Menü Icont-online - Nachrichten für Deutschland
HomePolitikUkraine

Angriffe auf Lwiw: Hier zeigt sich Putins strategisches Dilemma


An Lwiw zeigt sich ein Dilemma für Putin

  • Josephin Hartwig
Von Josephin Hartwig, Patrick Diekmann

18.03.2022Lesedauer: 3 Min.
Nachrichten
Wir sind t-online

Mehr als 150 Journalistinnen und Journalisten berichten rund um die Uhr für Sie über das Geschehen in Deutschland und der Welt.

Russisches Luftabwehrsystem bei einer Übung im Süden des Landes.
Israels "Iron Dome": So funktioniert die Raketenabwehr, die aufgrund der russischen Invasion jetzt auch für Deutschland interessant zu werden scheint. (Quelle: Glomex)
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Schlagzeilen
AlleAlle anzeigen

Symbolbild für einen TextSchwerer Unfall – Bundesstraße gesperrtSymbolbild für einen TextSchuhbeck: Nächster Laden schließt Symbolbild für einen TextDas ist die Ehefrau von Markus LanzSymbolbild für ein VideoKoffer-Eklat an FlughafenSymbolbild für einen TextMareile Höppner: neuer SendeplatzSymbolbild für einen TextWM-Aus für deutschen SchiedsrichterSymbolbild für einen TextFlammen in FlüchtlingsheimSymbolbild für einen TextTrainer übernimmt Ostklub zum dritten MalSymbolbild für einen TextLotto: Die aktuellen GewinnzahlenSymbolbild für einen TextKiKa-Moderator wurde rausgeworfenSymbolbild für einen TextU-Bahn kracht auf Lkw – Fahrgast verletztSymbolbild für einen Watson TeaserRTL-Star irritiert mit neuem VideoSymbolbild für einen TextAnzeige: Jahres-LOS kaufen und Einzel-LOS gratis dazu sichern
Anzeige
Loading...
Loading...
Loading...

Erneut hat Russland auch den Westen der Ukraine angegriffen, die militärische Infrastruktur steht dabei offenbar besonders im Fokus. Am Beispiel Lwiw werden mehrere Probleme für Putins Armee deutlich.

Nur wenige Kilometer von der polnischen Grenze entfernt liegt Lwiw. Eine Stadt in der westlichen Ukraine, die nun abermals Ziel der russischen Armee geworden ist. Am Morgen wurden heftige Explosionen gemeldet, offenbar schlugen Raketen ein, wie der Bürgermeister Andrj Sadowij mitteilte.


Angriffe auf Lwiw – die Stadt an der polnischen Grenze

18. März 2022: Eine Frau geht über eine Brücke, während eine Rauchwolke nach einer Explosion aufsteigt. Nach Angaben des Bürgermeisters von Lwiw schlugen russische Raketen in der Nähe des Flughafens der Stadt ein.
Explosionen und dunkle Rauchschaden versetzten die Menschen in Lwiw in Angst und Schrecken. Für sie rückt der Krieg damit näher.
+6

Der Flughafen selbst sei nicht getroffen, aber ein Flugzeugreparaturwerk sei zerstört worden. Opfer gebe es nach ersten Angaben nicht. Sadowij rief die Einwohner auf, auf möglichen Luftalarm zu achten.

Hintergrund: Lwiw liegt rund 80 Kilometer von der Grenze zu Polen entfernt. In dem seit mehr als drei Wochen andauernden russischen Krieg gegen die Ukraine ist es dort bislang vergleichsweise ruhig geblieben, die Stadt ist aber voller Flüchtlinge. Bei einer Attacke auf den Truppenübungsplatz Jaworiw unweit von Lwiw am vergangenen Sonntag starben nach Kiewer Angaben mindestens 35 Menschen, 134 wurden verletzt.

Der ukrainischen Luftwaffe zufolge wurde die Gegend nach vorläufigen Informationen von vier russischen Marschflugkörpern getroffen, die aus mehreren Hundert Kilometern Entfernung vom Schwarzen Meer aus abgefeuert worden waren. Zwei weitere russische Raketen seien von der ukrainischen Luftabwehr abgeschossen worden, bevor sie ihr Ziel erreicht hätten.

Über dem Gebiet stieg eine dichte Rauchwolke auf. Rettungskräfte seien im Einsatz, erklärte der Bürgermeister weiter. Zuvor hatte Sadowyj von russischem Beschuss auf ein Gelände in der Nähe des Lwiwer Flughafens berichtet, zugleich aber mitgeteilt, dass die Angriffe nicht direkt dem Flughafen gegolten hätten.

Putins Dilemma mit westlichen Waffenlieferungen

Doch wie geht es nun weiter an der polnischen Grenze? In Lwiw ist die Sorge vor einer humanitären Katastrophe besonders groß, schließlich ist die Stadt der zentrale Anlaufpunkt für Menschen, die aus anderen Teilen der Ukraine fliehen müssen. In den ersten zwei Tagen der russischen Invasion gab es in Lwiw zwar gelegentlich Luftalarm, aber danach blieb die Region von Angriffen vorerst verschont.

In den vergangenen Tagen wuchs die Angst der Menschen jedoch wieder. Nachts heulten die Sirenen, es gab vor allem russische Angriffe mit Marschflugkörpern auf militärische Ziele. In der Stadt bereitet man sich auf einen Angriff vor und errichtet Barrikaden. Doch eine Bodenoffensive ist noch nicht in Sicht.

Im Nordwesten der Ukraine zeigt sich das militärstrategische Dilemma von Wladimir Putin. Eigentlich sollten belarussische Kräfte von Brest in Richtung Süden vorstoßen, um die Grenze nach Polen – die Nato-Grenze – zu sichern. Das blieb offenbar erfolglos, weil sich die belarussische Armee bei dem geplanten Überfall auf die Ukraine gegen Machthaber Alexander Lukaschenko stellte, wie einige Deserteure in den vergangenen Wochen im Ausland berichteten.

Angriffe auf strategische Ziele

Das stellt Russland vor das Problem, dass der westliche Nachschub an Waffen und anderen militärischen Gütern für die Ukraine nicht unterbunden werden kann. Auch die ukrainische Luftwaffe ist noch nicht besiegt und schafft es weiterhin – vor allem aus dem Westen heraus –, Einsätze zu fliegen. Dadurch kann die russische Armee zum Beispiel keine strategischen Bomber einsetzen, die Konvois und Hubschrauber sind ebenfalls in Gefahr.

Deshalb versucht Russland nun, vor allem die militärische Infrastruktur in der Region um Lwiw zu zerstören. Das zeigen die Angriffe der russischen Armee auf Flughäfen oder den Militärübungsplatz Jaworiw am vergangenen Sonntag, auf dem vor dem Krieg auch Nato-Truppen trainierten. Die Zerstörung ist groß.

Es dürfte trotzdem noch längere Zeit dauern, bis russische Panzer auf die Stadt vorrücken könnten. Bislang konnte die russische Armee Großstädte wie Kiew und Charkiw weder erobern noch die Belagerungsringe schließen. Es gibt immer mehr Berichte über schlechte Logistik, fehlende Munition und Verpflegung. Wenn Russland Lwiw erobern wollte, müsste es die Räume bis zur Stadt im Westen erst einmal erstreiten und die besetzten Gebiete konsolidieren. Das würde eine Anzahl von Streitkräften erfordern, die Putin momentan in der Ukraine nicht zur Verfügung steht.

Russische Angriffe werden verzweifelter

Diese Situation könnte Lwiw zumindest zeitweise relative Sicherheit geben. Doch eines ist klar: Die russischen Angriffe werden verzweifelter und Zivilisten geraten immer weiter ins Fadenkreuz. Das gehört zu Putins perfider Strategie, die Bevölkerung zu demoralisieren. Auch Lwiw könnte zum Ziel werden. Einfach wäre das jedoch nicht. Immerhin hat die Stadt durch ihre Lage gute Chancen darauf, lange Zeit vom Westen versorgt werden zu können.

In den vergangenen Tagen gab es Hoffnungen, dass Russland und die Ukraine bei direkten Gesprächen eine Waffenruhe aushandeln könnten. Westliche Diplomaten warnten allerdings davor, dass Putin möglicherweise nur Zeit erkaufen wolle, um die russischen Truppen in der Ukraine umzugruppieren. In Lwiw wird die Lage genau beobachtet.

Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Verwendete Quellen
  • Eigene Recherche
  • taz: Belarus und der Krieg in der Ukraine: Nichts wie weg
  • Mit Material der Nachrichtenagenturen dpa, AFP und Reuters
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

ShoppingAnzeigen

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Bericht: EU plant Sanktionen gegen Kadyrow-Clan
  • Rahel Zahlmann
Von Rahel Zahlmann, Lara Schlick
DeutschlandFlüchtlingeKiewLuftwaffeRusslandUkraineWladimir Putin

t-online - Nachrichten für Deutschland
t-online folgen
FacebookTwitterInstagramYouTubeSpotify

Das Unternehmen
Ströer Digital PublishingJobs & KarrierePresseWerbenKontaktImpressumDatenschutzhinweiseDatenschutzhinweise (PUR)Jugendschutz



Telekom
Telekom Produkte & Services
KundencenterFreemailSicherheitspaketVertragsverlängerung FestnetzVertragsverlängerung MobilfunkHilfeFrag Magenta


TelekomCo2 Neutrale Website