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Gelenkschmerzen: Ursache könnte im Darm liegen

Von Andrea Goesch

Aktualisiert am 23.05.2022Lesedauer: 2 Min.
Grafische Darstellung des Mikrobioms: Billionen von Bakterien tummeln sich im Darm. In ihrer Gesamtheit stellen sie die Darmflora dar.
Grafische Darstellung des Mikrobioms: Billionen von Bakterien tummeln sich im Darm. In ihrer Gesamtheit stellen sie die Darmflora dar. (Quelle: ChrisChrisW/getty-images-bilder)
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Darmbakterien sind offenbar an der Entstehung von entz√ľndlichen Erkrankungen in den Gelenken beteiligt. Aktuelle Forschungsergebnisse legen nahe, dass sie durch bestimmte Ver√§nderungen der Darmflora ausgel√∂st oder verhindert werden k√∂nnen.

Schon seit l√§ngerer Zeit ist bekannt, dass es eine Verbindung zwischen Darm und Gelenken gibt, die sogenannte "Darm-Gelenk-Achse". "√Ąrzte beobachten immer wieder, dass es bei einer Darminfektion zu einer Gelenkentz√ľndung kommt", sagt Professor Schett, der am Universit√§tsklinikum Erlangen die Klinik f√ľr Rheumatologie und Immunologie leitet. Umgekehrt litten Patienten mit chronisch-entz√ľndlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa nicht selten unter Gelenkbeschwerden.


Ursachen, Symptome und Behandlung von Arthrose

Der Begriff Arthrose (Gelenkverschlei√ü) beschreibt ein Krankheitsbild, bei dem sich die Knorpelschicht eines Gelenks nach und nach abnutzt. Der Verschlei√ü f√ľhrt zu einer schrittweisen Zerst√∂rung des Gelenkknorpels, der im schlimmsten Fall dazu f√ľhrt, dass der Knorpel komplett aufgel√∂st wird und das Gelenk nicht mehr reibungslos bewegt werden kann. Erfahren Sie im Folgenden alles zu Ursachen, Behandlungsmethoden und zu Ma√ünahmen, die Arthrose vorbeugen helfen.
Röntgenaufnahme eines Kniegelenks
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Doch die genauen Zusammenh√§nge waren bisher unklar. Erlanger Forscher haben nun neue Erkenntnisse √ľber die Abl√§ufe zwischen Darm und Gelenken gewonnen. Die Ergebnisse stellte Schett auf dem Deutschen Rheumatologiekongress 2021 vor.

Was genau ist die Darmflora?
Billionen von Bakterien sind in unserem Darm angesiedelt. Die Gesamtheit dieser Mikroorganismen wird als Darmflora oder Mikrobiom bezeichnet. Die Wechselwirkungen mit dem Immunsystem sind vielf√§ltig. Bestimmte Darmbakterien sind in der Lage, die entz√ľndungsaktivierenden oder entz√ľndungshemmenden Funktionen des Immunsystems zu stimulieren. Damit unterst√ľtzt die Darmflora das Immunsystem dabei, Krankheitserreger abzuwehren und chronisch-entz√ľndliche Erkrankungen abzuwehren.

Gestörte Darmbarriere

Das Team um Schett konnte zeigen, dass Rheumapatienten h√§ufig Barrierest√∂rungen im Darm aufweisen. Die Folge ist, dass Darmbakterien mit dem Immunsystem in Kontakt treten und entz√ľndliche Reaktionen ausl√∂sen. ‚ÄěImmunzellen aus dem Darm k√∂nnen in das Gelenk einwandern und dort die rheumatische Entz√ľndung f√∂rdern.‚Äú Dann kommt es zu den typischen Rheumasymptomen.

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Die undichte Stelle im Darm könnte zwischen den einzelnen Schleimhautzellen liegen. Diese sind normalerweise fest miteinander verkittet. Die Verbindung kann allerdings durch das Protein Zonulin gelöst werden. Es wird durch Darmbakterien angeregt und von den Darmzellen selbst produziert. Dass im Darm von Rheumapatienten vermehrt Zonulin gebildet wird, konnten die Erlanger Forscher nachweisen.

Hoffnung auf neue Therapien

Die Beobachtungen k√∂nnten langfristig zu neuen Behandlungsm√∂glichkeiten f√ľr Patienten mit Darmkrankheiten wie beispielsweise Z√∂liakie f√ľhren. In klinischen Studien wird bereits ein Wirkstoff (Larazotid) getestet, der Zonulin blockiert. Die Ergebnisse sind jedoch noch offen.

Eine weitere Behandlungsm√∂glichkeit k√∂nnte in einer Umstellung der Ern√§hrung bestehen. Fr√ľhere Untersuchungen haben gezeigt, dass Darmbakterien antientz√ľndliche Substanzen bilden. "Es handelt sich um kurzkettige Fetts√§uren wie Essigs√§ure, Propions√§ure und Butters√§ure, die √ľber die Schleimhaut ins Blut gelangen", erkl√§rt Schett. In den Gelenken und in anderen K√∂rperbereichen k√∂nnen sie Entz√ľndungen lindern.

Darmbakterien gezielt "anf√ľttern"

Darmbakterien bilden die kurzkettigen Fetts√§uren allerdings nur, wenn gen√ľgend Pflanzenfasern in der Nahrung enthalten sind. Das best√§tigt eine fr√ľhere Studie der Erlanger Forscher aus dem Jahr 2020. Sie zeigt, dass die Darmbakterien durch eine gezielte Ern√§hrung "angef√ľttert" werden k√∂nnen. 29 Rheumapatienten verzehrten √ľber 30 Tage einen speziellen, ballaststoffreichen Riegel. Danach wurden Stuhl- und Blutproben untersucht.

Das Ergebnis: Im Blut der Probanden kam es zu einem Anstieg der kurzkettigen Fettsäuren. In den Stuhlproben dagegen konnten vermehrt die Darmbakterien nachgewiesen worden, die die kurzkettigen Fettsäuren produzieren.

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Ob die ballaststoffreichen Riegel langfristig auch die Beschwerden der Patienten lindern k√∂nnten, wurde jedoch noch nicht in einer klinischen Studie untersucht. Doch f√ľr Schett gibt es keine Zweifel: "Wir gehen davon aus, dass die Ern√§hrung √ľber die Darmbakterien einen substanziellen Einfluss auf die Entwicklung von Arthritis aus√ľben kann."

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte √Ąrzte. Die Inhalte von t-online k√∂nnen und d√ľrfen nicht verwendet werden, um eigenst√§ndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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