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Putins Luftwaffe im Tiefflug: "Russische Piloten können nicht wie Aasgeier kreisen"


Putins Luftwaffe ist im Tiefflug


Aktualisiert am 21.05.2022Lesedauer: 4 Min.
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Ungewöhnliche Taktik: Die russische Luftwaffe passt ihre Strategie in der Ostukraine an – doch das birgt auch neue Risiken. (Quelle: t-online)

Die Ukraine verfügt über immer mehr Luftabwehrwaffen – das stellt Russland vor große Probleme. Die ukrainische Luftwaffe schafft es dagegen erfolgreich, mit kreativen Tricks ihrer Vernichtung zu entgehen.

Mariupol ist nun offenbar gefallen und komplett unter russischer Kontrolle. Die ukrainischen Verteidiger der strategisch wichtigen Hafenstadt leisteten erbitterten Widerstand und hielten lange Zeit durch, obwohl sie seit Anfang März eingekesselt waren. Die ukrainische Armee versorgte ihre Truppen in der Stadt in dieser Zeit aus der Luft und Präsident Wolodymyr Selenskyj bedankte sich am 20. Mai bei seinen Piloten: "Die Piloten riskierten ihr Leben, um Nachschub nach Asowstal zu liefern."

Bei dem Versuch, das eingekesselte Mariupol zu versorgen, starben nach ukrainischen Angaben viele Piloten durch russische Flugabwehr. Das zeigt aber, dass Russland auch im Osten der Ukraine keine Luftüberlegenheit hat. Vor allem ukrainische Luftabwehrwaffen sorgen dafür, dass der russische Präsident Wladimir Putin seine Luftwaffe viel vorsichtiger einsetzen muss.

Russland kämpft mit erheblichen Problemen

Die russischen Streitkräfte konzentrierten nach eigenen Angaben ihre aktuellen Einsätze auf das frontnahe Hinterland der Ukraine. Ziele sind aktuell vor allem logistische Knotenpunkte und militärische Infrastruktur, auch der Bombenterror gegen die ukrainische Zivilbevölkerung geht weiter.

Der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, berichtete am Freitag von Attacken auf die Ortschaften Bachmut, Berestowe, Kostjantyniwka, Masljakiwka, Pokrowske, Soledar im Gebiet Donezk und die Stadt Tschuhujiw im Gebiet Charkiw.

Dabei seien durch russische Boden-Luft-Raketen unter anderem vier gegnerische Gefechtsstände und sieben Depots vernichtet worden. Russlands Raketenstreitkräfte und Artillerie wiederum hätten 3 Depots und 24 Artillerie- und Raketenwerfer-Stellungen zerstört, sagte Konaschenkow. Daneben haben nach seinen Angaben Heeresflieger und taktische Luftwaffe 280 Soldaten und 59 gepanzerte Militärfahrzeuge liquidiert. Unabhängig konnten diese Angaben nicht überprüft werden.

Russlands Luftwaffe kämpft im Osten der Ukraine aber auch mit erheblichen Problemen. "Die russischen Kampfflugzeuge können sich nicht wirklich frei bewegen", sagte der Russland- und Militärexperte Gustav Gressel im Gespräch mit t-online. "Die Piloten müssen enorm tief fliegen, damit sie nicht mit Stinger-Raketen abgeschossen werden können." Die Folge: Russland kann seine Panzerverbände nicht ausreichend aus der Luft gegen Hinterhalte sichern.

"Russische Piloten können nicht wie Aasgeier kreisen"

Wenn Kampfflugzeuge und Helikopter mit hoher Geschwindigkeit und knapp über dem Boden fliegen, haben die Piloten keine Zeit und keine Sicht, um selbst Ziele anzuvisieren. Die russische Luftwaffe ist in der Ostukraine also auf Bodentruppen angewiesen, die den Piloten im Einsatz Ziele genau markieren. "Die russischen Piloten können nicht wie Aasgeier über der Front kreisen und sich Ziele suchen", bestätigte Gressel.

Deshalb fliegt die russische Luftwaffe laut Militärexperten aktuell nicht viele Einsätze in der Ukraine. Probleme sind aus russischer Perspektive sicherlich auch die ukrainische Luftabwehr und die hohe Flexibilität der ukrainischen Verbände an der Front. "Russische Flugzeuge meiden weiterhin größtenteils Einsätze über der Ukraine, wahrscheinlich wegen der Bedrohung durch intakte ukrainische Luftverteidigungssysteme", schreibt das britische Verteidigungsministerium auf Twitter.

Doch die Briten vermuten auch, dass die russischen Truppen nicht genug Piloten und Drohnen zur Verfügung haben könnten. Letzteres wäre vor allem für Aufklärung und die Koordination der Luftangriffe wichtig. Die russische Armee steckt auf jeden Fall in einem Dilemma: Da sie zu wenig Infanterie am Boden hat, werden die Einsätze von Kampfhubschraubern und Flugzeugen deutlich gefährlicher.

Weniger russische Luftangriffe im Osten

Wenn die russische Luftwaffe weniger im Einsatz ist, eröffnet das wiederum Chancen für die Ukraine. In der vergangenen Woche gab es im Osten einige Einsätze von ukrainischen Kampfflugzeugen, die zum Beispiel die ukrainische Gegenoffensive um Isjum unterstützten. Das ist bemerkenswert, denn der Kreml hatte schon am zweiten Kriegstag die eigene Lufthoheit über der Ukraine vermeldet. Das war ein Trugschluss, wie nun schon etwas länger feststeht.

"Die ukrainischen Luftangriffe sind ein Indiz dafür, dass die Russen in der Region momentan nicht viel fliegen", meinte Gressel. "Denn sonst würde die Ukraine ihre Kampfflugzeuge und Piloten nicht riskieren, weil sie nicht so viele haben." Zwar haben westliche Staaten in den vergangenen Jahren die Ukraine hochgerüstet, aber ähnlich wie die Marine galt die ukrainische Luftwaffe noch immer als schwach und rückständig – die Maschinen stammen größtenteils noch aus Beständen der Sowjetunion.

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Trotzdem ist sie noch immer einsatzfähig, trotz massiver russischer Raketen- und Luftangriffe gegen ukrainische Flugplätze. "Die ukrainischen Kampfflugzeuge sind auf das ganze Land verteilt, sie starten von kleineren Flughäfen, werden in Scheunen versteckt und starten teilweise von Autobahnen oder Bundesstraßen", erklärte Gressel. "Sie starten irgendwo in der Prärie, sammeln sich und zerstreuen sich nach dem Einsatz wieder." Aufgrund mangelnder Aufklärung gelang es Russland bislang nicht, diese improvisierten Standorte der ukrainischen Luftwaffe auszuschalten.

Erfolgreiche ukrainische Luftangriffe

Deswegen kann die Ukraine auch aus der Luft immer wieder Erfolge feiern. So attackierten ukrainische Kampfflugzeuge zusammen mit Bayraktar TB-2-Drohnen in der ersten Maiwoche effektiv russische Stellungen auf der strategisch wichtigen Schlangeninsel. Besonders die Drohnen machen im Schwarzen Meer der russischen Marine zu schaffen, immer wieder greift die Ukraine erfolgreich Versorgungsschiffe an. Seitdem der russische Raketenkreuzer "Moskwa" mit seinem S-300-Flugabwehrsystem versenkt wurde, hat die Ukraine mehr strategische Möglichkeiten aus der Luft.

Bislang lehnt der Westen es aber ab, Kampfflugzeuge an die Ukraine zu liefern. Aus Polen oder der Slowakei kamen aber zumindest Ersatzteile, wahrscheinlich für das Flugzeugmodell MiG-29. Über der Ukraine sah man zuletzt aber mehr Su-27 oder Su-25 und der ukrainische Generalstab stellte Anfang Mai klar: Jagdmaschinen, Bomber und Erdkampfflugzeuge erfüllten "weiterhin Aufgaben im ukrainischen Luftraum". Damit das so bleiben kann, wird irgendwann weiter Nachschub nötig sein – vor allem aus dem Westen.

Verwendete Quellen
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