss" - ohne Trump direkt zu nennen - einen "kriminellen Clown, der den Thron gestohlen hat".

Auf dem Demokraten-Parteitag legte auch Grammy-Gewinnerin Billie Eilish (18) einen bemerkenswerten Auftritt hin - und rief zu Trumps Abwahl auf: "Wir brauchen Anf├╝hrer, die Probleme wie den Klimawandel und Covid l├Âsen und sie nicht leugnen. Anf├╝hrer, die systemischen Rassismus und Ungleichheit bek├Ąmpfen."

Ohne Trumps Namen in den Mund zu nehmen, positionierte sich k├╝rzlich auch Soul-Ikone Stevie Wonder (70). Seine beiden Comeback-Lieder unterst├╝tzten den Protest der Bewegung Black Lives Matter gegen Ungerechtigkeit und Rassismus in den USA, denn: "In diesen Zeiten erleben wir die dringlichsten Weckrufe und Tr├Ąnen um diese Nation und die Welt", sagte Wonder, der sich schon seit den 70ern f├╝r B├╝rgerrechte von Afroamerikanern einsetzt.

Folkrock-Altmeister Neil Young (74) verklagte Trump wegen der unerlaubten Nutzung seiner Hymne "Rockin' In The Free World" - und ver├Âffentlichte im September das Politsong-Minialbum "The Times". Der Musiker mit kanadischem und US-amerikanischem Pass klampfte dort in sieben Liedern (darunter Bob Dylans ikonisches "The Times They Are A-Changin'") gegen den verachteten Pr├Ąsidenten an.

Traditionell haben die konservativen Republikaner in der zumeist linksliberalen Musikszene kaum Gefolgschaft (oder dubiose wie den Hardrocker Ted Nugent und den erratischen Rapper Kanye West). Doch Trump erf├Ąhrt besonders intensive Ablehnung.

Zahllose Popstars wehren sich seit Jahren gegen die Vereinnahmung ihrer Lieder durch die Republikaner. "Verwenden Sie weder unsere Musik noch meine Stimme f├╝r Ihr schwachsinniges Affentheater von Wahlkampagne", forderte etwa der fr├╝here R.E.M.-S├Ąnger Stipe. F├╝r die Nationalhymne bei seiner Amtseinf├╝hrung im Januar 2017 fand Trump nur ein Popsternchen namens Jackie Evancho. Acht Jahre zuvor, zum Antritt des ersten schwarzen US-Pr├Ąsidenten Barack Obama, hatte noch die wohl gr├Â├čte Soul-S├Ąngerin ├╝berhaupt, Aretha Franklin, gesungen.

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