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Neurodermitis: So wirkt die umstrittene Salbe Mavena

Neurodermitis: So wirkt die umstrittene Creme

07.12.2010, 14:19 Uhr | amau

Neurodermitis: So wirkt die umstrittene Salbe Mavena. In vielen Fällen blieb die Creme wirkungslos. (Foto: dpa)

In vielen Fällen blieb die Creme wirkungslos. (Foto: dpa) (Quelle: dpa)

Seit einem Jahr ist die Neurodermitis-Salbe "Mavena" (ehemals "Regividerm") auf dem Markt. Ihre Einführung löste bundesweit heftige Debatten aus: Ein Dokumentarfilm prangerte die Pharmaindustrie an, weil sie die Creme angeblich nicht herstellen wollte – und geriet später in den Verdacht, versteckte Werbung für das vermeintliche Wundermittel gemacht zu haben. Doch für die Erkrankten am wichtigsten war die Frage: Kann die Salbe die Beschwerden lindern oder gar heilen? Hier lesen Sie zwölf Erfahrungsberichte, die beim Bundesverband Neurodermitiskranker eingegangen sind.

Aufmerksamkeit erwünscht

Über mangelnde Aufmerksamkeit konnten sich die Hersteller der Salbe im vergangenen Jahr nicht beklagen: Im WDR-Film „Heilung unerwünscht“ wurde ausführlich über die vermeintliche Geschichte der Creme berichtet, welche angeblich von der Pharmaindustrie aus reinem Finanzkalkül abgelehnt worden war. Das rosa Gemisch aus Vitamin B12 und Avocado-Öl wurde darin als wirksames Mittel gegen die Volkskrankheiten Neurodermitis und Schuppenflechte angepriesen.

Hoffnung auf Heilung

In Deutschland leiden etwa fünf Millionen Menschen an Neurodermitis und vier Millionen an Schuppenflechte. Die Symptome beider Erkrankungen sind ähnlich: Die Haut zeigt sich trocken, fleckig, rötlich und schuppig. Betroffene haben oft starken Juckreiz, das macht den Leidensdruck besonders hoch. Durch den Dokumentarfilm „Heilung unerwünscht“ des Journalisten Klaus Martens, der die Salbe als eine Art Wundercreme darstellte, schöpften viele Betroffene neue Hoffnung auf Heilung. Und zeitnah zur Ausstrahlung der Fernsehsendung fand sich mit der Firma Regeneratio aus Remscheid schließlich doch ein Hersteller, der im November 2009 die Genehmigung für "Regividerm" als rezeptfreies Medizinprodukt erhielt.

Nur wenigen Patienten half die Salbe

Doch konnte die Salbe, die mittlerweile aus rechtlichen Gründen in "Mavena® B12" umbenannt wurde, ihr Versprechen einhalten? Hautärzte wollten dazu auf Anfrage der Redaktion nicht Stellung beziehen. Der Bundesverband Neurodermitiskranker in Deutschland bat Menschen, die unter Neurodermitis oder Schuppenflechte leiden, ihre Erfahrungen mit der Creme mitzuteilen. Der Verband erhielt rund 800 Zuschriften mit sehr unterschiedlichen Meinungen. „Rund zwölf Prozent meldeten, dass ihnen die Salbe geholfen hat“, so Jürgen Pfeifer, Bundesgeschäftsführer des Verbandes. „Viele klagten jedoch über schmerzhafte Rötungen und stärkeren Juckreiz nach dem Eincremen, bei anderen passierte einfach gar nichts“, so Pfeifer. Etliche Betroffene berichteten von allergischen Reaktionen, zum Beispiel auf das enthaltene Avocadoöl. 

Enttäuschung für Betroffene

Fazit: Auch wenn sich das Hautbild durch die Vitamin-B12-Salbe in einigen Fällen verbessern kann - das ersehnte Wundermittel gegen Neurodermitis und Schuppenflechte scheint sie nicht zu sein. „Das war sehr enttäuschend für viele Betroffene, denn die Erwartungen waren durch den medialen Hype besonders hoch“, meint Thomas Schwennesen, Erster Vorsitzender beim Deutschen Neurodermitis Bund.

Risiken und Nebenwirkungen

Die Vitamin-B12-Salbe ist rezeptfrei und frei verkäuflich. Daher sollten Anwender – wie bei jeder anderen Salbe auch – folgendes beachten: Zu Beginn kann es zu Rötungen und Juckreiz kommen. Wenn diese Hautveränderungen nicht abklingen, könnte es sich um eine Allergie gegen Vitamin B12 oder andere Inhaltsstoffe der Creme handeln. Dann ist besser, das Produkt wieder abzusetzen. Das enthaltene Avocado-Öl kann eine so genannte Kreuzallergie auslösen: Wer überempfindlich gegen Walnüsse, Kiwis, Bananen oder Latex ist, kann ebenso auf Avocado-Öl reagieren. Vor der Verwendung sollte man daher die Salbe an einer kleinen Hautstelle testen, um das Risiko einer allergischen Reaktion auszuschließen. 

Konsequenzen für den Filmemacher

Der Journalist Klaus Martens, der die Salbe durch seinen Film ins Gespräch gebracht hatte, wurde im Mai 2010 vom WDR freigestellt. Ferner leitete der Sender arbeitsrechtliche Schritte gegen ihn ein. Der Mitarbeiter habe Vorgesetzte über den Zusammenhang von Sendedatum und Buchveröffentlichung getäuscht und in einer dienstlichen Erklärung falsche Angaben gemacht, sagte die Intendantin Monika Piel in einer Pressemitteilung.

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