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Corona-Vektorimpfstoffe: Nutzen und Risiken von Astrazeneca, Johnson & Johnson und Sputnik V

Astrazeneca, J&J, Sputnik  

Das sind die Nutzen und Risiken der Corona-Vektorimpfstoffe

12.05.2021, 05:45 Uhr
Corona-Vektorimpfstoffe: Nutzen und Risiken von Astrazeneca, Johnson & Johnson und Sputnik V. Impfstoff von Astrazeneca: Wie Sputnik V und Johnson & Johnson zählt das Vakzin zu den Vektorimpfstoffen.  (Quelle: imago images/Sven Simon)

Impfstoff von Astrazeneca: Wie Sputnik V und Johnson & Johnson zählt das Vakzin zu den Vektorimpfstoffen. (Quelle: Sven Simon/imago images)

Mehr als 8,4 Millionen Dosen Astrazeneca wurden in Deutschland bisher verimpft. Doch: Bei dem Vektorimpfstoff traten seltene Nebenwirkungen auf. Auch Johnson & Johnson wird nur eingeschränkt empfohlen. Was spricht für und was gegen die Vakzine?

Bei nahezu allen Medikamenten und Impfstoffen gibt es Risiken und Nebenwirkungen. So auch bei den Corona-Impfstoffen. Besonders im Fokus standen dabei in den vergangenen Wochen die Vektorimpfstoffe von Astrazeneca und Johnson & Johnson. Wegen der möglichen Nebenwirkung einer Hirnvenenthrombose sind beide Vakzine mittlerweile nur noch eingeschränkt empfohlen. Doch ist der Schaden hier wirklich höher als der Nutzen?

Was ist ein Vektorimpfstoff und wie funktioniert er? 

Anders als die mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna arbeiten die Impfstoffe von Astrazeneca, Johnson & Johnson sowie beispielsweise auch der russische Impfstoff Sputnik V mit Vektorviren. Das jeweilige Vektorvirus ist dabei ein Virus, das sich nicht vermehren kann und für den Körper nicht schädlich ist. Stattdessen enthält und transportiert der Impfstoff in diesen Vektorviren die genetische Information für ein einzelnes Eiweiß des Coronavirus, das sogenannte Spikeprotein. 

Diese Information wird nicht ins menschliche Erbgut eingebaut, sondern "abgelesen", sodass die Körperzellen beginnen, selbst dieses Spikeprotein herzustellen. Das Immunsystem erkennt diese Proteine als Fremdeiweiße und beginnt, Antikörper und Abwehrzellen gegen das Coronavirus zu produzieren. Das ursprüngliche Vektorvirus kann sich im Körper jedoch nicht vermehren und wird nach kurzer Zeit wieder abgebaut. 

Was gilt für die Impfstoffe von Astrazeneca und Johnson & Johnson? 

Sowohl der Impfstoff von Astrazeneca als auch der von Johnson & Johnson ist in Deutschland zugelassen. Allerdings gibt es Einschränkungen: Mitte März wurden die Impfungen mit Astrazeneca vorübergehend ausgesetzt, weil Sinusvenenthrombosen auftraten, die im Zusammenhang mit den Impfungen stehen könnten. 

Die Europäische Arzneimittelagentur (Ema) stellte zudem fest, dass auch der Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson in seltenen Fällen ungewöhnliche Thrombosen verursachen könnte. Beide Impfstoffe werden jedoch ohne Einschränkungen empfohlen, die Nebenwirkungen seien sehr selten und der Nutzen überwiege, wie die Ema mitteilte. Beide Vakzine enthalten einen Warnhinweis, der auf die mögliche seltene Nebenwirkung hinweist. 

In Deutschland wurde das Vakzin von Johnson & Johnson für alle freigegeben, die Impfpriorisierung wurde aufgehoben. Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt den Impfstoff allerdings vor allem für über 60-Jährige. Gleiches gilt für Astrazeneca. Wenn sich Jüngere für Astrazeneca oder Johnson & Johnson entscheiden, sollen eine ärztliche Aufklärung und eine individuelle Risikoanalyse stattfinden.

Welche Risiken gibt es bei den Impfstoffen? 

Bis Ende April wurden dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI) 67 Fälle einer Hirnvenenthrombose berichtet, die nach Impfung mit Astrazeneca auftraten. 14 der Patienten verstarben. Die meisten Fälle betrafen laut PEI Frauen im Alter von 20 bis 63 Jahren.

Zum Impfstoff von Johnson & Johnson liegen dem PEI erst wenige Daten zu möglichen Nebenwirkungen vor, da er hierzulande erst seit Kurzem verimpft wird und bis Ende April erst etwa 2.000 Dosen verteilt wurden. Mittlerweile sind es etwa 20.000 Impfdosen. Nach Informationen der US-Zulassungsbehörde FDA gibt es Berichte über typische Impfreaktionen. Dazu zählen Schmerzen an der Einstichstelle, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Muskelschmerzen sowie Übelkeit. Hirnvenenthrombosen traten bei Johnson & Johnson laut der US-Gesundheitsbehörde CDC mit einer Rate von ungefähr sieben pro eine Million geimpfter Frauen zwischen 18 und 49 Jahren auf. "Bei Frauen ab 50 Jahren und Männern jeden Alters ist dieses unerwünschte Ereignis noch seltener." 

Für die seltenen schweren Impfnebenwirkungen kann Experten zufolge bisher weder eine genaue Risikogruppe noch ein bestimmter Risikofaktor definiert werden. Es gebe keine bestimmte Population, von der man auf den ersten Blick sagen könne, dass sie besonders gefährdet sei, die Komplikation zu bekommen, sagte der Direktor des Mikrobiologischen Instituts am Universitätsklinikum Erlangen, Christian Bogdan. Er ist Mitglied der Ständigen Impfkommission (Stiko).

Eine mögliche Ausnahme könnten Menschen sein, die schon einmal eine ganz bestimmte Erkrankung (Heparininduzierte Thrombozytopenie) hatten, die Ähnlichkeiten mit der Impfkomplikation aufweist. Andere Risikofaktoren, die üblicherweise für Thrombosen genannt werden, seien kein begünstigender Faktor für die spezielle Impfnebenwirkung, sagte Bogdan. Für die Frage, ob man sich mit einem der Impfstoffe impfen lassen wolle, seien die individuelle Risikobereitschaft und das Covid-19-Erkrankungsrisiko je nach Alter und Vorerkrankung wichtig.

Welche Vorteile bieten die Vektorimpfstoffe? 

Bei Impfstoffen sind die Vorteile, die gegen die Risiken abgewogen werden müssen, besonders komplex: Eine Impfung ist nicht nur für einen selbst, sondern auch für andere ein Schutz. Allerdings wirken mögliche Nebenwirkungen besonders bedrohlich, da Impfstoffe vorbeugend angewendet werden, wenn wir eigentlich gesund sind. 

Der größte Vorteil der Vektorimpfstoffe – und selbstverständlich auch der mRNA-Impfstoffe – ist natürlich der Schutz vor Covid-19. Nicht nur für die Person, die geimpft wird, sondern auch für die Personen, mit denen sie in Kontakt tritt. Denn die Impfung reduziert auch die Wahrscheinlichkeit, andere anzustecken. Beim Impfstoff von Johnson & Johnson reicht zudem eine Impfdosis für den vollständigen Schutz, was ein eindeutiger Vorteil gegenüber den mRNA-Impfstoffen und auch Astrazeneca sein kann, beispielsweise beim Schutz vulnerabler Bevölkerungsgruppen wie Obdachloser. 

Das Winton Center für Risikokommunikation an der Universität von Cambridge hat zum Vergleich von Risiko und Nutzen von Astrazeneca unter anderem die Zahl der verhinderten Krankenhausaufenthalte auf der Intensivstation zugrunde gelegt. Dabei kamen die Wissenschaftler Anfang April zu dem Schluss, dass beispielsweise bei 100.000 der 20- bis 29-Jährigen binnen 16 Wochen 2,2 Aufenthalte auf der Intensivstation aufgrund von Covid-19 durch Impfungen verhindert werden konnten.

Gleichzeitig traten in dieser Altersgruppe 1,1 spezielle Thrombosen auf. Je älter die Betroffenen werden, desto höher ist der Studie zufolge der Nutzen der Impfung und desto niedriger das Risiko einer gefährlichen Thrombose. Bei den 60- bis 69-Jährigen konnten schließlich bei 100.000 Menschen bereits mehr als 41 Krankenhausaufenthalte verhindert werden, während nur 0,2 Personen Thrombosen erlitten. Die Zahlen der verhinderten Krankenhausaufenthalte steigen schließlich parallel zur Inzidenz in der jeweiligen Region. 

Die Forscher geben jedoch zu bedenken, dass die Werte nur Schätzungen sind, die sich auf einen Zeitraum von 16 Wochen beziehen und in Großbritannien gemessen wurden. Hinzu kommen außerdem alle Fälle, die nicht auf der Intensivstation landen, bei denen aber ein "normaler" Krankenhausaufenthalt oder auch Long-Covid durch die Impfungen verhindert werden konnte. 

Wie viele Impfdosen könnten von Astrazeneca und Johnson & Johnson verimpft werden? 

In Deutschland haben die Impfungen mit dem Präparat von Johnson & Johnson Ende April begonnen. Bisher sind erst knapp 20.000 Impfungen damit in Deutschland erfasst. Gesundheitsminister Jens Spahn sagte, 450.000 Dosen seien geliefert, zehn Millionen Impfdosen sollen demnach bis Ende Juli hinzukommen.

Astrazeneca steigert seine Lieferungen laut Bundesgesundheitsministerium bis Ende Juni auf mehr als 460.000 pro Woche. Insgesamt wurden dann bis zum Quartalsende rund 20 Millionen Impfdosen von Astrazeneca geliefert.

Verwendete Quellen:

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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