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Steißbeinfistel im Anfangsstadium: Was tun?


Anfangs unauffällig
Steißbeinfistel im Anfangsstadium – muss sie behandelt werden?

Von Geraldine Nagel

Aktualisiert am 02.10.2022Lesedauer: 3 Min.
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Im Anfangsstadium macht sich eine Steißbeinfistel nicht durch Beschwerden bemerkbar. Im akuten Stadium können jedoch Schmerzen und andere Symptome auftreten.Vergrößern des Bildes
Im Anfangsstadium macht sich eine Steißbeinfistel nicht durch Beschwerden bemerkbar. Im akuten Stadium können jedoch Schmerzen und andere Symptome auftreten. (Quelle: aquaArts studio/Getty Images)

Oft besteht eine Steißbeinfistel im Anfangsstadium lange unbemerkt, ehe sie sich entzündet. Wie sieht sie aus und wann besteht Handlungsbedarf?

Der Begriff Steißbeinfistel (Fachausdruck Pilonidalsinus oder Sinus pilonidalis) bezeichnet einzelne oder mehrere kleine Hohlräume und Gänge, die sich in der Haut oberhalb des Steißbeins am Ende der Gesäßfalte gebildet haben. Meist findet sich in solchen "Hauttaschen" ein Haar. Wahrscheinlich als Folge eines abgeschnittenen und dadurch scharfkantigen Kopfhaares, dass sich dort irgendwann einmal in die Haut eingebohrt und eine Entzündungsreaktion im Unterhautgewebe ausgelöst hat.

Entzündet oder infiziert sich die Hauttasche, kann die Steißbeinfistel vom Anfangsstadium in die akute Form übergehen. Dann entwickelt sich innerhalb weniger Tage ein größerer Abszess, der meist mit starken Schmerzen einhergeht. Über einen Fistelgang mit Öffnung in der Haut fließt dann unter Umständen eitriges Sekret ab.

Gut zu wissen

Steißbeinfisteln können sich sowohl bei Männern als auch bei Frauen entwickeln. Männer sind jedoch mehr als doppelt so häufig davon betroffen.

Steißbeinfisteln bestehen oft viele Jahre, ehe sie sich entzünden

Zwar kann sich ein Abszess bei einer Steißbeinfistel innerhalb kurzer Zeit bilden. Der bis dahin unauffällige Pilonidalsinus besteht jedoch häufig schon seit langer Zeit, möglicherweise bereits seit der Pubertät.

Eine Steißbeinfistel verursacht im Anfangsstadium üblicherweise keinerlei Beschwerden und ist allenfalls durch kleine Vertiefungen (sogenannte Pori) in der Haut am oberen Ende der Gesäßfalte zu erkennen. Der Fachausdruck für dieses Stadium lautet asymptomatischer oder blander Pilonidalsinus.

Eine Steißbeinfistel im Anfangsstadium geht nicht von selbst weg. Sie bleibt häufig sogar gänzlich unbemerkt, sofern sie keine Beschwerden hervorruft oder zufällig bei einer ärztlichen Untersuchung festgestellt wird.

Ohne Beschwerden kein Behandlungsbedarf

Eine Steißbeinfistel im Anfangsstadium, die keinerlei Symptome hervorruft, hat aus medizinischer Sicht keinen Krankheitswert. Eine Behandlung ist zu diesem Zeitpunkt nicht notwendig.

Ob sich aus einer Steißbeinfistel im Anfangsstadium einmal eine akut oder chronisch entzündete Steißbeinfistel entwickeln wird, lässt sich nicht vorhersagen. In vielen Fällen besteht ein asymptomatischer Pilonidalsinus lebenslang, ohne jemals Beschwerden zu verursachen.

Wichtig: Bei Beschwerden keine Zeit verlieren

Sobald sich eine bislang asymptomatische Steißbeinfistel durch Beschwerden bemerkbar macht, sollten Betroffene nicht zögern und möglichst rasch einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen. Denn dann besteht in der Regel bereits ein Abszess und die Steißbeinfistel muss nun zeitnah operativ behandelt werden.

Auf eine akut entzündete Steißbeinfistel deuten insbesondere folgende Anzeichen hin:

  • kleine oder größere Schwellung am oberen Ende der Gesäßfalte, die mit Schmerzen und Rötung einhergeht
  • bei Druck auf den Bereich treten Schmerzen auf
  • aus einer kleinen Öffnung tritt eitrig-blutiges Sekret aus

Bei einer chronisch entzündeten Steißbeinfistel kann der betroffene Hautbereich hingegen unauffällig aussehen und schmerzfrei sein, aber (vor allem bei Druck) blutige, eitrige oder klare Flüssigkeit aus der Öffnung austreten.

Steißbeinfistel im Anfangsstadium: Was können Betroffene tun?

Eine Steißbeinfistel im Anfangsstadium benötigt normalerweise keine Behandlung, sollte jedoch (sofern bekannt) beobachtet werden. In vielen Fällen bleibt sie auch weiterhin ohne Symptome und verschlimmert sich nicht.

Ist bereits bekannt, dass ein asymptomatischer Pilonidalsinus vorliegt, lässt sich das Risiko, dass sich dieser entzündet oder sich neue Steißbeinfisteln bilden, mit verschiedenen Maßnahmen senken.

So ist es beispielsweise ratsam, regelmäßig zu duschen oder zu baden. (Mangelnde) Hygiene hat für sich genommen zwar wahrscheinlich nichts mit der Entstehung zu tun. Durch regelmäßiges Abduschen mit Wasser lassen sich jedoch lose Haare, die gegebenenfalls in die Gesäßfalte gelangt sind, wegspülen. Das kann verhindern, dass diese sich in die Haut einbohren.

Häufige Kurzhaarschnitte (insbesondere in jungen Jahren, wie etwa beim Militär) zählen als Risikofaktor, da dabei öfter kurze Haare mit Schnittkante bis in die Gesäßfalte gelangen können. Einer Studie zufolge lassen sich kurze Schnitthaare tatsächlich bereits innerhalb von wenigen Minuten nicht nur im Schulterbereich, sondern auch am Rücken und im Lendenbereich nachweisen. Insbesondere nach einem Friseurbesuch empfiehlt es sich deshalb zu duschen.

Positiv kann sich zudem auswirken, wenn der Gesäßbereich möglichst trocken gehalten und übermäßiges Schwitzen vermieden wird. Helfen kann dabei eine lockere und luftdurchlässige beziehungsweise atmungsaktive Kleidung.

Eine starke Körperbehaarung kann Steißbeinfisteln zudem begünstigen. Für manche Betroffene mit asymptomatischer oder auch bereits operierter Steißbeinfistel kann eine dauerhafte Haarentfernung daher von Vorteil sein und das Risiko senken – etwa mithilfe einer Laserepilation.

Weitere Risikofaktoren dafür, dass eine Steißbeinfistel vom Anfangsstadium in die akute Form übergeht und sich ein Abszess entwickelt, können starkes Übergewicht (Adipositas) und langes Sitzen sein.

Gut zu wissen

Der Fachausdruck für die sogenannte Steißbeinfistel lautet Sinus pilonidalis oder Pilonidalsinus. Andere Bezeichnungen sind Haarnestgrübchen oder Haarnestfistel. Der umgangssprachliche Ausdruck "Steißbeinfistel" ist zwar vielen geläufig, fachlich gesehen ist er jedoch nicht ganz korrekt. Teils gleichbedeutend verwendet, aber aus fachlicher Sicht ebenfalls unzutreffend sind die Begriffe Pilonidalzyste, Dermoidzyste, Steißbeindermoid, Sakralzyste, Sakraldermoid, Raphefistel oder Sakrokokzygealzyste.

Transparenzhinweis
  • Die Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung und dürfen daher nicht zur Selbsttherapie verwendet werden.
Verwendete Quellen
  • "Sinus pilonidalis". Online-Informationen von Amboss: www.amboss.com (Stand: 19.1.2022)
  • Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Koloproktologie: "Sinus pilonidalis" (PDF). AWMF-Leitlinien-Register Nr. 081/009 (Stand: 2020)
  • "Pilonidal sinus". Online-Informationen der National Health Services: www.nhs.uk (Stand: 11.12.2020)
  • "Sinus pilonidalis (Pilonidalzyste)". Online-Informationen von Deximed: deximed.de (Stand: 18.8.2020)
  • Lagiardèr, F., et al.: "Checkliste Chirurgie". Thieme, Stuttgart 2016
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