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Historiker zerlegt Linken-Vorsitzende Wissler

Von Peter Luley

Aktualisiert am 01.07.2022Lesedauer: 4 Min.
Janine Wissler (Archivbild): Bei "Markus Lanz" konnte die Linken-Politikerin mit ihren Äußerungen zur Nato bei den anderen Gästen nicht punkten.
Janine Wissler (Archivbild): Bei "Markus Lanz" konnte die Linken-Politikerin mit ihren Äußerungen zur Nato bei den anderen Gästen nicht punkten. (Quelle: Chris Emil Janßen/imago-images-bilder)
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Für den großen historischen Kontext im Ukraine-Krieg sorgt bei "Markus Lanz" der Osteuropahistoriker Karl Schlögel. Janine Wissler und ihre Partei kritisiert er scharf.

Manchmal gelingt es Markus Lanz in seinen 75 Minuten zu später Stunde, tatsächlich tiefer gehende Einblicke in ein Thema zu vermitteln, als es die dem Tagesgeschehen hinterherhechelnden früher laufenden 60-Minuten-Formate vermögen.

Die gestrige Ausgabe zum Ukraine-Krieg war so eine Sendung, und das lag vor allem an der Expertise des Osteuropahistorikers Karl Schlögel, der bereits 2015 das Buch "Entscheidung in Kiew" veröffentlicht hat und gegen den insbesondere die Linken-Co-Vorsitzende Janine Wissler argumentativ einen schweren Stand hatte.

Die Gäste

  • Janine Wissler, Co-Vorsitzende der Linkspartei
  • Gerhart Baum, Politiker (FDP)
  • Marina Kormbaki, Journalistin ("The Pioneer")
  • Karl Schlögel, Historiker

Die frisch wiedergewählte Parteichefin musste zunächst die Attacken Sahra Wagenknechts gegen sie kommentieren ("Es ist schon die Frage, ob das guter Stil ist") und die Haltung ihrer Partei zum Ukraine-Krieg erläutern.

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Es sei keine Frage, dass Putin der Aggressor sei, führte sie aus, "was nicht heißt, dass man nicht auch die Nato weiter kritisieren muss". Die "völkerrechtswidrigen Kriege", die die Allianz in der Vergangenheit geführt habe, blieben schließlich völkerrechtswidrig. Als Beispiel nannte sie den Kosovo-Krieg. Den Nato-Beitritt Schwedens und Finnlands nannte sie "ein riesiges Problem" wegen der damit verbundenen Zugeständnisse der Bündnispartner an den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan.

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Im Übrigen, so Wissler, sei nach dem Ende des Kalten Krieges "eine große Chance verpasst" worden: "Als sich damals der Warschauer Pakt aufgelöst hat, hätte man die Nato auch überwinden müssen." Das Militärbündnis sei aber bestehen geblieben und habe sich weiter nach Osten ausgeweitet.

Dem Einwurf des FDP-Grandseigneurs Gerhart Baum, die Nato habe aber niemals Putin bedroht, hielt sie entgegen: "Aber andere Staaten sind sehr stark von der Nato bedroht worden. Wir erinnern uns an die Bomben auf Belgrad. Und der Afghanistan-Krieg war auch keine Verteidigung, sondern ein Überfall auf eines der ärmsten Länder dieser Welt."

Historiker Karl Schlögel widerspricht Wissler

An dieser Stelle holte Markus Lanz den Historiker Karl Schlögel in die Diskussion. Und der lief sich langsam warm: "Ich weiß nicht, warum wir jetzt über die Nato reden, im Augenblick ist es so, dass Kiew, Odessa, Charkiw bombardiert werden."

Er wisse gar nicht, was Wissler meine: "Nach dem Ende der Block-Konstellation haben sich einige Staaten Europas, die genug hatten vom sowjetischen Imperium, dafür entschieden, der Nato beizutreten. Das ist ganz einfach." Es gelte vielmehr, über den Krieg zu reden. Und da habe die Linke von Anfang an alles, was man als Kritik an Putin vorgebracht habe, "als Russophobie" dargestellt und eine "apologetische Position" zu Putins Russland eingenommen.

Es sei "vielleicht ein Durchbruch für die Linke, dass sie jetzt immerhin anerkennt, dass Putin einen Krieg führt" – das ändere aber nichts an ihrer Position, der Ukraine keine Waffen zu liefern, und genau das sei jetzt das Entscheidende.

Schlögl legt noch einen drauf

Der Historiker stellte bei dem Thema "erstaunliche Überschneidungen" zwischen Linkspartei und AfD fest und empfahl der Parteichefin, "sich mal zu erkundigen über diese seltsamen Verwandtschaften und Nachbarschaften".

Einmal in Fahrt legte Schlögel noch einen drauf: "Es gab eine Tradition der Linken im Kampf gegen den Imperialismus, gegen den Faschismus, gegen den Nationalsozialismus. (…) Was Sie vertreten, das ist ein korrupt gewordener, nicht mehr glaubwürdiger Antifaschismus. Wer den Bedrohten nicht beisteht, der hat den Antifaschismus verraten."

Er warf der Linken vor, "nicht über die faschistische Umgebung, die es um Putin herum gibt", zu reden – genauso wenig wie über die "unglaubliche" Propaganda, "die jeden Abend im russischen Fernsehen läuft".

Zum Abschluss seiner Suada setzte der Historiker dann noch den finalen Streich: "Aber vielleicht ist die Linke auch nicht so bedeutsam, und wir sollten über andere Dinge diskutieren." Zum Beispiel über das große Wort der "Zeitenwende" und die Frage "Werden wir standhalten?".

Baum zu Wissler: "Sie machen einen Generalfehler"

Nach so viel Wucht konnte Janine Wissler mit ihren Vorschlägen, den Gaspreis zu deckeln, die Sanktionen konsequenter umzusetzen und eine Verhandlungslösung zu finden, nicht mehr wirklich punkten. "Sie machen einen Generalfehler", erklärte dazu FDP-Senior Gerhart Baum, "Sie halten Putin für vertragsfähig".

Und auch die Journalistin Marina Kormbaki äußerte Zweifel: "Eine Preisdeckelung beim Gas wird die russische Armee nicht am Vormarsch hindern." Dafür hatte sie eine griffige Formulierung auf Markus Lanz’ Frage, warum wir alle – trotz Georgien, der Krim und Aleppo – immer weggesehen hätten: "Der Stoff war zu billig, der Stoff war zu gut." Deutschland, ein Land von Gas-Junkies. "Wir haben uns in einer bequemen Realität eingerichtet", sekundierte Gerhart Baum.

Der Historiker schürft tiefer

Aber auch in diesem Punkt wollte Karl Schlögel tiefer schürfen. Nur Naivität als Erklärung für die Entwicklung des deutsch-russischen Verhältnisses heranzuziehen, greife zu kurz, befand der Historiker. Es gehe um "die Auflösung eines ganzen Blocks", bei der "sehr viel" zusammenkomme: "Diese deutsch-preußisch-russische, na ja, große Geschichte" verbinde sich da mit "dem tiefen Schuldkomplex" und "natürlich der großen Dankbarkeit, dass die deutsche Wiedervereinigung irgendwie über die Bühne gegangen ist".

Und dann mische sich auch noch "Russenkitsch" hinein, "so eine falsche Sentimentalität, die nicht mehr hinguckt: Was ist da eigentlich los?". Die Ukraine sei dagegen lange nur als "russischer Hinterhof" wahrgenommen worden.

Schlögel nannte es "einen Skandal, dass es eines Krieges bedurfte, um das Land auf unsere Landkarte zu bringen". Immerhin: Die Staatlichkeit der Ukraine sei nun "irreversibel", vermutete er – auch wenn Putin das überhaupt nicht verstehe.

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