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Neue Coronavirus-Mutationen: Wie gefährlich sind sie und hilft der Impfstoff trotzdem?

Erste Fälle auch in Deutschland  

Wie gefährlich sind die neuen Coronavirus-Mutationen?

04.01.2021, 12:45 Uhr
Neue Coronavirus-Mutationen: Wie gefährlich sind sie und hilft der Impfstoff trotzdem? . Coronavirus: Das Erbgut von Viren verändert sich laufend – Mutationen sind nicht ungewöhnlich. (Quelle: Getty Images/Just_Super)

Coronavirus: Das Erbgut von Viren verändert sich laufend – Mutationen sind nicht ungewöhnlich. (Quelle: Just_Super/Getty Images)

In Großbritannien und Afrika breiten sich neue Formen des Coronavirus aus. Die britische Variante ist bereits in Deutschland in vielen anderen Ländern nachgewiesen worden. Sind mutierte Viren tatsächlich ansteckender?

Seit vielen Monaten grassiert das Coronavirus SARS-CoV-2 weltweit. Doch mittlerweile gibt es nicht mehr nur "das Virus", sondern verschiedene Varianten des Erregers. Aktuell machen vor allem eine in Großbritannien und eine in Südafrika entdeckte Mutationen Schlagzeilen. Was man bislang über die neuen Formen weiß – und was nicht.

Wo sind bislang neue Virusvarianten aufgetaucht?

Die zuerst in Großbritannien entdeckte Virus-Mutation, die zur sogenannten Virus-Linie B1.1.7 gehört, verbreitet sich aktuell vor allem in Europa. Erstmals gemeldet wurde sie Mitte Dezember in London und Südostengland. Daraufhin wurde die Weltgesundheitsorganisation (WHO) informiert.

Der WHO zufolge sind Mutationen des Coronavirus auch in folgenden Ländern festgestellt worden:

  • Deutschland
  • Dänemark
  • Niederlande
  • Belgien
  • Italien
  • Spanien
  • Frankreich
  • Schweden
  • Australien
  • Südafrika
  • Island
  • Nigeria

Der Chefvirologe der Berliner Charité, Christian Drosten, betonte Ende Dezember, dass die Mutationen in diesen Ländern zwar nachgewiesen worden seien, aber bisher keine rasante Entwicklung wie in Großbritannien erzeugt hätten. Dort sei das veränderte Virus in seltenen Fällen wohl schon Ende September aufgetreten.

Drosten erklärte auf Twitter: "Neue Daten zur B.1.1.7-Mutante (heute veröffentlicht). Das sieht leider nicht gut aus. Positiv ist, dass Fälle mit der Mutante bisher nur in Gebieten zunahmen, wo die Gesamtinzidenz hoch oder ansteigend war. Kontaktreduktion wirkt also auch gegen die Verbreitung der Mutante."

Virus schon vorher in Belgien aufgetaucht?

Einem Bericht der "Welt" zufolge grassiert die Corona-Mutation aus Großbritannien bereits seit Monaten in Belgien. Nach Angaben des belgischen Virologen Marc Van Ranst von der Universität Leuven wurden im Labor seiner Universität bei 2.000 Stichproben in den vergangenen Monaten vier Fälle des mutierten Virus entdeckt. Mittlerweile dürfte sich die Virus-Variante aber deutlich stärker verbreitet haben, heißt es in dem Bericht.

Dass sich die EU-Behörden erst nach dem Bekanntwerden der Fälle in Großbritannien in einer Krisensitzung berieten, könnte an den eindrücklichen Worten der britischen Regierung liegen. Gesundheitsministers Matt Hancock sagte, die neue Variante des Coronavirus sei "außer Kontrolle".

Ist die britische Virus-Mutation auch schon in Deutschland?

Wie weit die Variante B.1.1.7 hierzulande bereits verbreitet ist, ist nicht ganz klar. Ein Grund dafür: In Deutschland wird bei Corona-Infizierten deutlich seltener das Virus-Erbgut entziffert als etwa in Großbritannien. Das ist aber wichtig, um frühzeitig neu entstandene Varianten zu entdecken.

Bislang sind bei uns nur vereinzelt Fälle von B.1.1.7 bekannt geworden, etwa in Baden-Württemberg und in Nordrhein-Westfalen. Das Robert Koch-Institut erwartet aber, dass weitere Fälle hinzukommen.

Was ist über die Virus-Mutation aus Südafrika bekannt?

Eine zweite Mutation wurde kürzlich bei Untersuchungen in Südafrika entdeckt. Nach Angaben der Regierung trägt sie den Namen 501.V2. Diese Variante wurde inzwischen auch in anderen Ländern nachgewiesen, darunter Großbritannien und Frankreich.

Forscher: Corona-Varianten in Südafrika und Großbritannien ähnlich

"Die Variationen in England und Südafrika sind ähnlich, aber vermutlich unabhängig voneinander entstanden", sagte der deutsche Wissenschaftler Wolfgang Preiser, Leiter der Abteilung für Medizinische Virologie an der Universität von Stellenbosch in Südafrika, der "Welt".

Auch die Europäische Gesundheitsbehörde ECDC teilte in einer Gefahreneinschätzung mit, die Variante in Südafrika habe "keine enge evolutionäre Beziehung" zu jener in Großbritannien. Sie zeige aber, dass die Entstehung erfolgreicher Varianten mit ähnlichen Eigenschaften womöglich nicht selten sei.

Was ist über die Virus-Mutation aus Nigeria bekannt?

Eine weitere neue Coronavirus-Variante.kursiert der panafrikanischen Gesundheitsorganisation Africa CDC zufolge in Nigeria. Es sieht so aus, als habe sie sich getrennt von den Viren-Mutanten in Südafrika und Großbritannien entwickelt, sagte der Leiter der Africa CDC, John Nkengasong, Ende Dezember.

Allerdings gebe es noch wenige Daten darüber und es werde weiter geforscht. Die Variante wurde in zwei Patientenproben entdeckt, die im August und Oktober entnommen wurden, wie aus einem Bericht von Forschern in Nigeria hervorgeht. Wie weit verbreitet die neue Variante in Nigeria oder in anderen Ländern ist, sei noch nicht bekannt.

Was ist der Unterschied zu den bisherigen Mutationen?

Das Erbgut der Coronaviren verändert sich laufend, das ist an sich nicht ungewöhnlich. Die neue Corona-Mutation unterscheidet sich von der bereits bekannten Form durch eine Veränderung am sogenannten Spike-Protein von SARS-CoV-2. Mit dieser stachelartigen Struktur heftet sich das Virus an menschliche Zellen und dringt dann in diese ein.

Die genetischen Veränderungen bei Mutationen können auch die Eigenschaften des Virus verändern und etwa dafür sorgen, dass es leichter menschliche Zellen befallen oder den Angriffen der Immunabwehr besser entkommen kann. Ob das auf die neu entdeckten Virusvarianten in Großbritannien und Südafrika zutrifft, ist aber noch unklar.

Wie ansteckend könnten die neuen Corona-Varianten sein?

Premierminister Boris Johnson hatte im britischen Parlament kürzlich gesagt, dass die neue Corona-Mutation bis zu 70 Prozent ansteckender als die bisher im Umlauf befindliche Variante sei. Das würde bedeuten, dass die neue Form für eine deutlich schnellere Ausbreitung des Virus sorgen könnte.

Christian Drosten: Der Virologe geht davon aus, dass die neue Coronavirus-Mutation auch in Deutschland vorhanden ist. (Quelle: imago images/xim.gs)Christian Drosten: Der Virologe geht davon aus, dass die neue Coronavirus-Mutation auch in Deutschland vorhanden ist. (Quelle: xim.gs/imago images)

Mit Blick auf die Angabe Johnsons äußerte Christian Drosten allerdings erhebliche Zweifel: "Diese Zahl ist einfach so genannt worden." Politiker würden solche Zahlen nennen, Medien nähmen diese auf. "Plötzlich steht so ein Wert im Raum – 70 Prozent – und keiner weiß überhaupt, was damit gemeint ist." Ob die neue Virus-Variante tatsächlich ansteckender ist kann demnach noch nicht bewertet werden. Dafür müssten Informationen aus Großbritannien abgewartet werden.

Mutation aus Südafrika ein "sehr signifikantes Problem"

Die britische Regierung warnt inzwischen vor einem großen Risiko durch die in Südafrika aufgetretene Coronavirus-Variante. Diese Mutation sei ein "sehr signifikantes Problem" und sogar ein noch größeres Problem als die hochinfektiöse britische Variante, sagt Gesundheitsminister Matt Hancock im BBC Hörfunk. Er sei "unglaublich besorgt" deswegen. Daher habe Großbritannien die Maßnahmen ergriffen, um die Flüge aus Südafrika zu beschränken.

Wirken Corona-Impfstoffe auch gegen Mutationen?

Experten schätzen die Gefahr als gering ein, dass der etwa in Großbritannien eingesetzte Biontech-Impfstoff gegen die neue Virusvariante nicht mehr oder schlechter wirkt. Die Immunreaktionen, die der Impfstoff hervorruft, richten sich gegen mehrere Merkmale des Virus, einzelne Mutationen dürften sich deshalb nicht dramatisch auswirken. Doch eine sichere Antwort wird erst in den kommenden Wochen erwartet.

Theoretisch aber können Mutationen auch die Wirksamkeit von Impfstoffen beeinflussen – denn sie zielen genau auf das Spike-Protein. Ändert sich dessen Aufbau, könnte das Immunsystem auch nach einer Impfung blind für den Erreger sein, so die Überlegung. Allerdings erzeuge der derzeit eingesetzte Impfstoff Immunreaktionen gegen das gesamte Spike-Protein, erläutert Prof. Richard Neher vom Biozentrum der Universität Basel. "Selbst wenn eine Mutation vorhanden ist, verhindert dies nicht die Erkennung durch das Immunsystem." Anders gesagt: Einzelne Mutationen reichen nicht aus, um der komplexen Immunabwehr zu entgehen.

Was bedeuten die Mutationen für den Pandemieverlauf?

Erste Untersuchungen deuten daraufhin, dass sich die mutierten Viruslinien schneller verbreiten könnten als andere. Das berichteten britische Forscher in einer ersten Beschreibung der britschen Mutation. Die Folgen davon könnten sein: mehr Infizierte, mehr Kranke, eine höhere Belastung des Gesundheitssystems, mehr Tote.

Virologe Drosten zufolge muss aber noch geklärt werden, ob das mutierte Virus in Großbritannien eine neue Infektionswelle ausgelöst hat oder ob es vielmehr im Zuge der allgemeinen Virus-Ausbreitung hochgespült wurde.

Experte: Neue Corona-Variante könnte Eindämmung schwieriger machen

Forscher betonen, dass die neue Variante eine Eindämmung der Pandemie erschweren könnte. Es erscheine anhand der verfügbaren Daten wahrscheinlich, dass die zuerst in Großbritannien entdeckte Mutation B.1.1.7 bald auch in Deutschland die dominierende Variante sein werde, meint etwa der Virologe Jörg Timm von der Uniklinik Düsseldorf.

"Ich halte eine Senkung der Fallzahlen grundsätzlich für eine nachhaltige Infektionskontrolle für notwendig. Wenn die Daten zur erhöhten Ansteckungsfähigkeit der neuen Variante stimmen – und davon gehe ich aus – dann wird die Aufgabe sicherlich schwieriger."

Verwendete Quellen:

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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