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Donald Trumps Impeachment-Anhörung: Zeugen erheben schwere Vorwürfe

Öffentliche Impeachment-Befragung  

Zeugen packen neue Details aus – Trump weist alles von sich

14.11.2019, 08:33 Uhr | dpa , rtr , sc , aj

 (Quelle: Tom Brenner/Joshua Roberts/Reuters)
Donald Trump: Öffentliche Aussagen belasten US-Präsident

Im Amtsenthebungsverfahren gegen US-Präsident Trump haben der Botschafter in der Ukraine William Taylor und der Ukraine-Experte im Außenministerium George Kent öffentlich ausgesagt. Taylor belastete Präsident Trump schwer. (Quelle: t-online.de)

Impeachment: Donald Trump ist bei der ersten öffentlichen Anhörung im Amtsenthebungsverfahren schwer belastet worden. (Quelle: t-online.de)


Missbrauchte US-Präsident Trump sein Amt, um seine Chancen einer Wiederwahl zu erhöhen? Die Öffentlichkeit soll sich davon selbst ein Bild machen. Zwei Diplomaten geraten zwischen die parteipolitischen Fronten.

In angespannter Stimmung zwischen den politischen Lagern hat der US-Kongress die erste öffentliche Anhörung seit Beginn der Impeachment-Ermittlungen gegen US-Präsident Donald Trump abgehalten. Der geschäftsführende US-Botschafter in der Ukraine, William Taylor, und der Diplomat George Kent sagten am Mittwoch als Zeugen aus.

US-Medien sprachen von einem "historischen" Ereignis. Trump sagte im Beisein des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan im Weißen Haus, er sei "zu beschäftigt", um sich die Anhörung anzusehen. Und weiter: "Es ist eine Hexenjagd." Die Zeugen präsentierten nur Informationen aus dritter Hand. "Ich habe es nicht angeschaut." Er habe den Tag stattdessen mit Erdogan verbracht. Das sei weitaus wichtiger. Trump wies auch neue Angaben aus der Zeugenbefragung zurück.

Trump steht unter Verdacht des Amtsmissbrauchs

Trump wird vorgeworfen, sein Amt missbraucht zu haben, damit sich die ukrainische Regierung zu seinen Gunsten in den US-Wahlkampf einmischt. Es besteht der Verdacht, dass er Militärhilfe an das osteuropäische Land in Höhe von rund 400 Millionen US-Dollar als Druckmittel einsetzte. Im Zentrum der Ukraine-Affäre steht ein Telefonat Trumps mit seinem ukrainischen Kollegen Wolodymyr Selenskyj am 25. Juli. Darin ermunterte Trump Selenskyj zu Ermittlungen, die seinem politischen Rivalen Joe Biden von den Demokraten potenziell schaden könnten. 

Die Demokraten streben ein Amtsenthebungsverfahren (Impeachment) gegen Trump an. Im Laufe der vergangenen Wochen wurden bereits zahlreiche Zeugen befragt – allerdings hinter verschlossenen Türen. Die stundenlange öffentliche Anhörung wurde nicht nur auf den Online-Portalen vieler US-Medien, sondern auch auf vielen Fernsehkanälen von Beginn an live und – abgesehen von Pausen – ohne Unterbrechung übertragen.

Trump wirft seinem Rivalen vor, sein Amt missbraucht zu haben

Trump wirft Biden vor, in seiner früheren Funktion als US-Vizepräsident Anstrengungen unternommen zu haben, um seinen Sohn vor der ukrainischen Justiz zu schützen. Hunter Biden war bei einem Gaskonzern in der Ukraine beschäftigt.

Joe Biden hat gute Chancen auf die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten bei der Wahl nächstes Jahr. Dabei will Trump für die Republikaner zur Wiederwahl antreten.

Erster Zeuge: Der Karrierediplomat Bill Taylor

Einer der Zeugen der öffentlichen Anhörung am Mittwoch war der langjährige Karrierediplomat Bill Taylor. Der US-Geschäftsträger in der Ukraine und ehemalige Botschafter gilt als herausragendster Zeuge der Demokraten. Im Oktober gab er bereits in seiner nicht-öffentlichen Aussage an, dass Trump die bereits vom Kongress beschlossene Militärhilfe gezielt zurückgehalten habe, um Biden zu schaden. Er glaube nach wie vor, dass es "verrückt" sei, Militärhilfe zurückzuhalten, um "Hilfe bei einer innenpolitischen Kampagne in den Vereinigten Staaten" zu bekommen, sagte Taylor am Mittwoch.

Außerdem gab er an, dass sich Trump seines Wissens nach am 26. Juli persönlich bei dem US-Botschafter bei der EU, Gordon Sondland, nach Ermittlungen in der Ukraine erkundigt habe. "Meine Mitarbeiter konnten Präsident Trump am Telefon hören, wie er Botschafter Sondland nach 'den Ermittlungen' fragte", sagte Taylor.

Taylor: Trump kümmerte sich mehr um die Ermittlungen gegen Biden als um die Ukraine-Politik

Er sei darüber vergangene Woche von einem Mitarbeiter in Kenntnis gesetzt worden. Im Anschluss daran hätten seine Mitarbeiter den Botschafter gefragt, was Trump über die Ukraine denke. "Botschafter Sondland antwortete, dass Präsident Trump die Ermittlungen gegen Biden mehr kümmern."

Taylor stellte dar, wie er im Sommer in Kiew realisiert habe, dass die Ukraine-Politik der USA auf zwei parallelen Kanälen abgelaufen sei: auf einem regulären und einem "hochgradig irregulären". Teil des letzteren seien unter anderem Trumps persönlicher Anwalt Rudy Giuliani und Botschafter Sondland, gewesen. Der irreguläre Kanal habe sogar gegen die langjährigen Ziele der US-Politik gearbeitet. Ein Treffen Trumps mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj sei von Ermittlungen im Umfeld von Trumps innenpolitischem Rivalen Joe Biden abhängig gemacht worden.

Kent: Einmischung untergräbt Rechtsstaatlichkeit

Taylor und auch der zweite Zeuge, der Staatssekretär im Außenministerium mit Zuständigkeit für die Ukraine, George Kent, betonten die Bedeutung von Militärhilfe für die Ukraine. Kent sagte, er sei generell der Überzeugung, dass die USA andere Länder nicht auffordern sollten, sich an Ermittlungen oder Strafverfolgungsmaßnahmen zu beteiligen, die sich gegen Gegner "derjenigen an der Macht" richteten, "weil solche selektiven Maßnahmen die Rechtsstaatlichkeit untergraben – unabhängig vom Land".

Die Republikaner versuchten die Anhörung zu nutzen, um die Ermittlungen der Demokraten zu diskreditieren. Es handele sich um "absurde Vorwürfe" und eine "sorgfältig orchestrierte" Schmutzkampagne, um das Wahlergebnis von 2016 rückgängig zu machen, sagte der Kongressabgeordnete Devin Nunes. Andere Abgeordnete der Republikaner betonten immer wieder, viele Zeugenschilderungen beruhten allein auf Hörensagen und Angaben aus zweiter Hand.

Die Demokraten wollen, dass sich die Amerikaner durch die öffentlichen Anhörungen ihr eigenes Bild von den Zeugen und ihren Schilderungen machen können. Es ist ein riskantes Unterfangen für sie, da die Erfolgsaussichten für ein Amtsenthebungsverfahren gering sind. Die Öffentlichkeit ist laut Umfragen gespalten in der Frage.

Trump-Team schaltet massenhaft Facebook-Anzeigen

Angesichts des großen Interesses an der öffentlichen Untersuchung versucht Trump unterdessen mit einer Flut von Facebook-Anzeigen, seine Anhänger noch mehr auf ihn einzuschwören. So schaltete Trumps Team allein am vergangenen Freitag mehr als 400 Anzeigen, in denen der Präsident um Wahlkampfspenden warb und seinen potenziellen Unterstützern eine personalisierte "Impeachment-Abwehr-Mitgliedskarte" versprach.

In den zwei Wochen zuvor liefen einer Analyse der Nachrichtenagentur Reuters zufolge auf Facebook mehr als 2.900 Werbungen mit dem Inhalt "Impeachment", die von Trump und seinen Anhängern in Auftrag gegeben worden waren. Zum Vergleich: Die über ein Dutzend Aspiranten auf die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten schalteten alle zusammen lediglich gut 200 Anzeigen zum Thema Amtsenthebung.

 

 
Mit ihrer Mehrheit im Repräsentantenhaus könnten die Demokraten das Amtsenthebungsverfahren zwar eröffnen – entschieden werden würde es aber im Senat, wo Trumps Republikaner die Mehrheit haben. Sie halten derzeit geschlossen zu Trump. Noch nie wurde ein US-Präsident des Amtes enthoben. Einem Amtsenthebungsverfahren musste sich zuletzt der Demokrat Bill Clinton 1999 wegen einer Lüge über seine Affäre mit der Praktikantin Monica Lewinsky stellen.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagenturen dpa und Reuters

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