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Donald Trump: FBI vermutet chinesischen Spionagering um sein Feriendomizil

Chinesin hatte High-Tech dabei  

FBI vermutet Spionagering um Trumps Luxus-Feriendomizil

Von Jonas Mueller-Töwe

10.04.2019, 15:49 Uhr
 (Quelle: t-online.de)
Chinesin versuchte in Trumps Mar-a-Lago einzubrechen

Bei dem Versuch sich Zutritt zu Donald Trumps Wochenenddomizil Mar-a-Lago zu verschaffen wurde eine Frau aus China festgenommen. (Quelle: t-online.de)

Florida: Bei dem Versuch sich Zutritt zu Donald Trumps Wochenenddomizil Mar-a-Lago zu verschaffen, wurde eine Frau aus China vor rund einer Woche festgenommen. (Quelle: t-online.de)


Dass eine Chinesin in der Residenz des US-Präsidenten verhaftet wurde, erregte Aufsehen. Nun kommt heraus: Sie hatte brisante Technologie dabei – die den Secret Service auf dem falschen Fuß erwischte. 

Samuel Ivanovich steht derzeit nicht gerade gut da in der Öffentlichkeit. Der Agent des US-amerikanischen Secret Service war kürzlich mit einem Fall betraut, der Sicherheitsexperten aufhorchen ließ: Eine mysteriöse Chinesin drang vor einigen Tagen in die Luxus-Residenz des US-Präsidenten in Mar-a-Lago ein und überwand eine Sicherheitskontrolle. Die ohnehin heikle Angelegenheit brachte die Behörde, die für die Sicherheit Donald Trumps zuständig ist, in offenbar größere Schwierigkeiten als bislang bekannt. Denn Ivanovich und sein Kollege stellten sich bei der Beweissicherung im Anschluss offenbar nicht unbedingt geschickt an.

Wie leichtfertig war der Secret Service?

Sein Kollege, so räumte Ivanovich nun bei seiner Aussage vor Gericht ein, habe den USB-Stick, den die Agenten bei der Verdächtigen fanden, in den Anschluss seines Computers gesteckt. Daraufhin habe der USB-Stick ein Eigenleben entwickelt und unmittelbar begonnen, Dateien zu installieren. Das sei "sehr außergewöhnlich". Sein Kollege habe daraufhin die Datenanalyse sofort abbrechen müssen – um weiteren Schaden vom Computer abzuwenden.

Yujing Zhang (l.) vor Gericht: Bei der Chinesin wurden Schadsoftware und ein Gerät zur Entdeckung versteckter Kameras gefunden. (Quelle: AP/dpa/Daniel Pontet)Yujing Zhang (l.) vor Gericht: Bei der Chinesin wurden Schadsoftware und ein Gerät zur Entdeckung versteckter Kameras gefunden. (Quelle: Daniel Pontet/AP/dpa)

Die Aussage lässt unter Experten für Computer-Sicherheit allerdings Zweifel entstehen, ob der Secret Service leichtfertig mit der sichergestellten Technik umgegangen ist. Denn üblicherweise werden verdächtige USB-Sticks auf dafür vorgesehenen, isolierten Computersystemen untersucht – mit Hilfe von Analyse-Software wird dann beobachtet, wie sich die mögliche Schadsoftware ausbreitet. In einem solchen Szenario gäbe es keinerlei Grund, die Analyse abzubrechen. Hat der Secret Service also unwissentlich Spionagesoftware in sein Computersystem gespeist?

Ermittler entdeckten einen Signaldetektor

Genährt werden die Befürchtungen von den Gegenständen, die die Ermittler bei der verdächtigen Chinesin beschlagnahmten: Zwei Ausweise, vier Mobiltelefone, ein Laptop, eine externe Festplatte und den ominösen USB-Stick führte sie bereits mit sich, doch die eigentliche Überraschung hielt ihr Hotelzimmer bereit. Die Durchsuchung dort förderte einen sogenannten Signaldetektor zu Tage – ein Gerät zur Entdeckung versteckter Kameras – sowie zahlreiche weitere Datenträger und mehrere Tausend Dollar Bargeld. 

Die US-Küstenwache vor dem Domizil: Schon mehrfach wurden Bedenken laut, die Nutzung des Resorts für Regierungsgeschäfte sei aus Sicherheitsgründen problematisch. (Quelle: imago images/Tim Stepien)Die US-Küstenwache vor dem Domizil: Schon mehrfach wurden Bedenken laut, die Nutzung des Resorts für Regierungsgeschäfte sei aus Sicherheitsgründen problematisch. (Quelle: Tim Stepien/imago images)

Die Frau namens Zhang Yujing war in Trumps Feriendomizil im US-Bundesstaat Florida festgenommen worden. Den Gerichtsdokumenten zufolge gab sie zunächst an, sie sei Mitglied des Privatclubs und wolle zum Pool – obwohl sie gar keinen Badeanzug dabei hatte. Da sich auf der Liste der Clubmitglieder eine Person mit dem selben Nachnamen fand, wurde sie zur Rezeption vorgelassen.

Wozu reiste Zhang nach Mar-a-Lago?

Dort sagte sie, sie nehme an einem chinesisch-amerikanischen Freundschaftstreffen teil. Da eine solche Veranstaltung aber nicht geplant war, alarmierte der Mitarbeiter am Empfang den Sicherheitsdienst. Dem Secret Service sagte die Frau bei ihrem Verhör schließlich, ein Freund namens Charles habe sie gebeten, nach Mar-a-Lago zu reisen, um mit einem Mitglied der Präsidentenfamilie über die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen China und den USA zu sprechen.

Laut der Zeitung "Miami Herald" könnte durchaus etwas Wahres an dieser letzten Behauptung dran sein. Eine chinesisch-amerikanische Geschäftsfrau namens Li Cindy Yang, über deren Aktivitäten die Zeitung seit Längerem ausführlich berichtet, habe kürzlich Werbung für ein solches Treffen in dem Resort gemacht. Yang ist in Mar-a-Lago Clubmitglied – und soll der Zeitung Kontakte zufolge damit geworben haben, gegen Geld Kontakte zur Präsidentenfamilie zu vermitteln.

US-Präsident Trump und Chinas Präsident Xi Jinping in Mar-a-Lago 2017: Operiert der chinesische Geheimdienst im Umfeld des Beach Clubs? (Quelle: Reuters/Carlos Barria)US-Präsident Trump und Chinas Präsident Xi Jinping in Mar-a-Lago 2017: Operiert der chinesische Geheimdienst im Umfeld des Beach Clubs? (Quelle: Carlos Barria/Reuters)

Die Festnahme der Chinesin in Mar-a-Lago befeuert auch eine schon länger andauernde Ermittlung des FBI, wie der "Miami Herald" unter Berufung auf mit den Untersuchungen vertrauten Quellen berichtet: Demnach nimmt die Bundesbehörde mögliche Operationen des chinesischen Geheimdienstes in den Blick, die auf Präsident Trump und seinen privaten Beach Club in Florida zielen sollen. Dort empfing er beispielsweise auch schon den chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping.


Im Rahmen der FBI-Operation ist dem "Miami Herald" zufolge auch die chinesisch-amerikanische Geschäftsfrau Yang von Interesse. Die nun in Mar-a-Lago festgenommene Chinesin sei den Behörden hingegen bislang nicht bekannt gewesen – bislang wird ihr vor Gericht keine Spionage vorgeworfen, lediglich Falschaussage und das widerrechtliche Betreten eines Sicherheitsbereichs. Die Geschäftsfrau Yang bestreitet Verbindungen zur chinesischen Regierung sowie zur Festgenommen – und dass sie Kontakte zu Trump gegen Geld anbot.

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