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Der Untergang der "Moskwa": Berichte ĂŒber Tote

Von dpa
20.04.2022Lesedauer: 4 Min.
Die "Moskwa" in der NĂ€he des Hafens von Tartus in Syrien (Archivbild).
Die "Moskwa" in der NĂ€he des Hafens von Tartus in Syrien (Archivbild). (Quelle: Zhang Jiye/XinHua/dpa./dpa)
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Moskau (dpa) - Rund 500 Mann Besatzung soll der bedeutende Raketenkreuzer "Moskwa" gehabt haben. Doch auch eine Woche nach dem weltweit beachteten Untergang des Flaggschiffs gibt es weiter widersprĂŒchliche Angaben zu den Ursachen eines Brandes an Bord.

RÀtselhaft ist vor allem der Verbleib der Matrosen. Suchende Angehörige melden sich in sozialen Netzwerken zu Wort, berichten von Toten, Verletzten und Vermissten. Dabei hatte das russische Verteidigungsministerium behauptet, die "gesamte Besatzung" sei gerettet. Doch an der Darstellung gibt es viele Zweifel.

"Alle Informationen in dieser Hinsicht gibt das Verteidigungsministerium. Wir sind hier nicht befugt, irgendetwas mitzuteilen", meinte Kremlsprecher Dmitri Peskow kĂŒhl. Sein Dienstherr ist PrĂ€sident Wladimir Putin, Oberbefehlshaber der russischen StreitkrĂ€fte und mĂ€chtigster Mann des Landes. Schon nach dem am vergangenen Donnerstag bekanntgegebenen Untergang der "Moskwa" musste Peskow Fragen, ob Putin mit einem Besuch bei der Schwarzmeerflotte mehr Licht in die Sache bringe wolle, mit einem Nein beantworten. Alles Sache des MilitĂ€rs.

Berichte ĂŒber Tote

Gleichwohl war es Putin, der am 24. Februar den Einmarsch in die Ukraine befahl. Im Schwarzen Meer wurde auch die "Moskwa" fĂŒr den Krieg eingesetzt, bis sie nach ukrainischen Angaben von zwei "Neptun"-Raketen getroffen wurde. Kiew feiert das versenkte Schiff als Triumph im Krieg gegen Moskau. Eine Briefmarke, die einen ukrainischen Soldaten mit erhobenem Stinkefinger an der KĂŒste mit Blick auf die "Moskwa" zeigt, findet nun reißenden Absatz.

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Und ein schon zuvor dem Kreuzer gewidmeter Funkspruch: "Russki wojenny korabl, idi na chui!" - (auf Deutsch etwa: "Russisches Kriegsschiff, verpiss dich!") ist ein geflĂŒgeltes Wort in dem Land. Die Ukraine geht von vielen Toten auf der "Moskwa" aus.

Kremlkritische russischsprachige Medien haben selbst mit Eltern und Frauen gesprochen, die ihre Söhne und MÀnner suchen. Sie berichten von Toten, Schwerverletzten und Vermissten. Eine Frau sagte der Internetzeitung "Nowaja Gaseta. Europa", ihr Sohn habe ihr von einem Raketeneinschlag an Bord erzÀhlt - und von etwa 40 Toten und vielen Verletzten. Das Portal "Meduza" berichtete unter Berufung auf eine eigene Quelle aus dem Umfeld des Kommandos der Schwarzmeerflotte, dass 37 Besatzungsmitglieder gestorben und etwa 100 verletzt seien.

Trauerzeremonie auf der Krim

In einem eindringlichen Appell im russischen Netzwerk Vkontakte wandte sich der Krim-Bewohner Dmitri Schkrebez an die Öffentlichkeit, "damit die Wahrheit siegt in dieser Geschichte". Der Mann aus Jalta vermisst seinen Sohn, einen Grundwehrdienstleistenden, der nach russischem Recht nicht in den Krieg hĂ€tte geschickt werden dĂŒrfen. Er hĂ€lt ihn fĂŒr tot und veröffentlichte ein Foto seines Sohnes und eine Videobotschaft: "Söhnchen, ich liebe dich. Wir sind immer vereint". Es gibt viele solcher Schicksale mit Namen und Orten.

Schon seit Tagen wird ein Video der Schwarzmeerflotte diskutiert, das zeigt, wie der Kommandeur der Kriegsmarine, Nikolai Jewmenow, die MÀnner in Sewastopol besucht. In der Stadt auf der von Russland 2014 annektierten Halbinsel Krim hat die Schwarzmeerflotte ihre Basis. Beobachter zÀhlten auf dem Video nur etwa 100 Matrosen in den typisch schwarzen Uniformen. Unklar ist auch der Verbleib des KapitÀns.

Jewmenow schreitet die Reihen ab und sagt, dass die Offiziere weiter ihren Dienst bei der Flotte versehen wĂŒrden, wie der russische MilitĂ€r-Fernsehsender Swesda TV zeigte. Der Besatzung ist die Trauer ins Gesicht geschrieben. Auf im Internet verbreiteten Bildern von der Zeremonie ist ein Trauerkranz zu sehen - fĂŒr das Schiff und die "Matrosen", heißt es da. Offiziell ist die Rede aber weiter von einem Brand an Bord, bei dem auch Munition explodiert sei. In der Folge sei das Schiff beschĂ€digt worden und beim Verbringen in den Hafen untergegangen.

Wut in Russland

Auf Bildern und Videos, die nach dem Untergang im Internet erschienen, sind Rauchwolken zu sehen - und das Schiff mit Schlagseite im Wasser. Putins Sprecher Peskow meinte dazu nur, sie hÀtten das im Kreml gesehen, könnten aber nicht sagen, ob die Aufnahmen authentisch seien.

Dabei ist das Interesse auch in Russland enorm an dem Fall - und die Wut darĂŒber, dass das auf seine Kriegsflotte so stolze Riesenreich nun sein Vorzeigeschiff verlor. Putin hatte immer wieder auch StaatsgĂ€ste auf dem Kreuzer empfangen, darunter einmal den ukrainischen PrĂ€sidenten Leonid Kutschma, den italienischen Premier Silvio Berlusconi und Ägyptens Staatschef Abdel Fattah al-Sisi.

"Ich bin rasend vor Wut", schimpfte zur Freude der Ukrainer sogar der Kremlpropagandist Wladimir Solowjow in einer Show. "ErklÀrt bitte, wie man sie verlieren konnte." Wie "zum Teufel"?, donnerte der vom Westen mit Sanktionen belegte Staatsmedien-Vertreter. Solowjow, der selbst auch das Existenzrecht der Ukraine infrage stellte, erwÀhnte sogar die ukrainischen "Neptun"-Raketen, die die "Moskwa" zerstört haben sollen.

Er fragte, wie es sein könne, dass ein Raketenkreuzer keine Raketen abfangen könne. War die Abwehr vielleicht nicht aktiv? Oder ein Brand? Wieso fehlte der Brandschutz? Solowjow meinte letztlich, es sei auch egal, der Verlust sei ein schwerer Schlag. In sozialen Netzwerken in der Ukraine verbreitete sich das Video des tobenden Solowjow, der dort sonst verhasst ist, rasant. Sie könnten es gar nicht oft genug abspielen, meinten einige Ukrainer zufrieden.

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