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Tory sagt bei t-online.de: "Kein vernünftiger Mensch ist für den Brexit"


"Kein vernünftiger Mensch ist für den Brexit"

Ein Gastbeitrag von John Dovey

Aktualisiert am 29.01.2019Lesedauer: 4 Min.
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Pro-Brexit-Demonstranten in London: Großbritannien will am 29. März aus der Europäischen Union austreten.
Pro-Brexit-Demonstranten in London: Großbritannien will am 29. März aus der Europäischen Union austreten. (Quelle: Zuma Press/imago-images-bilder)
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Zwei Monate bis zum Brexit – und London hat keinen Plan. Für den Tory John Dovey, der schon lange in Deutschland lebt, ist das ein Trauerspiel, wie er bei t-online.de erläutert.

John Dovey lebt seit 25 Jahren in Deutschland. Nur für kurze Zeit kehrte er in der Zwischenzeit wieder in seine Heimat zurück. Er ist Mitglied der konservativen Partei und verfolgt mit Befremden und Enttäuschung, was seit dem Brexit-Votum in Großbritannien los ist. Auch er hat im Juni 2016 abgestimmt – und sich für einen Verbleib in der EU ausgesprochen. Für t-online.de erläutert er, was er von den Brexit-Befürwortern hält, welchen politischen Ausweg er sieht, und was ihm derzeit die größten Sorgen bereitet.


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"Vor zweieinhalb Jahren haben die Briten für den Brexit gestimmt. Die Mehrheit war sehr knapp, und man muss sich die Frage stellen, ob sie bei einer solch wichtigen Entscheidung angemessen ist. Aber im politischen System in Großbritannien ist es nun einmal so: Wer eine Mehrheit hat, und sei es nur mit einer Stimme, der hat gewonnen.

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Ich lebe seit einem Vierteljahrhundert in Deutschland. Ich bin Europäer, ich habe beide Seiten gesehen. Ich habe beim Brexit-Referendum für "remain", also drinbleiben, gestimmt. Ich wusste, wofür ich mein Votum abgebe. Aber ich glaube, die meisten, die für den Austritt gestimmt haben, wussten es nicht. Sie hatten keine Ahnnung, was das bedeutet.

Sie dachten, alles wird OK, und viele denken das bis heute. Sie meinen, wir haben es in der Vergangenheit geschafft, also werden wir es wieder schaffen. Sie vertrauten den Lügen so mancher Politiker. Es hieß, das mit dem Austritt aus der EU wird easy. Wir Briten werden wieder unsere eigenen Handelsverträge machen können.

Die Weigerung, das Positive an der EU zu sehen

Aber aus meiner Sicht war und ist das Ignoranz. Jene, die die EU jetzt verlassen wollen, weigern sich zu sehen, wie wichtig Europa für Großbritannien ist und wie abhängig wir von der EU sind. Nehmen wir den Nordosten Engands: Die Region bekommt das meiste Geld aus Brüssel. Und doch haben 70 Prozent der Menschen dort gegen Europa gestimmt.

Natürlich gibt es Positives und Negatives an der Union, und es gibt auch Unzufriedenheit. Aber reicht das, deshalb alles in Frage zu stellen und das viele Positive aufzugeben? Ich denke nicht. Kein vernünftiger Mensch ist für den Brexit.

Europa war fair in den Verhandlungen

Seit dem Referendum ist fast nichts passiert und wenig wurde erreicht. Die britische Regierung hat versucht, mit Europa zu verhandeln. Und aus meiner Sicht hat sich Europa hier auch fair verhalten. Sie können aber von einer Gemeinschaft, wie sie die Europäische Union nun einmal ist, nicht verlangen, noch mehr nachzugeben.

Ich habe großen Respekt vor Theresa May. Sie ist ehrlich und ein guter Mensch, eine starke Abgeordnete für ihren Wahlkreis Maidenhead. Aber sie ist in einer sehr schwierigen Situation. Sie hat versucht, das Beste für Großbritannien rauszuholen. Europa ist ihr entgegengekommen. Aber sie hat nur eine sehr knappe Mehrheit im Parlament und muss den Lagern in ihrer Regierung entgegenkommen.

Von meiner Partei bin ich sehr enttäuscht. Sie ist radikal geworden. Viele Vertreter wollen den Brexit. Die Konservativen sind darüber gespalten. Allerdings nicht nur sie. Diese Zerrissenheit geht durch alle politischen Lager, quer durch das Vereinigte Königreich. Es ist die Unfähigkeit, sich zu einigen, die im Übrigen kein britisches Problem ist. Ich sehe sie in vielen anderen Ländern auch. Das ist in halb Europa derzeit normal. Wer weiß, wie das Ergebnis bei einer Abstimmung über den EU-Austritt in Frankreich ausfallen würde?

Ein zweites Referendum wäre eine gute Lösung

In jeder Demokratie gibt es alle vier bis fünf Jahre Wahlen und eine neue Regierung. Kommt im britischen Parlament keine Mehrheit für einen Deal zustande, sollte man dann nicht die Menschen fragen: Das ist das, was man uns anbietet. Wollen wir das? Oder wollen wir einen harten Brexit? Oder wollen wir drin bleiben?

Ich halte ein zweites Referendum für eine gute Lösung. Das ist auch der Wunsch vieler Menschen. Aber ich zweifle daran, dass es sich jemand trauen wird.

Wie geht es mit Großbritannien weiter?

Die Uhr tickt und der 29. März rückt immer näher. Ich mache mir riesige Sorgen, wie es danach weiter geht. In den vergangenen Wochen gab es viele schlechte Nachrichten. Medikamente und Lebensmittel könnten knapp werden. Firmen sind dabei, ihren Unternehmenssitz aufs Festland zu verlegen, wie Easyjet, das seine europäische Lizenz nicht verlieren will. Und beim Fährverkehr in Dover droht das Chaos.


Für einen harten Brexit trägt allein Großbritannien die Verantwortung. Ich empfinde wenig Mitleid. Wenn das Parlament heute dafür stimmen sollte, den Austritt um ein paar Monate zu verschieben, dann ist das nicht mehr als eine Verlängerung der Schmerzen. Es verbreitet noch mehr Unsicherheit. Die Wirtschaft aber braucht Klarheit, um planen zu können.

Große Sorgen macht mir, wie es jetzt in Nordirland weitergeht. Es ist ein wunderbares Land mit wunderbaren Menschen. Es darf dort keine Grenze geben. Seit vielen Jahren herrscht Frieden, nachdem die Menschen so lange hatten leiden müssen. Es ist mein großer Wunsch, dass dieser Frieden bestehen bleibt."

Protokoll: David Ruch

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