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Trumps Verbindung zu QAnon


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Trumps Geheimarmee

Von dpa
02.10.2022Lesedauer: 4 Min.
USA-TRUMP/
(Quelle: Chery Dieu-Nalio/Reuters)
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Ermittlungen, Razzien, Prozesse: Für Donald Trump läuft es derzeit nicht besonders. Deshalb flirtet er verstärkt ganz offen mit seinen extremsten Anhängern.

Schon seit Jahren bemüht sich Donald Trump, Anhänger der Verschwörungstheorie QAnon zumindest nicht zu verärgern. Doch wenige Wochen vor den wichtigen Parlamentswahlen Anfang November flirtet der Ex-Präsident mit QAnon offensiver als zuvor.

So teilte Trump jüngst mit den mehr als vier Millionen Followern in seinem hauseigenen Twitter-Ersatz Truth Social ein bearbeitetes Foto, das ein anderer Nutzer gepostet hatte. Es zeigt Trump mit einem Q-Symbol am Jackett. Auf dem Bild steht außerdem: "WWG1WGA" – die Abkürzung des QAnon-Mottos "Wo einer von uns hingeht, werden wir gemeinsam hingehen". Ähnlich offensichtlich war die Botschaft in einem auf Trumps Account geteilten Video mit einem riesigen "Q" über Trumps Gesicht. Der Text: "Informationskriegsführung. Es ist Zeit aufzuwachen."

"Der Sturm kommt": Dieses Bild mit QAnon-Bezügen teilte Trump auf seinem sozialen Netzwerk.
"Der Sturm kommt": Dieses Bild mit QAnon-Bezügen teilte Trump auf seinem sozialen Netzwerk. (Quelle: Screenshot: Twitter)

Anhänger der rechtsextremen QAnon-Theorie wittern hinter allem, was auf der Welt passiert, eine Clique, die die Fäden in der Hand hält. Dazu sollen etwa die Regierungsbeamten im sogenannten Deep State gehören, die angeblich Trump in seiner Amtszeit entgegenwirkten. Auch sind QAnon-Anhänger der Auffassung, dass Trump systematischen Kindesmissbrauch durch satanistische Politikerinnen und Politiker der US-Demokraten sowie Hollywood-Promis aufzudecken versucht.

Antisemitisch und kultartig

Die Verschwörungstheorie ist antisemitisch und hat kultartige Züge. Sie entstand vor rund fünf Jahren im Netz. Vorläufer war das "Pizzagate", das einen Mann dazu veranlasste, bewaffnet in eine Pizzeria in Washington zu stürmen, um dort angeblich von Demokraten festgehaltene Kinder zu befreien. Auch in Deutschland fand die QAnon-Ideologie vor allem im Zuge der Corona-Pandemie Verbreitung.

Verschwörungstheorien sind Trump nicht fremd. Die von ihm am häufigsten wiederholte Lüge ist, dass er – und nicht sein demokratischer Herausforderer Joe Biden – die Präsidentenwahl 2020 gewonnen habe und der Sieg ihm durch Betrug genommen worden sei. Viele seiner Anhänger glauben fest daran. Keine Scheu hat der 76-Jährige auch vor der "ReAwaken America Tour" – einer Art Konferenz von Verschwörungstheoretikern, die durch die USA zieht. Trumps Sohn Eric spricht dort regelmäßig.


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Soll das was Schlechtes sein?


Donald Trump über Q_Anon


Früher habe das Team um Trump QAnon zumindest etwas auf Abstand gehalten, sagt die Wissenschaftlerin und Autorin Mia Bloom im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur in Washington. Sie ist Professorin an der Georgia State University und forscht unter anderem zu QAnon.

Besonders einprägsam war eine Szene aus dem Wahlkampf im Herbst 2020. Damals fragte eine Journalistin Trump nach QAnon. Der antwortete vor laufenden Kameras: "Ich weiß nicht viel über die Bewegung, außer dass sie mich sehr mögen – was ich zu schätzen weiß." Davon, dass die QAnon-Anhänger glaubten, er würde die Welt vor einem satanischen Kult von Pädophilen retten, habe er nichts gehört. "Aber soll das was Schlechtes sein?"

Es habe immer eine Art "glaubhafte Abstreitbarkeit" gegeben – also Trump habe irgendwie behaupten können, nichts mit QAnon am Hut zu haben –, ob überzeugend oder nicht, sagt Bloom. Das habe sich mittlerweile geändert.

Glauben an geheime Botschaft

Und seine QAnon-Fans treten aus dem Schatten. So sorgte ein Vorfall bei einer Trump-Rede im US-Bundesstaat Ohio für Schlagzeilen. Die Veranstalter spielten ein Lied, das einige Menschen in der Menge dazu inspirierte, mit erhobenen Zeigefingern zu reagieren – möglicherweise als Symbol für die "1" im QAnon-Motto. Wieso das Lied überhaupt mit der Bewegung in Zusammenhang gebracht wurde, ist etwas verworren. Anhängerinnen und Anhänger von QAnon interpretierten die Verwendung des instrumentalen Songs aber als eine an sie gerichtete Botschaft, wie die "Washington Post" schrieb.

QAnon-Anhänger auf einer Wahlkampfveranstaltung der Republikaner.
QAnon-Anhänger auf einer Wahlkampfveranstaltung der Republikaner. (Quelle: Matt Rourke/dpa)

Berichten zufolge soll Trumps Team von dem seltsamen Zeigefinger-Gruß überrascht gewesen sein. Das hielt es aber nicht davon ab, das Lied weiterhin zu nutzen. Bei der jüngsten Trump-Rede in der Nacht zum Sonntag waren zumindest in der TV-Übertragung keine QAnon-Symbole in der Menge erkennbar.

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Wie eine Sekte

Doch warum flirtet Trump gerade jetzt so offen mit QAnon? "Ich glaube, dass er sich im Moment ein bisschen isoliert fühlt", sagt Bloom mit Blick auf die FBI-Durchsuchung seines Anwesens Mar-a-Lago im US-Bundesstaat Florida und die diversen juristischen Probleme, mit denen er aktuell zu kämpfen habe. QAnon-Verfechter seien "die treuesten Anhänger, fanatisch, fast wie eine Sekte". Von ihnen bekomme er Liebe und Unterstützung – und Spendengelder.

Wie gefährlich ist das alles? Die Bundespolizei FBI hat QAnon bereits seit Jahren auf dem Schirm. Anhänger könnten in der realen Welt gewalttätig werden, warnte das FBI im vergangenen Jahr in einem Bericht, der mehreren US-Medien vorlag. Auch unter dem Mob, der am 6. Januar 2021 das US-Kapitol während der formellen Bestätigung von Bidens Wahlsieg stürmte, waren QAnon-Anhänger.

Forscherin Bloom glaubt zwar nicht, dass alle Anhängerinnen und Anhänger der Bewegung gewaltbereit sind. Besonders gefährlich sei es aber, wenn gewaltbereite QAnon-Anhänger etwa eine militärische Ausbildung hätten oder die Anhängerschaft Militär und Behörden unterwandere. "Ich denke, Trump glaubt, dass QAnon wie eine Geheimarmee ist", sagt sie. Diese könne sicher nicht gegen das US-Militär gewinnen, aber dennoch eine Menge Schaden anrichten. Für den 76-Jährigen sei QAnon eine Karte, die er in der Hinterhand habe. "Es ist wie ein Kult", sagt sie. "Sie glauben alles, was er sagt."

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Verwendete Quellen
  • Von Julia Naue und Andrej Sokolow, Nachrichtenagentur dpa
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  • Bastian Brauns
Von Bastian Brauns, Washington
DeutschlandDonald TrumpKindesmissbrauchQanonTwitterWashington

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