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Das sind die Tierwohllabels in Deutschland

Bewusster Fleischkonsum  

Wofür die Tierwohllabels in Deutschland stehen

07.11.2018, 13:50 Uhr | cch, t-online.de, AFP

Das sind die Tierwohllabels in Deutschland. Biokälber auf einem Biobauernhof: Viele Menschen sind bereit, für Fleisch mehr zu bezahlen, wenn die Tiere besser gehalten werden. (Quelle: imago/Martin Wagner)

Biokälber auf einem Biobauernhof: Viele Menschen sind bereit, für Fleisch mehr zu bezahlen, wenn die Tiere besser gehalten werden. (Quelle: Martin Wagner/imago)

Der Konsum von Fleisch ist in Deutschland weiterhin hoch. Gleichzeitig legen die Verbraucher aber mehr Wert auf tiergerechte Haltung. Wir zeigen, welche Tierwohllabels es gibt und wofür sie jeweils stehen.

Über 60 Kilogramm Fleisch verspeist der Durchschnittsdeutsche pro Jahr. Mehr als die Hälfte davon ist Schweinefleisch, aber auch Geflügel und Rindfleisch stehen hierzulande regelmäßig auf dem Speiseplan. Die Fleischeslust der Deutschen ist im Vergleich zu den Vorjahren ungebrochen.

Tierwohl: Diese Siegel gibt es

Immer wichtiger wird ihnen aber das Tierwohl. Die meisten Verbraucher (90 Prozent) sind bereit, mehr für Fleisch zu bezahlen, wenn die Tiere besser gehalten werden. Das geht aus dem Ernährungsreport 2018 des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft hervor.

Woran aber erkennt der Verbraucher, ob das Fleisch, das er im Supermarkt kauft, aus einem tierfreundlicheren Betrieb stammt? Die folgenden Labels können Aufschluss geben.

EU-Bio-Logo und deutsches Bio-Siegel

Aus ökologischem Anbau: Das Bio-Siegel der Europäischen Union (links) und das deutsche staatliche Bio-Siegel (rechts) auf einer Lebensmittelverpackung. (Quelle: imago/photothek)Aus ökologischem Anbau: Das Bio-Siegel der Europäischen Union (links) und das deutsche staatliche Bio-Siegel (rechts) auf einer Lebensmittelverpackung. (Quelle: photothek/imago)

Die beiden Bio-Siegel zeigen dem Verbraucher Produkte an, die aus ökologischem Landbau nach den EU-Rechtsvorschriften stammen. Sie garantieren aber auch einheitliche Mindeststandards bei der Tierhaltung: Die Tiere müssen zum Beispiel genug Platz, Auslauf und Beschäftigung haben. Außerdem muss das Leiden während der gesamten Lebensdauer und bei der Schlachtung so gering wie möglich gehalten werden.

Label der ökologischen Anbauverbände: Naturland, Demeter und Co.

Demeter, Bioland, Naturland: Label der Anbauverbände des ökologischen Landbaus. (Quelle: imago/Enters)Demeter, Bioland, Naturland: Label der Anbauverbände des ökologischen Landbaus. (Quelle: Enters/imago)

Die ökologischen Anbauverbände wie Bioland, Naturland, Demeter oder Ecoland haben strengere Richtlinien als die staatlichen Bio-Siegel. Im Bereich Tierwohl setzen sie noch konsequenter auf Freilandhaltung, Platz und Zuwendung für die Tiere. Für Milchkühe und Mastrinder etwa ist im Sommer Weidegang Pflicht – das gilt beim EU-Bio-Label nicht. Bio-Tiere bekommen zudem Biofutter und auch zur Einstreu und zur Tierzahl gibt es im ökologischen Landbau strenge Vorgaben.

Initiative Tierwohl

Initiative Tierwohl: Die Initiative wird vom Lebensmitteleinzelhandel finanziert. (Quelle: Initiative Tierwohl)Initiative Tierwohl: Die Initiative wird vom Lebensmitteleinzelhandel finanziert. (Quelle: Initiative Tierwohl)

Die Initiative ist eine freiwillige Vereinbarung von Fleischindustrie, Bauernverband und den größten Einzelhändlern. Finanziert wird sie vom Lebensmitteleinzelhandel. Die Händler verpflichten sich, für jedes verkaufte Kilo Fleisch sechs Cent einzuzahlen. Damit werden Landwirte gefördert, die ihre Ställe umwelt- und tierfreundlicher ausbauen als gesetzlich vorgeschrieben.

Die Initiative zeichnet weniger einzelne Produkte aus, sondern teilnehmende Händler – nur bei Geflügelfleisch können Verbraucher seit April und bei Schweinefleisch seit Oktober am Logo erkennen, ob das Produkt tatsächlich aus einem teilnehmenden Betrieb stammt.

Für mehr Tierschutz

Für Mehr Tierschutz: Das Siegel bei Schweine- und Hähnchenfleisch verspricht Verbrauchern mehr Tierschutz. (Quelle: obs-Wiesenhof)Für Mehr Tierschutz: Das Siegel bei Schweine- und Hähnchenfleisch verspricht Verbrauchern mehr Tierschutz. (Quelle: obs-Wiesenhof) Produkte mit diesem Label sind zertifiziert nach den Richtlinien des Deutschen Tierschutzbundes. Diese sollen "für die Tiere einen wirklichen Mehrwert an Tierschutz gewährleisten", heißt es auf der Webseite zum Label. Die Kennzeichnung umfasst dabei zwei Stufen: eine Einstiegsstufe, die durch einen goldenen Stern auf blauem Grund markiert wird, und eine Premiumstufe, die an zwei Sternen zu erkennen ist. Für erstere gelten Tierschutzkriterien, die "weit über den gesetzlichen Vorschriften liegen", wie es beim Tierschutzbund heißt.

Darunter fallen beispielsweise mehr Platz und Beschäftigungsmöglichkeiten für die Tiere, eine Bestandsobergrenze, Ställe mit Strukturierung, kürzere Transportzeiten (maximal vier Stunden) und eine schonende Schlachtung (bei Masthühnern zum Beispiel mit einer zweistufigen CO2-Betäubung). Auch der Ausstieg aus dem Kupieren der Schwänze beim Schwein gehört zu den Eckpunkten. Beide Stufen verbieten zudem die Anbindehaltung bei Milchkühen und die betäubungslose Ferkelkastration.

Auf der sogenannten Premiumstufe seien noch strengere Anforderungen vorgeschrieben. Mastschweinen muss für die Zertifizierung zum Beispiel ein mindestens doppelt so großes Platzangebot wie gesetzlich vorgeschrieben zur Verfügung stehen. Hinzu kommt unter anderem der Zugang zu Auslauf oder Freilandhaltung.

In beiden Stufen müssen neben diesen Mindestanforderungen tierbezogene Kriterien erfüllt werden, mit denen konkrete Rückschlüsse auf das Wohlbefinden der Tiere möglich sind.

Das Tierschutzlabel gibt es für Schweinefleisch und Hühnerprodukte, Milch und Eier. Es wurde 2013 eingeführt. Verbraucher können die zertifizierten Produkte unter anderem bei Aldi, Lidl, Rewe, Edeka, Penny, Netto, Real und Kaufland kaufen.

Neuland

Neuland: Das Label verspricht artgerechte Haltung. (Quelle: imago/Stefan Zeitz)Neuland: Das Label verspricht artgerechte Haltung. (Quelle: Stefan Zeitz/imago)

Unter dem Label wird Fleisch aus "artgerechter" Haltung vermarktet. Als besonders artgerecht gilt demnach, dass alle Tiere auf Einstreu gehalten werden, ihnen ganzjährig ein Auslauf ins Freie zur Verfügung steht und sie viel Tageslicht im Stall haben. Zudem fallen darunter Richtlinien bei der Fütterung: Nur heimische Futtermittel sind erlaubt, Antibiotika und Gentechnik sind in der Fütterung verboten.

Einer der Trägerverbände ist der Tierschutzbund. Laut diesem erfüllen die Standards die Anforderungen der Premiumstufe des Tierschutzlabels, manchmal liegen sie sogar darüber.

Tierschutz-kontrolliert

Tierschutz kontrolliert: Das Tierwohllabel der Organisation Vier Pfoten. (Quelle: Vier Pfoten)Tierschutz kontrolliert: Das Tierwohllabel der Organisation Vier Pfoten. (Quelle: Vier Pfoten)

Dieses Siegel stammt von der Organisation Vier Pfoten. Es zertifiziert Produkte aus der konventionellen Landwirtschaft und bewertet Haltung, Transport und Schlachtung von Nutztieren. Dabei hat es ähnliche Vorgaben wie das Siegel des Deutschen Tierschutzbundes: mehr Platz und Beschäftigung für die Tiere, Stallstrukturierung, Tageslicht sowie geringstmögliche Transportzeiten. Die betäubungslose Ferkelkastration und die Anbindehaltung bei Milchkühen schließt es kategorisch aus.

Es gibt bei dem Siegel ebenso zwei Stufen: "Silber" und "Gold". "Silber" steht für bessere Lebensbedingungen in der konventionellen Haltung, "Gold" steht der Organisation zufolge für eine Tierhaltung nach "höchstmöglichen Tierschutzstandards" mit Auslauf im Freien. Ein Hauptunterschied zwischen den beiden Stufen ist der, dass beim "Gold"-Standard die Enthornung der Tiere gänzlich verboten ist, beim "Silber"-Standard unter Betäubung erlaubt. Zudem müssen Kälber bei der höheren Stufe aus muttergebundener Haltung oder Ammenkuhhaltung stammen.

Zu kaufen gibt es Fleisch mit dem Label in einigen süddeutschen Supermärkten. Das Label wurde 2012 eingeführt.

Nature & Respect und Label Rouge

Diese beiden Label zertifizieren Hähnchenfleisch aus Frankreich, das den EU-Kennzeichnungsvorschriften für Geflügelfleisch entspricht. Auslauf im Grünen und mehr Platz im Stall sind damit garantiert.

Vierstufen-Modelle der Discounter

Der Haltungskompass von Lidl: Das 4-Stufen-System ist vergleichbar mit der Kennzeichnung bei Eiern. (Quelle: Lidl)Der Haltungskompass von Lidl: Das 4-Stufen-System ist vergleichbar mit der Kennzeichnung bei Eiern. (Quelle: Lidl)

Lidl, Netto, Penny und Aldi bieten ihren Kunden Angaben zur Tierhaltung auf ihren Frischfleischprodukten. Dabei handelt es sich streng genommen nicht um Tierwohllabels. Alle Märkte haben stattdessen ein vierstufiges farbiges System, wobei Stufe 1 rot und Stufe 4 grün ist – von den einfachsten Haltungsbedingungen bis zu Biofleisch. Aldi nennt sein Konzept "Haltungs-Transparenz", bei Lidl heißt es "Haltungskompass". Netto nennt die Initiative "Haltungszeugnis" und Penny "Tierhaltung".

Die Stufen geben Auskunft, wie die Schweine, Rinder, Puten und Hühner gehalten wurden. Stufe 1 ist die "Stallhaltung" oder "konventionelle Stallhaltung", sie entspricht den gesetzlichen Bestimmungen. Bei Stufe 2, "Stallhaltung plus" oder "nachhaltige Stallhaltung", haben die Tiere mehr Platz als gesetzlich vorgeschrieben und zusätzlich Beschäftigungsmaterial wie Lecksteine oder Strohballen. Stufe 3 heißt "Außenklima" oder "Auslauf", die Tiere haben hier noch mehr Platz und Zugang zu Außenbereichen. Stufe 4 schließlich erfüllt die gesetzlichen Vorgaben für Bio-Fleisch.

Staatliches Tierwohllabel

Die Bundesregierung plant ein Tierwohllabel für Fleisch, das drei Stufen umfassen und bis 2020/2021 in die Supermärkte kommen soll. Es soll höhere Standards in Ställen anzeigen und eine "ambitionierte Einstiegsstufe mit eindeutigem Abstand zum gesetzlichen Mindeststandard" haben.

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