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Schwedens Sonderweg treibt das Land in die Isolation

  • David Ruch
Von David Ruch

Aktualisiert am 24.06.2020Lesedauer: 4 Min.
Schweden feiert Mittsommer: In Stockholm picknickt eine Gruppe junger Menschen in einem Park. Gro├če Feiern, wie sonst zu diesem Anlass ├╝blich, fallen in diesem Jahr aus.
Schweden feiert Mittsommer: In Stockholm picknickt eine Gruppe junger Menschen in einem Park. Gro├če Feiern, wie sonst zu diesem Anlass ├╝blich, fallen in diesem Jahr aus. (Quelle: Andres Kudacki/dpa-bilder)
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Schweden gilt als der Corona-Rebell, weil es anders als das ├╝brige Europa auf strikte Ma├čnahmen in der Corona-Pandemie verzichtete. Nun bringt die hohe Todesrate die Regierung allm├Ąhlich in Probleme.

Am Dienstag hat Finnland angek├╝ndigt, f├╝r den Sommer die Reisebeschr├Ąnkungen f├╝r eine Reihe von europ├Ąischen L├Ąndern wieder aufzuheben. Ab dem 13. Juli sollen Reisen aus L├Ąndern wieder m├Âglich sein, die innerhalb einer Zwei-Wochen-Periode weniger als acht neue Corona-F├Ąlle pro 100.000 Einwohner verzeichnet haben. Nach heutigem Stand fielen darunter Staaten wie Deutschland, ├ľsterreich und die Schweiz ÔÇô Finnlands wichtigstes Nachbarland Schweden dagegen nicht.


Fotoshow: Wo das Virus aktuell am schlimmsten w├╝tet

Nur wenige Touristen in den sonst ├╝berf├╝llten Stra├čen von Dubrovnik: Lange Zeit blieb der S├╝dosten Europas weitestgehend von der Pandemie verschont. Doch seit kurzem melden die Staaten der Balkanregion wieder stark steigende Infektionszahlen (Stand Anfang Juli 2020). In Kroatien ist die Zahl der infizierten Personen vergangene Woche im Vergleich zur Vorwoche um ├╝ber 230 Prozent angestiegen. ├ťber 3.000 Menschen sind in dem beliebten Urlaubsland mit dem Coronavirus infiziert.
Menschen warten vor einer Klinik in Belgrad: Auch in Serbien schie├čen die Infiziertenzahlen wieder in die H├Âhe. Anfang Juli sind die Zahlen im Vergleich zur Vorwoche um 125 Prozent gestiegen. F├╝r die Hauptstadt Belgrad, wo die meisten neuen Infektionen gemeldet wurden, hat die serbische Regierung sch├Ąrfere Corona-Ma├čnahmen verh├Ąngt. Auch das Nachbarland Griechenland hat reagiert und seine Grenzen f├╝r serbische Reisende geschlossen.
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Hintergrund ist das Infektionsgeschehen in Schweden und der politische Kurs, den die Regierung in Stockholm in der Corona-Pandemie verfolgt. Anders als die nordischen Nachbarn sowie fast s├Ąmtliche Staaten in der Europ├Ąischen Union, hat das Land weniger strenge Ma├čnahmen verf├╝gt. Zwar gelten auch hier bestimmte Corona-Beschr├Ąnkungen f├╝r die B├╝rger wie ein Besuchsverbot in Altersheimen oder eine maximale Teilnehmergrenze von 50 Personen f├╝r ├Âffentliche Versammlungen. Auch waren diesmal gro├če Mittsommer-Feste untersagt. Restaurants, Kneipen und Caf├ęs blieben aber ebenso durchgehend ge├Âffnet wie Schulen und Kinderg├Ąrten.

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Der Kurs ist auch in Schweden hochumstritten, denn inzwischen hat das Land mehr als 5.100 Todesf├Ąlle in Verbindung mit dem Virus zu verzeichnen. Innerhalb der Europ├Ąischen Union weist das Land damit eine der h├Âchsten Todesraten gemessen an der Einwohnerzahl auf. Nur in den besonders schwer getroffenen L├Ąndern Italien, Spanien, Gro├čbritannien und Belgien ist sie h├Âher. In Deutschland ist die Rate um 80 Prozent niedriger.

Kein Sommerurlaub bei Freunden

Die vergleichsweise hohen Opferzahlen werden mehr und mehr zum Problem f├╝r die schwedische Regierung. Die Zustimmung f├╝r ihren Umgang mit der Pandemie, die zu Beginn sehr hoch war, sank zuletzt doch deutlich. Am meisten aber schmerzt die Entscheidungstr├Ąger in Stockholm die zunehmende Isolation durch die Nachbarn. Denn wie Finnland, das bei halb so vielen Einwohnern gerade einmal rund 330 Corona-Tote zu beklagen hat, wollen auch Norwegen und D├Ąnemark ihre Grenzen f├╝r schwedische Staatsb├╝rger in diesem Sommer geschlossen lassen.

F├╝r schwedische Staatsb├╝rger geschlossen: Die Grenze zwischen Finnland und Schweden in der Region um Pello.
F├╝r schwedische Staatsb├╝rger geschlossen: Die Grenze zwischen Finnland und Schweden in der Region um Pello. (Quelle: TT/imago-images-bilder)

Das ist bemerkenswert, denn traditionell pflegen die nordischen Staaten enge und gute Beziehungen miteinander. Schon seit einem Abkommen Mitte der 50er Jahre besteht weitgehende Reisefreiheit. Doch auch im gr├Â├čeren Rahmen der EU gehen derzeit viele lieber auf Abstand zu den Schweden. In den Niederlanden und in Zypern l├Ąsst man sie gar nicht ins Land, in ├ľsterreich nur mit Gesundheitsnachweis. Griechenland verlangt mindestens eine Woche Quarant├Ąne f├╝r schwedische Staatsb├╝rger ÔÇô selbst wenn sie negativ getestet wurden. Deutschland warnt seine B├╝rger vor Reisen in das Land mit der Begr├╝ndung, dass Schweden "von Covid-19 stark betroffen" ist.

Unverst├Ąndnis f├╝r die Nachbarn

In Stockholm sorgt die zunehmende Isolation des Corona-Rebellen f├╝r Unruhe. Au├čenministerin Ann Linde versteht vor allem das Verhalten der nordischen Nachbarn nicht, die allesamt die Ausbreitung des Coronavirus weit besser in den Griff bekamen. Im S├╝den Schwedens seien die Infektionszahlen niedriger als im benachbarten D├Ąnemark, meint Linde. Trotzdem habe es pl├Âtzlich Grenzkontrollen gegeben. "Das wird Zeit brauchen, um zu heilen", zitiert die "New York Times" die Au├čenministerin. "Es war einfach zu hart."

Anders Tegnell: Seine Corona-Strategie hat vor allem in den Seniorenheimen Schwedens erhebliche Opfer gefordert.
Anders Tegnell: Seine Corona-Strategie hat vor allem in den Seniorenheimen Schwedens erhebliche Opfer gefordert. (Quelle: TT/imago-images-bilder)

Schwedens Chef-Epidemiologe Anders Tegnell, der Architekt der umstrittenen Corona-Strategie, sieht seine Landsleute nun zum Ziel einer internationalen Kampagne gemacht, die beweisen solle, ihr Land sei auf dem falschen Weg. Tegnell ist ├╝berzeugt: "Unsere Immunit├Ąt ist h├Âher als in den anderen nordischen Staaten." Harte Zahlen, die das untermauern w├╝rden, gibt es bislang jedoch nicht.

Tests nicht nur f├╝r schwer Erkrankte

Die wachsende Unruhe in der Bev├Âlkerung und die Abschottung der Nachbarstaaten n├Âtigten der Regierung j├╝ngst einen zumindest punktuellen Kursschwenk ab. In kurzer Zeit will sie nun die Testkapazit├Ąten im Land stark ausbauen, um sich selbst und den B├╝rgern mehr Klarheit ├╝ber die Lage zu verschaffen und eine Verfolgung von Infektionsketten zu erm├Âglichen. Noch bis vor Kurzem bekamen in Schweden nur jene einen Test, die mit schweren Symptomen ins Krankenhaus kamen.

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Anfang des Monats gab die Regierung umgerechnet etwa 560 Millionen Euro f├╝r zus├Ątzliche Tests frei. Damit soll dann auch endlich das selbstgesteckte Ziel von 100.000 Testungen pro Woche erreicht werden, das die Gesundheitsbeh├Ârde eigentlich schon im April erreichen wollte. Mitte des Monats lag die Testrate bei lediglich 60.000, was Experten auf logistische Probleme und die regional unterschiedlichen Erfassungssysteme zur├╝ckf├╝hren.

Krankenh├Ąuser reagierten fr├╝her auf die Pandemie

Nicht ├╝berall in Schweden lie├č man sich so lange Zeit, um auf die Pandemie zu reagieren. Der massive Corona-Ausbruch in Norditalien im M├Ąrz lie├č bei Bj├Ârn Persson die Alarmglocken schrillen. Der Chef der Intensivmedizin sowie Herz- und Lungen-Chirurgie am angesehenen Karolinska-Institut nahe Stockholm setzte mit seinen Kollegen alle Hebel in Bewegung, um rasch die Kapazit├Ąt an Intensivbetten auszubauen, wie die schwedische Ausgabe des Nachrichtenportals "The Local" schreibt.

Binnen Wochen verf├╝nffachte die Klinik so die Zahl entsprechender Pl├Ątze auf 200. In der Spitze waren 140 davon belegt. Es blieben also noch Kapazit├Ąten. Doch Persson bezweifelt, dass Klinik und Personal eine noch gr├Â├čere Belastung h├Ątten tragen k├Ânnen. "Solche Dinge erlebst du sonst nur in B├╝chern oder Filmen, aber du kannst dir nicht vorstellen, dass dir so etwas widerf├Ąhrt", sagte er "The Local". "Es war die gr├Â├čte Herausforderung unseres Lebens."

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