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Mittel gegen Haarausfall: Was helfen kann

Lücken auf der Kopfhaut  

Haarausfall: Was hilft wirklich?

Larissa Koch

10.07.2018, 11:22 Uhr
Mittel gegen Haarausfall: Was helfen kann. Eine Frau hält eine Bürste mit vielen Haaren in der Hand. (Quelle: Getty Images/ipopba)

Haarausfall: Wie er kommt und wie er wieder geht. (Quelle: ipopba/Getty Images)

Gäbe es ein wirksames Hausmittel gegen Haarausfall, wäre wohl ein Traum vieler erfüllt. Denn der Verlust der Kopfhaare kann etwas traumatisches haben. Es ist der unmissverständliche Hinweis: Jetzt wird man sichtbar älter. Es gibt aber auch andere Ursachen. Welche das sein können und wie Sie Haarausfall stoppen, erfahren Sie hier.

Etwa jeder zweite 50-jährige Mann ist von Haarausfall betroffen. Mit 80 Jahren haben nur noch ein Fünftel der Männer volles Haar. Bei Frauen ist der altersbedingte Haarausfall deutlich seltener. Von zehn 70-Jährigen verlieren rund drei bis vier Haare, die nicht mehr nachwachsen.

Ursachen von Haarausfall

Jeder verliert am Tag zwischen 80 und 100 Haare – das ist vollkommen normal. Von Haarausfall spricht man hingegen im Allgemeinen, wenn Ihnen täglich deutlich mehr als 100 Haare ausfallen. Der Leidensdruck bei Haarverlust ist meist groß. Die Ursachen können unterschiedlich sein. In den meisten Fällen ist der Haarausfall jedoch genetisch bedingt, erklärt Dr. Uwe Schwichtenberg, Hautarzt und Landesvorsitzender des Berufsverbands der Deutschen Dermatologen in Bremen. 

Es gibt vier gängige Formen von Haarausfall:

  • anlagebedingt
  • diffus
  • kreisrund
  • vernarbend

Am häufigsten ist der anlagebedingte Haarausfall. Etwa 20 Prozent der Männer sind davon betroffen. "Bei Frauen passiert das deutlich seltener und es tritt viel später auf. Sie verlieren zudem viel weniger Haare. Männer fangen früher damit an und machen das vollständiger", so der Dermatologe. Bei Männern zeigt sich der Haarverlust meist zuerst mit Geheimratsecken oder einem "Hubschrauberlandeplatz". Bei Frauen dünnt sich der Scheitel aus. Beides sei genetisch programmiert, erklärt Dr. Schwichtenberg.

Bei Frauen komme dagegen relativ häufig der sogenannte diffuse Haarausfall vor: "Man schmeißt vermehrt Haare raus, es wachsen aber gleichzeitig auch verstärkt Haare nach." Zunächst wirke das sehr besorgniserregend, schildert der Arzt Erfahrungen seiner Patientinnen: "Man schaut ins Waschbecken und da liegen hunderte Haare. Da drängt sich sofort der Gedanke auf: Oh Gott – wenn das noch drei Wochen so weitergeht, habe ich ja kein einziges Haar mehr auf dem Kopf".

Der Hautarzt kann den Betroffenen allerdings die Angst nehmen. Denn die Haare wachsen genauso wieder nach, wie sie ausgefallen sind. Der Haken sei allerdings: Es fallen lange Haare aus aber wenn sie nachwachsen sind sie natürlich erstmal kurz. Das Ergebnis sei dann oft ein Kurzhaarschnitt. Die Ursachen für den diffusen Haarausfall seien sehr vielfältig. Meist handele es sich um Störungen der Schilddrüse und bei jungen Frauen sei die Ursache manchmal Eisenmangel infolge der Regelblutung.

Der sogenannte vernarbende Haarausfall sei sehr selten, aber dauerhaft. Die Kopfhaut ist vernarbt und es können keine Haare mehr nachwachsen. Auslöser sind seltene Hauterkrankungen.

Kreisrunder Haarausfall

Dahinter steckt eine Autoimmunerkrankung, die zu Haarausfall führt. Der medizinische Fachbegriff für diese Form des Haarausfalls heißt "Alopecia areata". Auf dem Kopf bilden sich eine oder mehrere münzgroße lichte Stellen. Aber auch andere behaarte Körperstellen wie der Bart können betroffen sein. Die Ursachen für die Erkrankung sind weitgehend unklar. "Es handelt sich um ein Autoimmunphänomen. Körpereigene Abwehrzellen haben hier Blödsinn gelernt und halten es für eine tolle Idee, Haarwurzeln stumm zu schalten, aber nicht etwa, sie kaputtzumachen", sagt Schwichtenberg. Die Haare können daher jederzeit wieder nachwachsen. "Und zwar sobald irgendwann jemand den Abwehrzellen erzählt, dass es Quatsch ist, was sie gerade tun und dass sie das bitte lassen sollen" ergänzt der Experte. Und das könne manchmal Jahre dauern.

Neben diesen Ursachen kann sich dass Haarwachstum auch während der Schwangerschaft ändern, weil sie durch die hormonelle Umstellung bei vielen Frauen weniger Haare ausfallen. Während der Stillzeit verlieren die jungen Mütter die zusätzlichen Haare dann wieder. 

Gibt es Hausmittel gegen Haarausfall?

Nein. So lautet die knappe und unmissverständliche Antwort von Dr. Schwichtenberg. All die Mittel, die als angeblich wirksam propagiert werden von Aloe Vera über Bier oder Kokosöl bis hin zu ätherischen Ölen sind nutzlos. Das Haar wird sich vom Ausfallen damit nicht abhalten lassen. Nicht besser steht es um Präparate aus Drogerien oder Apotheken, klärt der Arzt auf: "Die Leute schütten unendlich viele Stoffe in sich hinein, zum Beispiel Kieselerde, Zink oder Biotin. Die Liste ist unendlich, aber es gibt keine wissenschaftliche Grundlage für ihre Wirksamkeit".

Kombinationspräparate mit dem Hauptinhaltsstoff Medizinalhefe, die in der Apotheke erhältlich sind, seien hingegen einen Versuch wert. Bezogen auf die Wirksamkeit dieser Präparate gebe es "ein Paar zarte Studien, die einen gewissen Effekt zeigen", sagt Schwichtenberg.

Haarausfall stoppen – was wirklich hilft

Es gibt zwei Wirkstoffe, die nachweislich gegen hormonell bedingten Haarausfall helfen: Finasterid und Minoxidil. Das österreichische Netzwerk "medizin-transparent.at" an der Donau-Universität Krems fasst auf seiner Internetseite die Studienlage zusammen. Demnach kann die regelmäßige Anwendung einer Minoxidil-Lösung mit zwei bis drei Prozent des Wirkstoffs auf der Kopfhaut bei rund drei von zehn betroffenen Männern zu kosmetisch signifikanten Besserungen führen. Auch bei Frauen mit hormonell verursachtem Haarausfall zeigt demnach die Behandlung mit Minoxidil Wirkung. 

Als Nebenwirkungen kann es zu Hautreizungen, Jucken und Hautentzündungen kommen. Zudem könne es zu unerwünschtem Haarwuchs an anderen Stellen außer der Kopfhaut kommen. Minoxidil war ursprünglich ein Mittel gegen hohen Blutdruck. Es stellte sich jedoch heraus, dass es eine Nebenwirkung hat – es befeuert das Haarwachstum. 

Ebenfalls wissenschaftlich gut belegt ist laut "medizin-transparent.at" die Wirkung von Finasterid. Nach sechs bis zwölf Monaten zeige sich bei rund vier von zehn Männern eine Besserung des Haarwuchses. Das Medikament wird oral eingenommen und kann deshalb jedoch in den Hormonhaushalt eingreifen. Häufige Nebenwirkungen sind demzufolge Beeinträchtigungen des Sexuallebens und Erektionsstörungen und zwar bei jeweils einem von 100 Männern.

In seltenen Fällen kann es demzufolge auch zu Brustwachstum, Schmerzen in den Hoden und Depressionen kommen. Gegen Haarausfall bei Frauen dürfte das Mittel hingegen nicht helfen, schreiben die Wissenschaftler. Und für beide Wirkstoffe, Minoxidil und Finasterid, gilt: Wird die Behandlung abgesetzt, fällt auch das Haar wieder aus. "Die Wirksamkeit anderer Mittel ist kaum oder nicht abgesichert", lautet das Fazit der Experten.

Worauf müssen Menschen mit Haarausfall achten? 

"Sie können mit Ihren Haaren eigentlich veranstalten, was Sie wollen, das hat keinen Einfluss auf den Haarausfall", stellt Schwichtenberg klar. Denn dieser sei eine Problematik der Kopfhaut. Werbeaussagen wie "Doping für die Haare" etwa für koffeinhaltige Shampoos, seien leere Versprechen. Der Haarausfall könne mit solchen Mitteln zur äußeren Anwendung nicht beeinflusst werden. Tägliches Haarewaschen, egal mit welchem Shampoo oder Tinkturen sowie Färben, Tönen und Föhnen sowie Kämmen – all das habe keine Auswirkung auf den Haarverlust.  

Verwendete Quellen:

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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