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USA | Harvard-Präsidentin äußert sich nach Antisemitismus-Eklat


Harvard-Präsidentin äußert sich nach Antisemitismus-Eklat

Von dpa, mam

Aktualisiert am 06.12.2023Lesedauer: 3 Min.
imago images 0372174992Vergrößern des BildesClaudine Gay, Präsidentin der Harvard-Universität in den USA: Sie wollte den "Aufruf zum Völkermord an Juden" vom "Kontext" abhängig bewerten. (Quelle: IMAGO/Michael Brochstein / SOPA Images/imago)
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Die Präsidentin der Eliteuniversität Harvard hat mit einer Aussage vor dem US-Kongress Entsetzen ausgelöst. Nun äußert sie sich erneut.

In den sozialen Medien erregt ein Videoausschnitt aus den USA Aufsehen: Darin ist zu sehen, dass sich die Präsidentin der Elite-Universität Harvard, Claudine Gay, offensichtlich nicht entschieden gegen Antisemitismus stellen will. Danach gefragt, ob der "Aufruf zum Völkermord an den Juden" an den Universitäten gegen Richtlinien zu Mobbing und Belästigung verstoße, antwortete Gay: "Das kann sein, abhängig vom Kontext." Auf die Aufforderung, mit "Ja" oder "Nein" zu antworten, sagte sie erneut, das hänge vom Kontext ab.

Der Vorfall ereignete sich am Dienstag im US-Kongress. Die Präsidentinnen dreier Elite-Universitäten in den USA mussten sich bei einer Anhörung gegen Vorwürfe verteidigen, nicht genug gegen Antisemitismus auf dem Campus getan zu haben. Der von den Republikanern geführte Bildungsausschuss hatte die Präsidentinnen von Harvard, der University of Pennsylvania und dem Massachusetts-Institut für Technologie (MIT) vorgeladen.

Alle drei räumten antisemitische und islamophobe Vorfälle an ihren Universitäten seit dem Angriff der islamistischen Hamas auf Israel am 7. Oktober ein. Doch nicht nur Gay lehnte ein entschiedenes "Ja" oder "Nein" auf die Frage des Kongresses ab. Auch die anderen Präsidentinnen äußerten sich ähnlich und betonten, es komme etwa darauf an, ob es sich gegen eine Einzelperson richte.

Gay: "Aufrufe zu Gewalt haben keinen Platz in Harvard"

Nach Kritik sowohl aus dem Weißen Haus als auch in den sozialen Medien, postete Harvard am Mittwochabend schließlich ein Statement Gays auf X, ehemals Twitter, indem sie sich deutlicher positionierte. "Lassen Sie es mich klar sagen: Aufrufe zu Gewalt oder Völkermord gegen die jüdische Gemeinschaft oder jede andere religiöse oder ethnische Gruppe sind abscheulich, sie haben keinen Platz in Harvard, und diejenigen, die unsere jüdischen Studenten bedrohen, werden zur Rechenschaft gezogen", wird Gay darin zitiert.

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Einige hätten das Recht auf freie Meinungsäußerung mit der Vorstellung verwechselt, dass Harvard Gewaltaufrufe gegen jüdische Studenten dulde, so Gay.

Weißes Haus kritisierte Gay indirekt

Zuvor hatte das Weiße Haus die Äußerungen der Universitätsleiterinnen am Mittwoch indirekt verurteilt. "Wir wurden gerade Zeugen des schlimmsten Massakers, das das jüdische Volk seit dem Holocaust erlitten hat, den jüngsten Gräueltaten in einem herzzerreißenden, genozidalen Muster, das Jahrtausende zurückreicht", sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Andrew Bates, in einer Erklärung. "Es ist unglaublich, dass das gesagt werden muss: Aufrufe zum Völkermord sind ungeheuerlich und stehen im Widerspruch zu allem, was wir als Land vertreten", zitierte ihn die "Times of Israel".

"Alle Äußerungen, die die systematische Ermordung von Juden befürworten, sind gefährlich und abstoßend – und wir sollten uns alle entschieden dagegen stellen, auf der Seite der Menschenwürde und der grundlegendsten Werte, die uns als Amerikaner verbinden", fügte Bates demnach hinzu. Er vermied jedoch eine direkte Erwähnung der Hochschulleitungen.

"Gefährlich und abstoßend"

Gay sagte an anderer Stelle in der Anhörung außerdem: "Diese Art von hasserfüllten, rücksichtslosen und beleidigenden Äußerungen sind mir persönlich zuwider." Man sei aber der freien Meinungsäußerung verpflichtet. Das gelte auch bei Ansichten, "die anstößig, beleidigend und hasserfüllt" seien.

Entscheidend sei, wann derartige Äußerungen in ein "Verhalten" übergingen, das gegen die Richtlinien verstoße. Man habe deutlich gemacht, dass jegliches Verhalten, das die Lehr- und Forschungsanstrengungen störe, nicht toleriert werde. Republikanerin Elise Stefanik, eine Harvard-Absolventin, hatte bereits vor der Anhörung den Rücktritt Gays gefordert.

Zuletzt hatte sich der Streit über den Konflikt in Nahost auch an Universitäten und Schulen entladen. US-Medien berichteten über Vorfälle körperlicher Gewalt oder deren Androhung. Auf Schulgeländen tauchten antisemitische und rassistische Graffitis auf. Auf online kursierenden Videos war zu sehen, wie junge Menschen Poster mit Fotos der Hamas-Geiseln herunterreißen. Das US-Bildungsministerium hatte wegen antisemitischer und islamophober Vorfälle an US-Bildungseinrichtungen Ermittlungen eingeleitet, darunter gegen Harvard, und die Elite-Universitäten Columbia und Cornell.

Verwendete Quellen
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