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FĂŒr diesen Beitrag haben wir alle relevanten Fakten sorgfĂ€ltig recherchiert. Eine Beeinflussung durch Dritte findet nicht statt.

Das hilft, wenn die Scheidenflora aus dem Gleichgewicht ist

Von Astrid Clasen

Aktualisiert am 01.06.2021Lesedauer: 5 Min.
BedrĂŒckt wirkende junge Frau: Wenn eine bakteriellen Vaginose zu einem fischig riechenden Scheidenausfluss fĂŒhrt, ist das den betroffenen Frauen oft sehr unangenehm.
BedrĂŒckt wirkende junge Frau: Wenn eine bakteriellen Vaginose zu einem fischig riechenden Scheidenausfluss fĂŒhrt, ist das den betroffenen Frauen oft sehr unangenehm. (Quelle: praetorianphoto/getty-images-bilder)
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Die bakterielle Vaginose zĂ€hlt zu den hĂ€ufigsten Erkrankungen der Scheide. Treffen kann sie jede Frau. Die Folgen reichen von harmlosen VerlĂ€ufen ĂŒber EntzĂŒndungen bis hin zu Komplikationen bei Schwangerschaft und Geburt.

Das Wichtigste im Überblick


  • Bakterielle Vaginose: Symptome
  • Bakterielle Vaginose: Ursachen
  • Bakterielle Vaginose: Ansteckung
  • Bakterielle Vaginose: Hausmittel
  • Bakterielle Vaginose: Antibiotika-Therapie

Als bakterielle Vaginose bezeichnen Fachleute eine VerĂ€nderung der Scheidenflora – genauer: eine verĂ€nderte Zusammensetzung der darin vorhandenen Bakterien. Mit Flora sind in der Medizin allgemein alle Mikroorganismen gemeint, die eine Körperregion besiedeln.

Normalerweise besteht die Scheidenflora hauptsÀchlich aus MilchsÀurebakterien (auch Laktobazillen genannt). Bei einer bakteriellen Vaginose ist die Zahl der MilchsÀurebakterien jedoch verringert. Andere Bakterien, die sonst nur vereinzelt in der Scheidenflora vorkommen, vermehren sich hingegen stark.

Etwa fĂŒnf Prozent aller Frauen im gebĂ€rfĂ€higen Alter haben eine bakterielle Vaginose. Unter Schwangeren sind es sogar bis zu 20 Prozent. Erfahren Sie, wie es zu der Fehlbesiedlung der Scheide kommt, welche Folgen sie haben kann und was dagegen hilft.

Bakterielle Vaginose: Symptome

Oft verlĂ€uft eine bakteriellen Vaginose ohne Symptome: Mindestens die HĂ€lfte der betroffenen Frauen verspĂŒrt keinerlei Beschwerden.

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Wenn eine bakterielle Vaginose Symptome hervorruft, dann handelt es sich meist um einen dĂŒnnflĂŒssigen, manchmal schaumigen, grau-weißen Scheidenausfluss. Der Ausfluss riecht typischerweise auffĂ€llig fischig. Der Geruch kann sich nach dem Geschlechtsverkehr und wĂ€hrend der Periode verstĂ€rken. Den betroffenen Frauen ist das alles oft sehr unangenehm.

Slipeinlagen: DĂŒnnflĂŒssiger, grau-weißer Ausfluss aus der Scheide kann ein Anzeichen fĂŒr eine bakterielle Vaginose sein.
Slipeinlagen: DĂŒnnflĂŒssiger, grau-weißer Ausfluss aus der Scheide kann ein Anzeichen fĂŒr eine bakterielle Vaginose sein. (Quelle: Tatiana Syrtseva/getty-images-bilder)

Bei einigen Frauen fĂŒhrt die bakterielle Vaginose zu einer ScheidenentzĂŒndung. Symptome hierfĂŒr sind zum Beispiel:

  • Juckreiz und Brennen in der Scheide
  • Scheidentrockenheit
  • geröteter Scheideneingang
  • geschwollene Scheidenschleimhaut
  • Beschwerden beim Wasserlassen
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr

Unter UmstĂ€nden kann eine bakterielle Vaginose auch schwerwiegendere Symptome nach sich ziehen. So kann eine Scheideninfektion in der Schwangerschaft das Risiko fĂŒr vorzeitige Wehen, eine Fehlgeburt oder FrĂŒhgeburt leicht erhöhen.

Zudem erhöht eine Scheideninfektion bei allen Frauen das Risiko, dass weitere Erreger die Scheide infizieren und/oder dass sich die Erreger der Scheideninfektion ausbreiten. Zu den möglichen Folgen von aufsteigenden Infektionen infolge der bakteriellen Vaginose gehören vor allem:

  • Eileiter- und EierstockentzĂŒndung (Adnexitis)
  • EntzĂŒndung der GebĂ€rmutterschleimhaut (Endometritis)

Bakterielle Vaginose: Ursachen

Eine bakterielle Vaginose entsteht durch ein gestörtes Scheidenmilieu. Ursache hierfĂŒr ist ein Ungleichgewicht in der Scheidenflora.

Bei Frauen im gebĂ€rfĂ€higen Alter ist die Schleimhaut einer gesunden Scheide ĂŒberwiegend von MilchsĂ€urebakterien besiedelt. Diese Bakterien bilden MilchsĂ€ure. Das sorgt fĂŒr ein leicht saures Scheidenmilieu mit einem pH-Wert von 4,5 bis 3,8.

Schon gewusst?
Die MilchsÀurebakterien, die normalerweise die Scheidenschleimhaut von Frauen im gebÀrfÀhigen Alter besiedeln, werden auch Döderlein-Bakterien oder Döderlein-StÀbchen genannt (nach dem deutschen Frauenarzt Albert Döderlein).

In einem sauren Milieu können sich viele andere Mikroorganismen nur schlecht vermehren. Die MilchsĂ€urebakterien halten also die Scheidenflora im Gleichgewicht und schĂŒtzen gleichzeitig vor Infektionen. Nimmt die Zahl der MilchsĂ€urebakterien ab, steigt das Risiko fĂŒr eine bakterielle Vaginose.

Denn wenn weniger MilchsĂ€urebakterien vorhanden sind, steigt der pH-Wert. Die Folge: Andere Bakterien der Scheidenflora können sich nun stark vermehren und die MilchsĂ€urebakterien immer weiter zurĂŒckdrĂ€ngen. Am hĂ€ufigsten (zu 95 %) sind Gardnerellen fĂŒr eine solche bakterielle Vaginose verantwortlich. Zu den weiteren möglichen Erregern zĂ€hlen:

  • Mobiluncus spp.
  • Atopium vaginae
  • Bacteroides
  • Mykoplasmen
  • Streptokokken

Dass die Scheidenflora so aus dem Gleichgewicht gerĂ€t, dass eine bakterielle Vaginose entsteht, kann mehrere Ursachen haben. Das Scheidenmilieu reagiert auf viele hormonelle und Ă€ußere EinflĂŒsse und verĂ€ndert sich im Lauf des Lebens stĂ€ndig.

Kleine Störungen bekommen die MilchsĂ€urebakterien in einer gesunden Scheide normalerweise in den Griff, sodass das leicht saure Scheidenmilieu schnell wiederhergestellt ist. Doch bestimmte Risikofaktoren können eine bakterielle Vaginose begĂŒnstigen. Mögliche Ursachen fĂŒr ein solches erhöhtes Risiko sind zum Beispiel:

  • ĂŒbertriebene Intimhygiene (wie der Einsatz von ScheidenspĂŒlungen, Seife oder Duschgel)
  • hĂ€ufiger Sex (vor allem bei oft wechselnden Partnerinnen oder Partnern)
  • Behandlung mit Antibiotika zum Einnehmen
  • Östrogenmangel
  • Blutungen (etwa wĂ€hrend der Periode)
  • Stress
  • Rauchen

Bakterielle Vaginose: Ansteckung

Wie die Bezeichnung "bakterielle Vaginose" schon sagt, spielen bei der Scheidenerkrankung Bakterien eine Rolle. Diese sind auch ĂŒbertragbar – etwa durch Geschlechtsverkehr. Doch nach Ansicht mancher Fachleute zĂ€hlt die bakterielle Vaginose nicht zu den sexuell ĂŒbertragbaren Erkrankungen im engeren Sinn.

Die bakterielle Vaginose selbst ist nicht direkt ansteckend

Die bakterielle Vaginose entsteht nicht durch Ansteckung mit einem Krankheitserreger, sondern durch ein gestörtes Scheidenmilieu. Dieses verursacht ein Ungleichgewicht zwischen den sonst in der Überzahl vorhandenen MilchsĂ€urebakterien und anderen Bakterien, die meist ebenfalls natĂŒrlich in der Scheide vorkommen.

Schon gewusst?
Das hauptsĂ€chlich fĂŒr die bakterielle Vaginose verantwortliche Bakterium Gardnerella vaginalis ist auch bei fast einem Drittel der Frauen ohne bakterielle Vaginose nachweisbar.

Bakterielle Vaginose kann völlig unabhĂ€ngig von sexueller AktivitĂ€t auftreten – auch bei Frauen, die noch nie Sex hatten. Allerdings haben Frauen, die sexuell sehr aktiv sind, ein erhöhtes Risiko fĂŒr eine bakterielle Vaginose. Etwa, wenn sie neue Sexualpartnerinnen oder Sexualpartner haben oder diese oft wechseln.

Zudem kommt es bei einer bakteriellen Vaginose eher zur Ansteckung mit Krankheitserregern, da diese sich durch das gestörte Scheidenmilieu leichter ansiedeln können. So haben etwa 30 Prozent der Frauen mit sexuell ĂŒbertragbaren Erkrankungen gleichzeitig eine bakterielle Vaginose.

Frau mit Beschwerden im Genitalbereich: Eine bakterielle Vaginose erhöht das Risiko fĂŒr Infektionen mit Krankheitserregern.
Frau mit Beschwerden im Genitalbereich: Eine bakterielle Vaginose erhöht das Risiko fĂŒr Infektionen mit Krankheitserregern. (Quelle: Doucefleur/getty-images-bilder)

Bakterielle Vaginose: Hausmittel

Manche Frauen versuchen, eine bakterielle Vaginose mit Hausmitteln selbst zu behandeln oder zu verhindern. Andere setzen auf solche Mittel, um die Ă€rztliche Behandlung zu unterstĂŒtzen und die Heilung zu fördern.

Hausmittel gegen bakterielle Vaginose sollen meist den pH-Wert in der Scheide senken. Dies zielt darauf ab, schÀdliche Bakterien zu verdrÀngen und so das Gleichgewicht in der Scheidenflora wiederherzustellen.

Beispiele hierfĂŒr sind in Naturjoghurt getrĂ€nkte Tampons oder SitzbĂ€der in Essig- oder Zitronenwasser. Ob solche Hausmittel wirklich gegen eine bakterielle Vaginose helfen und wie sicher sie sind, ist aber unklar. Zu empfehlen sind sie wegen möglicher Nebenwirkungen (wie etwa Reizungen der Scheidenschleimhaut) jedenfalls nicht.

HĂ€ufig nehmen Frauen auch ZĂ€pfchen oder Kapseln mit lebenden MilchsĂ€urebakterien ein, um eine bakterielle Vaginose zu behandeln. Womöglich können diese Hausmittel – ergĂ€nzend zu einer Antibiotika-Behandlung – das Risiko fĂŒr RĂŒckfĂ€lle senken. Doch der wahre Nutzen und die Nebenwirkungen dieser Mittel sind noch nicht gut untersucht.

Schon gewusst?
Der beste Schutz vor einer bakteriellen Vaginose ist ein starkes Immunsystem. StÀrken können Sie Ihre AbwehrkrÀfte, indem Sie sich gesund und ausgewogen ernÀhren, körperlich aktiv sind und aufs Rauchen verzichten. Wichtig ist auch, bei der Intimpflege nur pH-neutrale Mittel zu verwenden.

Bakterielle Vaginose: Antibiotika-Therapie

Eine bakterielle Vaginose ist gut mit Antibiotika behandelbar. Fachleute empfehlen Metronidazol oder Clindamycin: Beide Wirkstoffe können als Tabletten eingenommen oder als ZĂ€pfchen oder Creme in die Scheide eingefĂŒhrt werden. Bei Schwangeren im ersten Schwangerschaftsdrittel ist nur eine örtliche Behandlung geeignet.

Damit die Therapie optimal gegen die bakterielle Vaginose wirkt, ist es wichtig, die Antibiotika genauso anzuwenden wie verordnet. Je nach Wirkstoff, Darreichungsform, Dosierung und Ausmaß der Beschwerden dauert die Therapie ein bis sieben Tage.

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Wichtiger Hinweis:
Solange die bakterielle Vaginose trotz Antibiotika-Therapie noch Beschwerden bereitet, verzichten Sie am besten auf Geschlechtsverkehr. Hat Ihre Ärztin oder Ihr Arzt Ihnen Metronidazol verschrieben, sollten Sie fĂŒr die Dauer der Behandlung zudem keinen Alkohol trinken: Denn beides zusammen verursacht Übelkeit.

Ratsam ist eine Antibiotika-Therapie spĂ€testens dann, wenn eine bakterielle Vaginose Beschwerden bereitet. Das gilt auch in der Schwangerschaft: Eine frĂŒhzeitige Behandlung kann das Risiko fĂŒr Fehlgeburten senken, das durch die Scheideninfektion leicht erhöht ist.

Frauen, bei denen die bakterielle Vaginose keinerlei Symptome hervorruft, brauchen hingegen meist keine Antibiotika. Anders sieht es aus, wenn ein operativer Eingriff am Unterleib ansteht oder eine Schwangere ein erhöhtes Risiko fĂŒr eine FrĂŒhgeburt hat.

Dann sind Antibiotika auch bei einer bakteriellen Vaginose ohne Symptome sinnvoll, um das Risiko fĂŒr Komplikationen nach der OP beziehungsweise fĂŒr eine FrĂŒhgeburt zu senken.

RĂŒckfĂ€lle trotz Antibiotika

HĂ€ufig tritt die bakterielle Vaginose wiederholt auf: Rund ein Drittel der Frauen hat schon drei Monate nach der Antibiotika-Therapie einen RĂŒckfall. Nach einem Jahr liegt die RĂŒckfallquote sogar bei 50 Prozent.

Manchmal raten Ärztinnen und Ärzte betroffenen Frauen dazu, langfristig Metronidazol einzunehmen. Inwieweit eine solche antibiotische Langzeittherapie bei bakterieller Vaginose vor RĂŒckfĂ€llen schĂŒtzt, ist jedoch nicht hinreichend nachgewiesen.

Auch eine Mitbehandlung der Partnerin oder des Partners scheint bei einer bakteriellen Vaginose nicht nötig zu sein: Es ist nicht erwiesen, dass dies die Heilung beschleunigt oder RĂŒckfĂ€llen vorbeugt.

Gut zu wissen
Frauen, die mit Intrauterinpessar ("Spirale") verhĂŒten und hĂ€ufiger eine bakterielle Vaginose haben, kann es helfen, auf ein anderes VerhĂŒtungsmittel umzusteigen.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dĂŒrfen nicht verwendet werden, um eigenstĂ€ndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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