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Schlaganfall-Folgen: Welche Beeinträchtigungen bleiben?


Welche Beeinträchtigungen bleiben zurück?

Von Geraldine Nagel

Aktualisiert am 03.08.2022Lesedauer: 5 Min.
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Für diesen Beitrag haben wir alle relevanten Fakten sorgfältig recherchiert. Eine Beeinflussung durch Dritte findet nicht statt.

Mann bei Reha-Übungen: Nach einem Schlaganfall müssen manche alltäglichen Dinge oft erst wieder erlernt werden.
Mann bei Reha-Übungen: Nach einem Schlaganfall müssen manche alltäglichen Dinge oft erst wieder erlernt werden. (Quelle: kzenon/getty-images-bilder)
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Nach einem Schlaganfall bleiben oft Beeinträchtigungen zurück. Welche Folgen ein Schlaganfall haben kann und wie viele Betroffene sich vollständig erholen.

Das Wichtigste im Überblick


  • Körperliche Schlaganfall-Folgen
  • Veränderung von Wahrnehmung, Denk- und Erinnerungsvermögen
  • Folgen für Sprach- und Sprechvermögen
  • Persönlichkeitsveränderungen

Bei einem Schlaganfall ist die Durchblutung im Gehirn eine Zeit lang unterbrochen und damit auch die Sauerstoffzufuhr. Das hat häufig dramatische Folgen, denn schon nach wenigen Minuten ohne Sauerstoff beginnen die ersten Hirnzellen abzusterben und Hirnbereiche nehmen Schaden.

Das kann sich durch neurologische Ausfälle wie Sehstörungen, Sprechstörungen oder Lähmungserscheinungen bemerkbar machen. Eine einseitige Armlähmung etwa ist eine der häufigsten Folgen nach einem Schlaganfall.

Nur selten kann sich das Gehirn nach einem Schlaganfall vollständig erholen. In vielen Fällen führt ein Schlaganfall deshalb zu bleibenden Schäden, die den Lebensalltag verändern können.

Nach dem ersten Schlaganfall erholt sich etwa ein Drittel der Betroffenen so, dass sie ihr Leben unbeeinträchtigt weiterführen können. Etwa zwei Drittel der Betroffenen bleiben jedoch dauerhaft behindert. Etwa die Hälfte davon erholt sich jedoch so weit, dass trotz bleibender Behinderungen ein normaler, wenn eingeschränkter Alltag möglich ist. Die andere Hälfte bleibt nach einem Schlaganfall langfristig pflegebedürftig.

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Welche Art von Folgen nach einem Schlaganfall zurückbleiben und in welchem Ausmaß diese das Leben beinträchtigen, ist von Fall zu Fall verschieden. Abhängig davon, in welchem Hirnbereich der Schlaganfall aufgetreten ist und welchen Schaden er angerichtet hat, können sich die Beeinträchtigungen stark unterscheiden.

Wie gut das Gehirn neurologische Schäden bewältigen kann, hängt zudem vom Alter der Betroffenen ab. Frühzeitige Reha-Maßnahmen spielen dabei in jedem Alter eine wichtige Rolle – sie können dem Gehirn dabei helfen, sich von den Schäden bis zu einem gewissen Grad zu erholen.

Körperliche Schlaganfall-Folgen

Je nachdem, welcher Hirnbereich vom Schlaganfall betroffen ist und wie groß die Gewebeschäden sind, kann ein Hirschlag körperliche Folgen haben und motorische Fähigkeiten beeinträchtigen. Mögliche Folgen sind zum Beispiel:

  • einseitige Muskelschwäche oder Lähmungserscheinungen
  • Einschränkungen bei körperlichen Aktivitäten oder Übungen
  • Probleme beim Greifen oder Halten von Dingen
  • Schluckstörungen
  • Harn- oder Stuhlinkontinenz
  • Sehstörungen
  • Schmerzen
  • Erschöpfung, Müdigkeit

Etwa jeder zweite Betroffene entwickelt kurz nach einem Schlaganfall oder wenige Tage danach Schluckstörungen und verschluckt sich etwa beim Essen oder Trinken, muss husten oder bekommt Atemnot. Eine Schluckstörung muss unbedingt behandelt werden, denn sie kann im schlimmsten Fall lebensbedrohlich sein.

Eine Schluckstörung lässt sich von außen nicht erkennen und wird manchmal auch von den Betroffenen selbst nicht bemerkt. Aus diesem Grund sollte man Menschen kurz nach einem Schlaganfall erst dann Speisen oder Getränke reichen, wenn der Arzt oder die Ärztin beziehungsweise der Logopäde oder die Logopädin das erlaubt. Im Rahmen einer logopädischen Behandlung können Betroffene trainieren, wieder richtig zu kauen und zu schlucken.

Nach einem Schlaganfall sind zudem halbseitige Lähmungen häufig. Betroffene spüren dann eine Hälfte ihres Körpers nicht mehr richtig oder können diese nicht mehr richtig bewegen. Eine Halbseitenlähmung kann sowohl im Gesicht auftreten als auch einen Arm oder ein Bein betreffen.

Ist das Gesicht halbseitig gelähmt, wirkt eine Gesichtshälfte oft hängend oder erschlafft und die Mimik verzogen. Beim Lächeln bewegt sich nur ein Mundwinkel nach oben. Ist ein Arm oder ein Bein oder beides von der Lähmung betroffen, können manche Menschen diese nach einem Schlaganfall nicht mehr richtig bewegen oder heben.

Zum Teil treten außerdem Missempfindungen wie Kribbeln oder ein pelziges Gefühl an den Gliedmaßen oder im Gesicht auf. Eine Halbseitenlähmung kann den Alltag stark erschweren. Einfache Dinge, wie sich waschen, beim Essen Speisen kleinschneiden, auf die Toilette gehen oder Treppen steigen, können dann schwierig bis unmöglich sein. Auf Hilfe angewiesen zu sein und diese auch anzunehmen, fällt vielen nicht leicht.

Die Lähmungserscheinungen können sich teilweise wieder zurückbilden. Ein wichtiger Teil der Reha-Maßnahmen nach einem Schlaganfall besteht deshalb darin, Betroffenen mithilfe von Übungen und Training wieder eine gewisse Kontrolle über die gelähmten Körperbereiche zurückzugeben. Zudem können Hilfsmittel zeitweilig oder langfristig infrage kommen. Eine Fußheberorthese etwa verringert die Gefahr von Stürzen beim Gehen.

Veränderung von Wahrnehmung, Denk- und Erinnerungsvermögen

Ein Schlaganfall kann sich auf die geistigen Fähigkeiten der Betroffenen auswirken. Also darauf, wie sie ihre Umwelt wahrnehmen und verstehen. Mögliche Folgen sind zum Beispiel Probleme dabei,

  • neue Fähigkeiten zu lernen,
  • Handlungen zu planen (wie etwa die nötigen Schritte, um ein Gericht zu kochen),
  • Schwierigkeiten zu bewältigen,
  • sich zu konzentrieren,
  • sich zeitlich und räumlich zu orientieren oder
  • sich an Dinge und Ereignisse über einen kurzen Zeitraum zu erinnern.

Ein Schlaganfall kann zudem dazu führen, dass die betroffene Körperseite sich anders anfühlt, Schmerzen auftreten oder Empfindungen wie Berührungen, Hitze oder Kälte nicht wie sonst wahrgenommen werden.

Manche Menschen haben nach einem Schlaganfall Schwierigkeiten, räumliche Entfernungen einzuschätzen. Das kann zu Problemen führen, wenn Betroffene anderen unabsichtlich zu nahe kommen oder distanzlos wirken.

In manchen Fällen führt ein Schlaganfall dazu, dass zwar Sinnesreize der einen Körperhälfte wahrgenommen, also etwa gehört oder gesehen werden, das Hirn diese Reize aber nicht verarbeitet (sog. Neglect). Betroffene blenden dabei eine Seite (meist die linke) förmlich aus, ohne jedoch etwas davon zu wissen. Das kann unterschiedliche Probleme bereiten.

Menschen mit Neglect stoßen sich beispielsweise häufig an der ausgeblendeten Seite. Manche essen möglicherweise immer nur eine Hälfte des Tellers auf oder haben Schwierigkeiten beim Lesen von Texten oder auch der Uhrzeit, weil die eine Hälfte fehlt. Ein Neglect kann zudem die Orientierung erschweren, denn der Hinweg sieht dann anders aus als der Rückweg.

Wenn Menschen mit Neglect eine Körperhälfte nicht wahrnehmen können, pflegen, waschen, rasieren oder schminken sie möglicherweise immer nur die andere Hälfte. Auch Schmerzen oder Verletzungen können auf der "blinden" Seite unbemerkt bleiben.

Daneben sind weitere kognitive Beeinträchtigungen nach einem Schlaganfall möglich. So kann es beispielswiese zu einer halbseitigen Blindheit durch einen halbseitigen Gesichtsfeldausfall kommen (sog. Hemianopie). In anderen Fällen gelingt es Betroffenen vielleicht nicht, bestimmte Bewegungen (etwa ein Glas Wasser eingießen, den Hut aufsetzen etc.) richtig auszuführen, obwohl keine körperliche Behinderung besteht (sog. Apraxie).

Folgen für Sprach- und Sprechvermögen

Hat ein Schlaganfall das Sprachzentrum im Hirn beeinträchtigt, kann sich das auf das Sprach-, Sprech- und Lesevermögen auswirken. Bei den Betroffenen zeigt sich das durch Symptome wie diese:

  • Probleme, die richtigen Worte zu finden
  • Probleme, Sprache zu verstehen
  • Muskeln des Sprechapparats (wie Zunge, Lippen, Kehlkopf) funktionieren nicht richtig
  • Probleme beim Lesen oder Schreiben

Sich nicht mehr so wie früher über Sprache ausdrücken und verständigen zu können, empfinden Menschen nach einem Schlaganfall oft als einschneidend. Auch nahestehenden Personen fällt es häufig schwer, mit dieser Veränderung umzugehen. Das kann bei ihnen zu einem ungeduldigen Umgang führen. Wer sich nach einem Schlaganfall sprachlich nicht richtig ausdrücken kann, wird zudem nicht selten – vollkommen zu Unrecht – für weniger intelligent gehalten.

All das kann für Betroffene sehr frustrierend und entmutigend sein. Mithilfe eines Logopäden oder einer Logopädin lassen sich Probleme beim Sprechen jedoch meist wieder verbessern. Selbst wenn sich Fortschritte nicht immer im erhofften Tempo zeigen, ist es wichtig, nicht die Geduld zu verlieren.

Persönlichkeitsveränderungen

Menschen, die einen Schlaganfall erlitten haben, verändern sich nicht selten in ihrem Wesen, also in ihrer Persönlichkeit und ihrem Verhalten. Manche sind vielleicht reizbarer oder aggressiver als früher, andere wirken nun apathisch, desinteressiert oder antriebslos.

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Aber auch andere Veränderungen sind möglich. Einige Betroffene sagen oder tun plötzlich Dinge, die unpassend wirken, oder haben ihre Gefühle kaum unter Kontrolle, lachen lauthals oder weinen etwa in unpassenden Momenten.

Zum Teil gehen solche Veränderungen auf Gewebeschäden im Hirn zurück. Eine veränderte Gefühlswelt kann jedoch genauso eine Reaktion auf den Schlaganfall und das dadurch möglicherweise veränderte Leben sein. Etwa ein Drittel aller Betroffenen entwickeln nach einem Schlaganfall in der Folge eine Depression (sog. Post-Stroke-Depression). Auch Angststörungen können auftreten.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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Verwendete Quellen
  • Folgen eines Schlaganfalls. Online-Informationen der Deutschen Schlaganfall-Hilfe: www.schlaganfall-hilfe.de (Abrufdatum: 16.9.2021)
  • Online-Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): www.gesundheitsinformation.de (Abrufdatum: 15.9.2021)
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Von Andrea Goesch
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