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Omikron greift in Europa rasant um sich

Von dpa
Aktualisiert am 19.12.2021Lesedauer: 3 Min.
Einreisende aus Großbritannien mĂŒssen 14 Tage in QuarantĂ€ne - auch, wer geimpft ist oder eine Überkrankung ĂŒberstanden hat.
Einreisende aus Großbritannien mĂŒssen 14 Tage in QuarantĂ€ne - auch, wer geimpft ist oder eine Überkrankung ĂŒberstanden hat. (Quelle: Joshua Bratt/PA/dpa./dpa)
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Den Haag/Kopenhagen/London (dpa) - Die hoch ansteckende Omikron-Variante des Coronavirus breitet sich in Europa atemberaubend schnell aus und droht mancherorts die Gesundheitsversorgung zu ĂŒberlasten.

Um die Infektionswelle zu bremsen, verhĂ€ngten die deutschen NachbarlĂ€nder DĂ€nemark und die Niederlande kurz vor Weihnachten nun eilends einen strengen Lockdown. Zudem schottet sich Deutschland auch gegenĂŒber Großbritannien ab, wo Omikron in den Landesteilen England und Schottland schon dominiert. Ab Montag gilt die ganze Insel als Virusvariantengebiet, damit gelten drastische BeschrĂ€nkungen fĂŒr ReiserĂŒckkehrer. Die Lage im Einzelnen:

Niederlande

Die Regierung in Den Haag hat wenige Tage vor Weihnachten einen neuen strengen Lockdown verhĂ€ngt. Seit Sonntag mĂŒssen fast alle GeschĂ€fte, GaststĂ€tten, Kultur- und Sporteinrichtungen, Schulen und Friseure schließen. Ausgenommen sind nur LĂ€den wie SupermĂ€rkte und Apotheken, die fĂŒr die Versorgung wichtig sind. Die extrem schnelle Verbreitung der Omikron-Variante erzwinge die harten Maßnahmen, sagte MinisterprĂ€sident Mark Rutte.

Jeder Haushalt darf nun in der Regel nur noch zwei GĂ€ste empfangen. Nur ĂŒber Weihnachten und zum Jahreswechsel sind bis zu vier Besucher erlaubt. Der Lockdown soll zunĂ€chst bis zum 14. Januar gelten. Eine Ausgangssperre soll es vorerst nicht geben.

Die Omikron-Variante breitet sich nach Angaben von Experten viel schneller aus als erwartet. In Amsterdam verdoppelt sich die Zahl der Infektionen alle zwei bis drei Tage. Bereits vor Weihnachten werde diese Variante in der Hauptstadt dominant sein, hieß es. Zurzeit sinkt die Zahl der Neuinfektionen zwar. Doch die KrankenhĂ€user stehen unter hohem Druck, so dass sie nach BefĂŒrchtung der Experten einen weiteren Zustrom von Patienten nicht auffangen könnten.

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Die Sieben-Tage-Inzidenz in den Niederlanden lag am Samstag bei 617. Zum Vergleich: In Deutschland wurden zuletzt knapp 322 Infektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen registriert.

Auch DĂ€nemark fĂ€hrt große Teile des öffentlichen Lebens wieder herunter: Theater, Kinos, Zoos, VergnĂŒgungsparks und SportstĂ€tten mĂŒssen nun wieder geschlossen bleiben. Restaurants dĂŒrfen nur noch bis 23 Uhr öffnen. In dem Nachbarland mit knapp sechs Millionen Einwohnern steigen die Corona-Zahlen seit einigen Wochen wieder stark an. Am Freitag erreichte die Zahl der tĂ€glichen Neuinfektionen einen Rekordwert von rund 12.000. In mehr als einem FĂŒnftel der FĂ€lle handele es sich um die Omikron-Variante. Die strengeren Regeln gelten zunĂ€chst bis Mitte Januar.

Großbritannien

Die Omikron-Mutante ist in England schon dominierend: Sie mache nun 60 Prozent aller FÀlle aus, sagte der britische Gesundheitsminister Sajid Javid im Sky News-Interview. Allein am Samstag waren im Vereinigten Königreich 10.059 neue Omikron-FÀlle gemeldet worden - dreimal so viele wie am Tag zuvor.

Um die Ausbreitung von Omikron in Deutschland zu verlangsamen, hat die Bundesregierung Großbritannien zum Virusvariantengebiet erklĂ€rt. Dies bedeutet, dass Einreisende 14 Tage in Corona-QuarantĂ€ne mĂŒssen - auch, wer geimpft ist oder eine Erkrankung ĂŒberstanden hat. Diese Frist kann auch nicht durch einen Test verkĂŒrzt werden. Zudem dĂŒrfen nur noch BundesbĂŒrger und Menschen mit deutschem Wohnsitz ins Land. Bislang waren keine europĂ€ischen LĂ€nder Virusvariantengebiete.

Gleichzeitig spitzt sich in Großbritannien, wo bislang noch weitreichende Freiheiten gelten, die Debatte um schĂ€rfere Corona-Maßnahmen zu. London hat schon den Katastrophenfall ausgerufen. Medienberichten zufolge laufen Diskussionen ĂŒber eine Art Wellenbrecher-Lockdown nach den Weihnachtstagen.

Wissenschaftliche Berater fordern eine möglichst schnelle VerschĂ€rfung der BeschrĂ€nkungen, um eine Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern. Man sei "fast sicher, dass es aktuell Hunderttausende neue Omikron-Infektionen pro Tag" in England gebe - also eine hohe Dunkelziffer. Einige Modellierer warnten dem "Guardian" zufolge, ohne schĂ€rfere Maßnahmen drohten bis zum Jahreswechsel bis zu zwei Millionen Neuinfektionen tĂ€glich.

Die Regierung in Paris greift im Kampf gegen die fĂŒnfte Welle auf strengere Impfregeln zurĂŒck. Im Januar kann eine Auffrischungsimpfung nach bereits vier statt fĂŒnf Monaten erfolgen. Gesundheitsminister Olivier VĂ©ran kĂŒndigte an, dass eine dritte Injektion fĂŒr PflegekrĂ€fte und Feuerwehrleute Pflicht wird. Vor wenigen Tagen begannen die Schutzimpfungen fĂŒr Kinder zwischen fĂŒnf und elf Jahre. Das zu Silvester geplante Feuerwerk und Konzert auf den Champs-ÉlysĂ©es fĂ€llt wegen der vielen Neuinfektionen aus.

Zudem gelten die NachbarlĂ€nder DĂ€nemark und Frankreich wegen steigender Fallzahlen und Omikron in Deutschland seit Mitternacht nun als Hochrisikogebiete. Dies hatte das RKI bereits am Freitag bekanntgegeben. Mit Ausnahme von Luxemburg sind nun alle deutschen NachbarlĂ€nder Hochrisikogebiete. Wer aus einem solchen Gebiet einreist und nicht vollstĂ€ndig geimpft oder genesen ist, muss zehn Tage in QuarantĂ€ne. FrĂŒhestens fĂŒnf Tage nach der Einreise kann man sich mit einem Test davon befreien.

Die EU-Kommission erwartet, dass Omikron schon im Januar in ganz Europa die dominierende Variante sein wird.

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