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Fall Skripal: Britische Polizei weitet Ermittlungen aus

Vergifteter russischer Ex-Spion  

Fall Skripal: Britische Polizei weitet Ermittlungen aus

09.03.2018, 13:06 Uhr | dpa

Fall Skripal: Britische Polizei weitet Ermittlungen aus. Polizei am Tatort im südenglischen Salisbury: Inzwischen sind insgesamt 22 Personen mit Vergiftungserscheinungen behandelt worden. (Quelle: Reuters/Peter Nicholls)

Polizei am Tatort im südenglischen Salisbury: Inzwischen sind insgesamt 22 Personen mit Vergiftungserscheinungen behandelt worden. (Quelle: Peter Nicholls/Reuters)

Das Giftattentat auf den russischen Ex-Spion Sergei Skripal in Großbritannien zieht immer größere Kreise. Mysteriöse Todesfälle mit Russland-Bezug könnten neu aufgerollt werden.

Die britische Polizei hat die Ermittlungen im Fall der Nervengiftattacke auf den früheren russischen Doppelagenten Sergei Skripal und seine Tochter ausgeweitet. Medienberichten zufolge nahmen Ermittler am Freitag das Haus Skripals im südenglischen Salisbury in den Fokus. Medien spekulierten, das könne ein Hinweis darauf sein, dass Skripal bereits in seinem Haus in Kontakt mit dem Nervengift gekommen sein könnte. Noch ist unklar wie und wann dem Ex-Spion und seiner Tochter das Gift verabreicht wurde.

Bislang hatten sich die Ermittlungen auf mehrere Lokale und einen Park im Stadtzentrum konzentriert. Wie Scotland Yard mitteilte, wurden Spezialeinheiten des Militärs angefordert, um mehrere Fahrzeuge und andere Gegenstände von dort zu entfernen. Das Militär habe die Expertise und Ausrüstung, um mit Unvorhersehbarkeiten umzugehen, hieß es in der Mitteilung.

Lawrow spricht von "unbegründeten Anschuldigungen"

Russlands Außenminister Sergei Lawrow wies unterdessen Spekulationen, Moskau habe eine Rolle in dem Fall, als "Propaganda" zurück. Es gebe bislang keine Beweise oder Fakten, sagte Lawrow. Die Spekulationen zielten darauf ab, "Spannungen zu erhöhen". Wenn es ein ernsthaftes Interesse an einer Zusammenarbeit bei den Ermittlungen gebe, sei Russland bereit dazu. Allerdings solle man nicht mit "unbegründeten Anschuldigungen" zu den Medien rennen, sagte der Außenminister.

Sergei Skripal und seine Tochter Yulia waren am Wochenende auf einer Parkbank nahe eines Einkaufszentrums in Salisbury mit Vergiftungserscheinungen aufgefunden worden. Sie kämpfen seitdem in einem Krankenhaus um ihr Leben. 19 weitere Menschen wurden nach dem Attentat medizinisch behandelt.

14 mysteriöse Todesfälle

Ein Polizeibeamter, der Skripal und seiner Tochter zu Hilfe geeilt war und zeitweise ebenfalls im Koma lag, ist den Behörden zufolge inzwischen ansprechbar. Er befinde sich aber immer noch in einem ernsten, wenn auch stabilen Zustand. Der Gesundheitszustand Skripals und seiner Tochter sei weiterhin "sehr ernst" sagte die britische Innenministerin Amber Rudd während eines Besuchs in Salisbury am Freitag.

Der frühere Scotland-Yard-Chef Ian Blair forderte derweil, einen neuen Blick auf weitere mysteriöse Todesfälle mit Russland-Bezug aus der Vergangenheit zu werfen. Den Antrag hatte bereits die Labour-Abgeordnete und Vorsitzende des Innenausschusses, Yvette Cooper, im Parlament gestellt. Das Onlinenachrichtenmagazin "Buzzfeed" hatte im vergangenen Jahr unter Berufung auf Geheimdienstquellen über 14 mysteriöse Todesfälle in Großbritannien mit Russland-Bezug berichtet.

Skripal war 2010 freigelassen worden

"Ich bin klar der Meinung, dass dieser außergewöhnliche Fall ein guter Anlass ist zu sagen: Lasst uns noch mal einen genauen Blick darauf haben und schauen, ob es ein Muster gibt, wenn Leute beim Joggen tot umfallen und in ihrem Haus in Surrey tot gefunden werden und so weiter", sagte Blair dem Radiosender BBC 4 am Freitag.

Skripal, ein früherer Oberst des russischen Militärgeheimdienstes GRU, war in Russland als britischer Spion verurteilt und bei einem Austausch 2010 freigelassen worden. Der Fall erinnert an den Giftmord am Kremlkritiker Alexander Litwinenko im Jahr 2006 und hat inzwischen einen diplomatischen Schlagabtausch zwischen Moskau und London ausgelöst. Die britische Regierung hatte mit einer "angemessenen und robusten" Reaktion gedroht, sollte sich herausstellen, dass Moskau hinter dem Attentat steckt.

Verwendete Quellen:
  • dpa

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