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Proteste gegen Putin in Russland: Tausende Festnahmen

Ehefrau von Nawalny festgenommen  

Proteste gegen Putin – mehr als 5.000 Festnahmen

31.01.2021, 20:59 Uhr | dpa, AFP, cck

Nawalny-Proteste: Mehr als 1.000 Festnahmen in Russland. (Quelle: Glomex)
Mehr als 1.000 Festnahmen bei Nawalny-Protesten

In mehr als 100 Städten gehen Menschen in Russland heute auf die Straße – gegen Präsident Putin und für die Freilassung von Kreml-Kritiker Nawalny. Es kam bereits zu ersten Festnahmen. (Euronews Germany)

Nawalny-Proteste: Mehr als 1.000 Festnahmen in Russland. (Quelle: Euronews Germany)


In mehr als 100 Städten gehen Menschen in Russland heute auf die Straße – gegen Präsident Putin und für die Freilassung von Kreml-Kritiker Nawalny. Es kam zu Tausenden Festnahmen.

Bei neuen Massenprotesten in Russland gegen die Inhaftierung des Kremlkritikers Alexej Nawalny sind am Sonntag Menschenrechtsaktivisten zufolge mehr als 5.000 Menschen festgenommen worden. Die Menschen protestierten auch gegen Korruption, Justizwillkür und die Unterdrückung Andersdenkender unter Präsident Wladimir Putin. Demonstranten riefen "Russland ohne Putin" und "Putin ist ein Dieb". 

Allein in der Hauptstadt Moskau wurden dem Portal Owd-Info zufolge weit mehr als 1.500 Demonstranten festgesetzt, darunter ist nach Angaben von Nawalnys Team auch dessen Ehefrau Julia Nawalnaja. Die 44-Jährige hatte zuvor bei Instagram ein Foto von sich auf der Straße veröffentlicht. Sie kam erst am Abend wieder frei.

Menschenrechtler kritisierten erneut massive Polizeigewalt gegen friedliche Demonstranten. In Moskau und St. Petersburg setzten die Sicherheitskräfte demnach Elektroschocker ein. Zudem seien in der Hauptstadt 31 Menschen in einem viel zu engen Gefangentransporter eingesperrt worden. In Kasan etwa 700 Kilometer östlich von Moskau hätten festgenommene Studenten ihre Unterwäsche ausziehen und Handys sowie ihre Habseligkeiten abgeben müssen. Die Lage und die Verhaftungen sehen Sie oben im Video oder hier.

Polizei riegelt Zentrum von Moskau ab

Die Polizei riegelte das Zentrum rund um den Kreml nahezu ab. Die Sicherheitskräfte in schwerer Montur hinderten Demonstranten und Passanten mit Absperrgittern daran, zu dem geplanten Versammlungsort nahe dem Sitz des Inlandsgeheimdienstes FSB zu gelangen. Nawalnys Team rief deshalb kurzfristig zu neuen Versammlungsorten auf – wie in der Millionenmetropole St. Petersburg, wo die Innenstadt nahezu gesperrt war.

Nawalnys Unterstützer haben das zweite Wochenende in Folge landesweit zu Protesten aufgerufen. In mehr als 100 Städten in Russland sollte demonstriert werden. 

Hundert Festnahmen in Wladiwostok

Auch im äußersten Osten Russlands gab es zahlreiche Festnahmen. Dem Portal Owd-Info zufolge wurden allein in Wladiwostok am Pazifik mehr als 100 Demonstranten von Polizisten abgeführt. Videos zeigten, wie sie bei frostigem Wetter zu kleinen Stadtbussen gebracht wurden. Zu sehen war zudem, wie zumeist junge Menschen auf der zugefrorenen Amurbucht tanzten und "Freiheit für Russland" riefen.

Zuerst begannen die Proteste wegen der Zeitverschiebung im äußersten Osten des Landes. Wladiwostok liegt gut acht Flugstunden von der Hauptstadt Moskau entfernt.

Festnahmen in mehr als 40 Städten

Besonders viele Festnahmen gab es den Menschenrechtlern zufolge auch in den sibirischen Städten Krasnojarsk, Irkutsk und Nowokusnezk. Live-Bilder im Internet zeigten, wie Tausende Menschen durch Nowokusnezk und Jekaterinburg zogen. Die russischen Behörden hatten eindringlich vor einer Teilnahme an den nicht genehmigten Kundgebungen gewarnt.

Bereits am Samstag vergangener Woche waren Hunderttausende Menschen in mehr als 100 Städten für Nawalny und gegen Präsident Wladimir Putin auf die Straße gegangen. Der Oppositionelle Nawalny war vor zwei Wochen direkt nach seiner Rückkehr aus Deutschland verhaftet worden, wo er sich fünf Monate lang von einem Giftanschlag erholt hatte. Der 44-Jährige macht Putin und den Inlandsgeheimdienst FSB für das Verbrechen verantwortlich. Putin und der FSB weisen das zurück.

USA verurteilen Vorgehen gegen Demonstranten

Die US-Regierung kritisierte das harte Vorgehen der russischen Behörden "Die USA verurteilen die anhaltende Anwendung brutaler Taktiken gegen friedliche Demonstranten und Journalisten durch die russischen Behörden in der zweiten Woche in Folge", teilte US-Außenminister Antony Blinken am Sonntag auf Twitter mit.

"Wir erneuern unseren Aufruf an Russland, diejenigen freizulassen, die wegen der Ausübung ihrer Menschenrechte inhaftiert sind, einschließlich Alexej Nawalny." Bei neuen Demonstrationen von Unterstützern Nawalnys in Russland waren am Sonntag erneut zahlreiche Menschen festgenommen worden.

Der Kreml warf den USA daraufhin "grobe Einmischung" in die inneren Angelegenheiten Russlands vor. In einer Erklärung auf Facebook kritisierte das Außenministerium in Moskau zudem die Verbreitung von Falschinformationen durch "von Washington kontrollierte Online-Plattformen".

Auch die EU verfolgte das Vorgehen der russischen Sicherheitskräfte mit Besorgnis. Der EU-Außenbeauftragte Borrell beklagte bei Twitter "Massenverhaftungen" und die "unverhältnismäßige Anwendung von Gewalt" gegenüber Demonstranten und Journalisten. Die Menschen müssten in der Lage sein, ohne Angst vor Unterdrückung zu demonstrieren, schrieb er und forderte Russland auf, seine internationalen Verpflichtungen einzuhalten.

Verwendete Quellen:

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