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Nordkorea: So könnte es im Streit mit Kim Jong Un weitergehen

Koreanische Halbinsel  

So könnte es im Atomstreit mit Kim Jong Un weitergehen

05.01.2018, 17:39 Uhr | Dirk Godder, dpa, jasch

Nordkorea: So könnte es im Streit mit Kim Jong Un weitergehen. Junger Diktator: Kim Jong Un 2016 bei einer Militärübung in Nordkorea. (Quelle: dpa)

Junger Diktator: Kim Jong Un 2016 bei einer Militärübung in Nordkorea. (Quelle: dpa)

Erst feuert Nordkoreas Diktator Raketen, dann möchte er reden: Als Zeichen der Entspannung könnte Nordkorea bei Olympia in Südkorea teilnehmen. Doch was passiert danach?

Nach der gefährlichen Zuspitzung im Konflikt um das nordkoreanische Atomprogramm im vergangenen Jahr gibt es seit Anfang 2018 überraschende Entspannungssignale. Unter anderem wollen Nord- und Südkorea wieder direkt miteinander sprechen. Zwar soll es zunächst nur um eine Teilnahme Nordkoreas an den Olympischen Winterspielen im südkoreanischen Pyeongchang im Februar gehen. Doch Seoul hofft, die Grundlage für eine dauerhafte Entspannung schaffen zu können.

Was ist geplant?

Vertreter der Regierungen beider koreanischen Staaten wollen sich am nächsten Dienstag (9. Januar) im Grenzort Panmunjom zum ersten Mal seit Dezember 2015 wieder zu Gesprächen an einen Tisch setzen.

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hatte in seiner Neujahrsrede erklärt, eine Delegation zu den Olympischen Winterspielen entsenden zu wollen. Darum wird es diesmal auch in erster Linie gehen. Noch ist nicht klar, ob Nordkorea Athleten und Sportfunktionäre sowie eine Regierungsabordnung schicken will. Sollte es Sportler schicken wollen, müssten diese eine sogenannte Wildcard vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) erhalten. Denn Athleten aus dem weithin abgeschotteten Land sind für die Spiele nicht gemeldet.

Was treibt die Akteure?

Hinter der Absicht Süd- und Nordkoreas, wieder Gespräche zu führen, stecken vielfältige Motive. Südkoreanische Forschungsinstitute hatten schon Ende 2017 vorausgesagt, dass Nordkorea im neuen Jahr den Dialog suchen könnte, jetzt, da es die Entwicklung einer eigenen Atomstreitmacht als "abgeschlossen" sieht.

Der Schritt auf den Nachbarn Südkorea zu gilt als der nächstliegende, um die Möglichkeiten einer Entspannung auszuloten. Kim hat einen Großteil seiner Neujahrsrede auf wirtschaftliche Themen verwendet. Er will demnach 2018 versuchen, stärker noch als bisher die rückständige Wirtschaft des Landes anzukurbeln. Die internationalen Sanktionen haben zwar bisher nichts im Atomstreit bewirkt, doch behindern sie die wirtschaftliche Entwicklung.

Konservative Kommentatoren in Südkorea vermuten, dass Kim vor allem Taktik betreibt. Er wolle sich durch die Annäherung an Seoul ein wenig aus den Fesseln der Sanktionen befreien und auch einen Keil zwischen Südkorea und den USA treiben.

Donald Trump und Kim Jong Un: Die beiden Staatslenker beharken sich gerne öffentlich und vergleichen etwa ihre Atomarsenale miteinander. (Quelle: dpa/Ahn Young-Joon)Donald Trump und Kim Jong Un auf einem TV-Bildschirm: Die beiden Staatslenker beharken sich gerne öffentlich und vergleichen etwa ihre Atomarsenale miteinander. (Quelle: Ahn Young-Joon/dpa)

Andere Beobachter schlagen einen eher optimistischen Ton an. Die linksliberale südkoreanische Zeitung "Hankyoreh" sieht in den Gesprächen grundsätzlich ein gutes Zeichen. "Selbst wenn der innerkoreanische Dialog, der nur der Startpunkt ist, nicht direkt zu Diskussionen über eine Denuklearisierung führt, gibt es zumindest das Potenzial, die Tür für eine Dialog zwischen Nordkorea und den USA zu öffnen", schreibt das Blatt.

Die Motive Südkoreas liegen auf der Hand. Zunächst einmal will es erfolgreiche Winterspiele und Paralympische Spiele im März ausrichten. Präsident Moon Jae In will aber mehr. Er äußerte die Hoffnung, die Grundlage für regelmäßige Gespräche schaffen und in Verhandlungen auch auf Nordkorea einwirken zu können, sein Atomprogramm aufzugeben.

Wie stehen die Chancen?

Die Aussichten sind unklar. Kim Jong Un machte Südkorea gegenüber ein Friedensangebot, doch gegenüber den USA blieb es bei den Drohgebärden. Vom Atomprogramm will er nicht abrücken. Das Programm gilt als Überlebensgarantie der Führung in Pjöngjang. Experten in den USA rechnen damit, dass Nordkorea in diesem Jahr weitere Raketentests unternehmen wird, um die Zuverlässigkeit von Flugkörpern, die das ganze US-Festland erreichen sollen, zu verbessern.

Die USA stimmten jetzt zu, geplante Militärmanöver mit Südkorea bis nach den Olympischen Spielen zu verschieben. Doch Verteidigungsminister James Mattis bekräftigte, der Druck auf Pjöngjang werde trotz der "Konfliktentschärfung" aufrechterhalten. Die Menschen in der Region befürchten, dass sich die Spannungen nach den Spielen wieder verschärfen. Südkoreas Regierung betonte, eine atomwaffenfreie Halbinsel bleibe das Ziel.

Wie sehen die Nachbarn die Entwicklung?

China sieht in Gesprächen grundsätzlich den besten Ausweg aus der Krise. Peking begrüßt daher die Annäherung zwischen Süd- und Nordkorea. China selbst sieht sich großem Druck aus den USA ausgesetzt. Immer wieder fordert Washington die komplette Sperrung der Öllieferungen an Nordkorea, die bisher vor allem aus China kommen. China will vor allem Ruhe an seinen Grenzen. Ein Regierungssprecher in Tokio machte am Freitag deutlich, dass Japan weiter mit den USA und Südkorea versuchen werde, den Druck auf Nordkorea zu erhöhen. Das Vorgehen werde auch mit China und Russland abgestimmt.

Wie sieht das IOC die Entwicklung?

Das IOC begrüßte die Gesprächsabsichten Nord- und Südkoreas uneingeschränkt. Das IOC wolle die Gespräche mit dem Nationalen Olympischen Komitee Nordkoreas fortsetzen, um eine Teilnahme nordkoreanischer Athleten zu ermöglichen, hieß es in Lausanne.

Quelle:
- Nachrichtenagentur dpa

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