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Die Geheimnisse der dubiosen Trump-Berater

Versteckte Aufnahmen  

Die Geheimnisse der dubiosen Trump-Berater

20.03.2018, 22:32 Uhr | Liesa Wölm, t-online.de

Manipulationsvorwürfe: Neuer Skandal bringt Facebook in Erklärungsnot
Neuer Skandal bringt Facebook in Erklärungsnot

Wieder einmal soll das soziale Netzwerk genutzt worden sein, um Menschen in ihrer Entscheidung zu beeinflussen. (Quelle: t-online.de)

Manipulationsvorwürfe: Ein neuer Skandal bringt Facebook und Cambridge Analytica in Erklärungsnot. (Quelle: t-online.de)


Die Datenanalysefirma Cambridge Analytica gerät immer mehr unter Druck – und bringt auch US-Präsident Donald Trump in Verlegenheit. Wurden Gesetze gebrochen?

Immer mehr Enthüllungen rund um die Datenanalysefirma Cambridge Analytica: Nach den Berichten über 50 Millionen missbräuchlich zu Wahlkampfzwecken entwendeten Facebook-Nutzerdaten, Schmierenkampagnen und Erpressungsmethoden sorgt erneut ein Undercover-Bericht des britischen Senders Channel4 für Furore.

Trump-Kampagne komplett orchestriert?

Ein Reporter des Senders gab sich als potenzieller Kunde aus – und ließ die Chefs des Unternehmens vor versteckter Kamera ihre Referenzen ausbreiten. Der brisanteste angebliche Leistungsnachweis: Das Unternehmen will die gesamte Wahlkampagne des US-Präsidenten Donald Trump orchestriert haben. Er habe Trump mehrmals getroffen, sagte der Geschäftsführer Alexander Nix. "Wir haben die gesamte digitale Kampagne geleitet." Absprachen mit externen Organisationen könnten unter Umständen nach US-Wahlrecht illegal sein. Offiziell bestreitet das Unternehmen Fehlverhalten, suspendierte aber noch am Abend den Geschäftsführer.

In den heimlich gefilmten Unterredungen spricht unter anderem Geschäftsführer Nix über das Ausmaß der Arbeit für Trumps Wahlkampf: Wie Cambridge Analytica Untersuchungen des Kongresses bei ausländischen Klienten vermeide. Wie es Proxy-Organisationen einrichte, um nicht zurückverfolgbare Nachrichten an soziale Medien zu übermitteln. Wie es ein geheimes E-Mail-System verwende, in dem Nachrichten sich selber zerstören, ohne Spuren zu hinterlassen. Und wie Cambridge Analytica Schmierenkampagnen gegen die demokratische Kandidatin Hillary Clinton entwickelte.

Geschäftsführer wird deutlich

In den Gesprächen mit dem Undercover-Reporter prahlen die Unternehmenschefs damit, ihre Arbeit habe US-Präsident Trump ermöglicht, den Wahlsieg zu erringen. Während der US-Wahl kamen immer wieder Vorwürfe zu Fake News und Schmierenkampagnen in sozialen Medien auf. Zudem wird weiterhin vermutet, dass Russland versuchte, das Wahlergebnis zu beeinflussen.

Zur Trump-Kampagne sagt Nix in den Channel4-Aufnahmen: "Wir haben alle Recherchen durchgeführt, alle Daten, alle Analysen, das gesamte Targeting, die gesamte digitale Kampagne, die Fernsehkampagne und unsere Daten, die die gesamte Strategie beeinflusst haben." Zuvor hatte er bereits angedeutet, das Unternehmen biete auch an, Konkurrenten mit Prostituierten oder Bestechungsgeldern zu diskreditieren

Alexander Nix: Reporter filmten ihn undercover – und er versprach politische Konkurrenten mit ukrainischen Prostituierten und Bestechungsgeldern zu diskreditieren. (Quelle: dpa/Dominic Lipinski)Alexander Nix: Reporter filmten ihn undercover – und er versprach, politische Konkurrenten mit ukrainischen Prostituierten und Bestechungsgeldern zu diskreditieren. (Quelle: Dominic Lipinski/dpa)

Einer der Gesprächspartner erklärte bei den Treffen, das Unternehmen nutze Proxy-Organisationen, um gezielt negative Informationen über Gegenkandidaten im Netz und besonders auf Social Media zu verbreiten. Dafür könnten bereits vorhandene Proxy-Organisationen verwendet werden, die mit Informationen versorgt werden, um sie im Netz zu verbreiten. So könnten Informationen ohne bestimmte Marke publiziert, nicht zugeordnet oder zurückverfolgt werden.

Sich selbst zerstörende E-Mails

Nix enthüllte in einem der Gespräche mit Channel4 auch, dass sein Unternehmen ein geheimes, sich selbst zerstörendes E-Mail-System verwende, das keine Spuren hinterlasse: "Niemand weiß, dass wir es haben, und zweitens versehen wir unsere (...) E-Mails mit einem Selbstzerstörungstimer (...) Sie schicken sie also und nachdem sie gelesen wurden, verschwinden sie zwei Stunden später. Es gibt keine Beweise, es gibt keine Papierspur, da ist nichts."

Aus der Politik in den USA habe das Unternehmen nichts zu befürchten – weil das Vorgehen dort nicht verstanden werde. "Sie sind Politiker, sie sind nicht technisch. Sie verstehen nicht, wie es funktioniert." Auch, weil der Kandidat, für den die Firma arbeite, nie direkt involviert sei. "Er bekommt vom Kampagnenteam gesagt, was zu tun ist“, sagt Nix auf den Aufnahmen. "Also ist der Kandidat eine Puppe?", fragt der Undercover-Reporter. "Immer", antwortet Nix. 

Offiziell bestreitet Cambridge Analytica entschieden, die Facebook-Daten für Donald Trumps Kampagne verwendet zu haben – oder die Wahl für Trump gewonnen zu haben. Ein Sprecher zu Channel4: "CA hat nie behauptet, dass es die Wahl für Präsident Trump gewonnen hat. Das ist offensichtlich absurd. Wir sind stolz auf die Arbeit, die wir in dieser Kampagne geleistet haben, und haben in vielen öffentlichen Foren darüber gesprochen, was wir als unseren Beitrag zur Kampagne betrachten." An möglichen Versuchen aus Russland, die Wahl zu beeinflussen, sei das Unternehmen nicht beteiligt.

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