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EU fordert Aufklärung des Vorfalls in iranischer Atomanlage

Mutmaßlicher Angriff  

EU fordert Aufklärung des Vorfalls in iranischer Atomanlage

12.04.2021, 16:26 Uhr | dpa

EU fordert Aufklärung des Vorfalls in iranischer Atomanlage. Iranische Atomanlage in Natans: Ein mutmaßlicher Angriff hat das iranische Nuklearprogramm offenbar weit zurückgeworfen. (Quelle: Reuters)

Iranische Atomanlage in Natans: Ein mutmaßlicher Angriff hat das iranische Nuklearprogramm offenbar weit zurückgeworfen. (Quelle: Reuters)

War es ein "Terrorakt", wie der Iran behauptet? Nach einem mutmaßlichen Angriff auf eine Atomanlage im Iran fordert die EU Aufklärung. Der Vorfall  könnte die Gespräche über das Nuklearabkommen gefährden.

Die EU hat sich besorgt über den mutmaßlichen Angriff auf die Atomanlage Natans im Zentraliran gezeigt. Jeder Versuch, die derzeitigen Bemühungen um eine Wiederbelebung des internationalen Atomabkommens mit dem Iran zu stören, sei in vollem Umfang zurückzuweisen, sagte ein Sprecher des EU-Außenbeauftragten Josep Borrell am Montag in Brüssel. Es müsse nun gründlich geklärt werden, was passiert sei und wer dahinter stecke.

In der iranischen Atomanlage Natans war es nach Angaben der iranischen Atomorganisation AEOI in der Nacht zum Sonntag zu einem Zwischenfall gekommen. Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif sprach danach von einem Terrorakt und machte Israel dafür verantwortlich. Nach iranischer Auffassung wollte das Land damit die laufenden Verhandlungen über eine Rettung des internationalen Atomabkommens mit dem Iran sabotieren.

Atomprogramm offenbar schwer getroffen

Der mutmaßliche Angriff dürfte nach Informationen der "New York Times" die Urananreicherung dort um Monate zurückwerfen. Das berichtete das Blatt am Montag unter Berufung auf zwei ranghohe US-Geheimdienstmitarbeiter, die die Attacke als israelische Geheimdienstoperation einstuften. Demnach soll der Angriff eine heftige Explosion ausgelöst und das gesamte Stromnetz einer Untergrundanlage zerstört haben, in der Zentrifugen für die Urananreicherung hergestellt werden. Es werde mindestens neun Monate dauern, die Schäden zu beheben, hieß es. Vonseiten Teherans wurden die Folgen der Attacke indes deutlich weniger dramatisch dargestellt.

Nach Einschätzung der "New York Times" hat der Angriff die Verhandlungsposition des Irans bei den Atomgesprächen in Wien erheblich geschwächt, die das internationale Atomabkommen aus dem Jahr 2015 retten sollen. Der Grund: Der Iran soll neue Zentrifugen zur Urananreicherung als Druckmittel eingesetzt haben.

Iran dementiert schwere Schäden

Das iranische Außenministerium gab hingegen an, bei dem Angriff sei nur die Produktionslinie der älteren Zentrifugen beschädigt worden. "Die Schäden beziehen sich auf die IR-1 Zentrifuge, aber wir stellen in der Zwischenzeit bereits die IR-9 Generation her", sagte Außenamtssprecher Said Chatibsadeh am Montag. Der israelische Angriff werde die Arbeit in Natans nicht beeinträchtigen, zitierte ihn die Nachrichtenagentur Isna.

Bei den Gesprächen geht es um die Zukunft des historischen Abkommens, das den Iran am Bau von Kernwaffen hindern, ihm zugleich aber die zivile Nutzung der Kernkraft ermöglichen soll. Israel lehnt den Deal seit jeher vehement ab, weil es das Abkommen für nicht weitreichend genug hält und sich durch das iranische Atom- und Raketenprogramm in seiner Existenz bedroht sieht.

Die 2015 in Aussicht gestellte wirtschaftliche Zusammenarbeit mit dem Iran kam aufgrund des Kurswechsels unter dem späteren US-Präsidenten Donald Trump nie zustande. Dieser war 2018 einseitig aus dem Abkommen ausgestiegen. Als Reaktion auf neue Sanktionen begann der Iran später, vereinbarte Obergrenzen für die Produktion von Uran zu überschreiten.

Die fünf verbliebenen Partner des Deals - Russland, China, Deutschland, Frankreich und Großbritannien - haben in den vergangenen zwei Jahren versucht, das Abkommen am Leben zu erhalten. Um eine Wiedereinbindung der USA in das Abkommen zu ermöglichen, müsste der Iran sein Nuklearprogramm im Gegenzug für die Aufhebung der von Trump wieder eingeführten Sanktionen wohl wieder zurückfahren.

Hardliner fordern Abbruch der Gespräche

Politische Hardliner im Iran forderten Präsident Hassan Ruhani nach dem Zwischenfall in Natans auf, die für diese Woche geplanten diplomatischen Verhandlungen zur Rettung des Atomabkommens abzubrechen. Auch Außenminister Mohammed Dschawad Sarif schloss sich dieser Forderung in seiner Funktion als Atomchefunterhändler im iranischen Parlament an, das von den Hardlinern dominiert wird. Sarif bezeichnete den Angriff auf die Atomanlage Natans im Zentrum des Landes als israelischen Terrorakt.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ging am Montag nicht direkt auf den Zwischenfall in Natans und die Vorwürfe Teherans ein. Allerdings bezeichnete er den Iran als Unterstützer weltweiten Terrors und größte Bedrohung in der Nahost-Region. "Ich werde es dem Iran nie erlauben, Atomwaffen zu erlangen, um sein Ziel des Völkermords und der Auslöschung Israels zu erreichen", sagte Netanjahu. Ein namentlich nicht genannter US-Repräsentant sagte der israelischen Nachrichtenseite "Walla" zudem, die USA als wichtiger Bündnispartner Israels seien an dem Vorfall in Natans nicht beteiligt gewesen.

Im Zusammenhang mit dem Angriff wurde einem iranischen Medienbericht zufolge ein Verdächtiger identifiziert. Dieser solle als Drahtzieher das Stromnetz in der Anlage manipuliert haben, zitierte die Nachrichtenagentur Isna am Montag eine Quelle im Geheimdienst. Der Mann solle demnächst ausfindig gemacht und festgenommen werden.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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