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Tschechien ist im Corona-Krisenmodus – "Zahlen sind katastrophal"


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"Die Zahlen sind katastrophal"

dpa, Von Michael Heitmann

Aktualisiert am 19.10.2020Lesedauer: 3 Min.
Soldaten stehen vor Lastwagen: Der Konvoi transportiert ein Feldkrankenhaus nach Prag.
Soldaten stehen vor Lastwagen: Der Konvoi transportiert ein Feldkrankenhaus nach Prag. (Quelle: CTK Photo/imago-images-bilder)
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Im Frühjahr galt Tschechien noch als Corona-Musterland. Nun steigen die Neuinfektionen rasant. Wie konnte das passieren?

Tschechien ist wegen der Corona-Pandemie im Krisenmodus. Die Zahlen der Neuinfektionen steigen täglich, und mit ihnen die Sorge vor überlasteten Krankenhäusern. Die Regierung hat den Notstand ausgerufen. Der Unmut über das Krisenmanagement der Regierung wächst, aber auch die Maßnahmen treffen auf Widerstand.


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Auf der ganzen Welt haben sich das Coronavirus und seine Mutationen verbreitet. Zahlen und Fakten zu der Pandemie sammelt die Johns-Hopkins-Universität. Dabei zeigt sich, welche Länder besonders mit dem Virus zu kämpfen haben.
Gesundheitsarbeiter gedenken im Zentrum von Bogotá ihren Kollegen, die an Covid-19 gestorben sind: Die Corona-Krise hat Kolumbien heftig getroffen – sowohl gesundheitlich als auch wirtschaftlich. Das Land erlebt die erste Rezession seit mehr als 20 Jahren. Mehr als 4,9 Millionen Kolumbianer haben sich infiziert, mehr als 126.200 sind gestorben.
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Am Sonntag etwa: Mehr als 2.000 Fußball- und Eishockeyfans gingen in Prag auf die Straße, um gegen die Einschränkungen zu protestieren. Hooligans randalierten, 20 Polizisten wurden verletzt. Die Polizei stellte Schlagstöcke und Schusswaffen sicher, es gab mehr als ein Dutzend Festnahmen.

Fast jeden Tag neue Rekordzahlen

Derzeit vergeht kaum ein Tag, ohne dass Rekordzahlen vermeldet werden müssen. Erst am Freitag wurde mit 11.105 Fällen erstmals die Schwelle von 10.000 Corona-Neuinfektionen binnen 24 Stunden überschritten.


Auf die Bevölkerung umgerechnet nimmt Tschechien längst EU-weit einen traurigen Spitzenplatz bei der Infektionsrate ein. Nach den jüngsten Zahlen der EU-Agentur ECDC steckten sich in Tschechien binnen 14 Tagen 858,6 Menschen je 100.000 Einwohner mit dem Virus an – der höchste Wert in der EU.

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Am meisten beunruhigt Experten, dass inzwischen fast jeder dritte Test in dem Land mit nur knapp 10,7 Millionen Einwohnern positiv ausfällt. Aus dem Musterland, das im März als erstes in Europa eine Maskenpflicht eingeführt hatte, ist nun ein Sorgenkind geworden. "Die Zahlen sind katastrophal", räumt Ministerpräsident Andrej Babis ein.

Armee baut Feldkrankenhaus in Prag auf

Die Sorge wächst, dass die Krankenhäuser bald mit Covid-19-Patienten überlastet sind. Deswegen baut die Armee nun in den Prager Messehallen ein Feldkrankenhaus auf. Das war schon in Konfliktgebieten wie dem Irak und Afghanistan im Einsatz. Zu ihrem neuen Einsatzort müssen die Soldaten nur rund 100 Kilometer zurücklegen.

Das Feldlazarett – eine kleine Container-Stadt mit Operationssaal, Intensivstation, eigenem Labor und Röntgengeräten – soll als Reserve dienen. Am Montag traf der erste Militärkonvoi aus dem Sanitätsstützpunkt in Hradec Kralove (Königgrätz) in der Hauptstadt ein. Insgesamt werden 339 Tonnen an Ausrüstung und medizinischem Material antransportiert. Bereits am Sonntag soll das Lazarett einsatzbereit sein.

Epidemiologe: Fehler ist im Sommer passiert

Was ist schiefgelaufen, fragen sich nun viele. "Der Fehler ist wahrscheinlich im Sommer geschehen, als die Maßnahmen schnell gelockert wurden", sagt der Epidemiologe Petr Smejkal vom Prager Forschungskrankenhaus IKEM. Die Menschen hätten vergessen, dass das Virus immer noch unter ihnen sei. Auch die Regierung und verschiedene Experten hätten widersprüchliche Botschaften ausgesendet. Immerhin sei die Kommunikation inzwischen besser geworden.

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Was die Akzeptanz der Regeln angehe, habe sich die Haltung der Menschen seit dem Frühjahr geändert. Das Vertrauen zwischen Regierung und Bevölkerung sei längst nicht so weit entwickelt wie in Deutschland oder Schweden.

Viele Ärzte sind im Ausland

Inzwischen sind Schulen und Gastronomie geschlossen, Sport- und Kulturveranstaltungen ausgesetzt, Treffen von mehr als sechs Personen untersagt. Doch die Corona-Zahlen steigen und steigen.

Damit wird der andauernde Personalmangel im Gesundheitswesen zu einem immer größeren Problem: Seit Jahren gehen jährlich Hunderte Ärzte, Medizinabsolventen und Pfleger auf der Suche nach höheren Gehältern und besseren Arbeitsbedingungen ins Ausland.

Zweiter harter Lockdown nicht ausgeschlossen

Die Ärztekammer appelliert deswegen nun an die Auswanderer, vorübergehend zurückzukehren. Wie ernst die Lage ist, zeigt auch, dass sich die Regierung bereits in Nachbarländern wie Deutschland erkundigt hat, ob sie im Bedarfsfall Intensivpatienten aufnehmen könnten.

Mittlerweile wird selbst ein zweiter harter Lockdown mit Ausgangsbeschränkungen nicht mehr gänzlich ausgeschlossen. Die Entscheidung könnte Anfang November fallen. Gesundheitsminister Roman Prymula sagte der Zeitung "Pravo": "Wenn man sich darunter vorstellt, dass alle zu Hause sitzen und nirgendwo hingehen, dann muss das einen wirksamen Effekt haben."

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Verwendete Quellen
  • Nachrichtenagentur dpa
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