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Drogen-Epidemie bringt USA mehr Spenderorgane

Kann das gut gehen?  

Drogen-Epidemie bringt USA mehr Spenderorgane

19.05.2018, 16:13 Uhr | Andrea Barthélémy, dpa

Drogen-Epidemie bringt USA mehr Spenderorgane. Transport eines Spenderorgans: Durch die Drogenepidemie stehen in den USA derzeit mehr solcher Organe zur Verfügung als früher. (Quelle: dpa/University Of Utah Health Care)

Transport eines Spenderorgans: Durch die Drogenepidemie stehen in den USA derzeit mehr solcher Organe zur Verfügung als früher. (Quelle: University Of Utah Health Care/dpa)

Auch in den USA sind die Wartelisten für Spenderorgane lang. Ausgerechnet die furchtbare Opioid-Krise verspricht manchen Patienten Hoffnung.

Durch die verheerende Opioid-Epidemie ist die Menge der verfügbaren Spenderorgane in den USA unerwartet gestiegen: Die Zahl der Drogentoten, die mindestens ein Organ spendeten, hat sich von 59 (2000) auf 1029 (2016) erhöht. Fast 14 Prozent sämtlicher Organspenden gehen mittlerweile darauf zurück. Doch wie sicher sind die Organe von Drogentoten für die 110 000 Menschen, die in den USA dafür auf der Warteliste stehen? Forscher der University of Utah in Brigham geben nun zumindest für Lungen und Herzen grünes Licht.

Wie gut funktionieren die Organe?

Sie sichteten die Transplantationsakten von 2360 Patienten aus 17 Jahren und fanden heraus: Spender-Herzen und -Lungen von Drogentoten funktionierten ein Jahr nach der Transplantation genauso gut wie diejenigen von Menschen, die an einem Schlaganfall, Hirnblutungen oder Schusswunden gestorben waren. Das Team um Mandeep Mehra berichtet darüber im "New England Journal of Medicine".

"Wir waren überrascht zu sehen, dass fast die gesamte Erhöhung der Transplantationsaktivität in den USA der vergangenen fünf Jahre auf die Drogen-Krise zurückgeht", berichtet der Arzt.

Schäden blieben aus

Herz und Lungen seien für die Arbeit ausgewählt worden, weil diese Organe besonders sensibel auf Sauerstoffmangel reagierten, ergänzt Ko-Autor Josef Stehlik vom Zentrum für Hertransplantation der Universität. Mögliche Schäden hätten dann bald nach einer Transplantation sichtbar werden müssen.

Das war aber nicht der Fall. "Bislang werden diese Organe oft nicht als geeignet für Organspende angesehen", beklagt Stehlik und hofft, dass sich das nach der Studie weiter ändert.

Das Ausmaß der Drogen-Epidemie

Durchschnittlich 115 Menschen starben in den USA in den vergangenen Jahren nach Angaben der Drogenbehörde Nida jeden Tag an einer Überdosis von Opioiden, darunter Schmerzmittel, Heroin und das synthetische Fentanyl. 2016 gab es einen gewaltigen Anstieg auf rund 62.000 Überdosis-Todesopfer, 22 Prozent mehr als noch im Vorjahr. Im Mittleren Westen wuchs die Opferzahl sogar um 70 Prozent. Für 2017 rechnen Experten mit einem weiteren Anstieg.

Bei uns kaum Organe von Drogenopfern

In Deutschland spielen Spenderorgane von Drogentoten kaum eine Rolle. Ihr Einsatz ist – nach gründlicher Prüfung auf Infektionen wie HIV oder Hepatitis – zwar möglich, aber nur an bestimmte Empfänger: Diese müssen zuvor bereits zugestimmt haben, solche Organe zu akzeptieren.

"Der Anteil der Organe ist extrem niedrig, er lag in den Jahren 2011-13 bei nur 0,6 Prozent aller Spender", berichtet Birgit Blome von der Deutschen Stiftung Organtransplantation. 2017 starben in Deutschland 1272 Menschen an illegalen Drogen.

Verwendete Quellen:
  • dpa

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