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US-Experte: Ebola-Mittel verkürzt Krankheitsverlauf

Klinische Studie mit Covid-Patienten  

US-Experte: Ebola-Mittel verkürzt Krankheitsverlauf

30.04.2020, 04:09 Uhr | dpa, AFP, aj

US-Experte: Ebola-Mittel verkürzt Krankheitsverlauf. Deborah Birx, Anthony Fauci: US-Experten sind nach einer Studie zum Wirkstoff Remdesivir hoffnungsvoll. (Quelle: AP/dpa/Evan Vucci)

Deborah Birx, Anthony Fauci: US-Experten sind nach einer Studie zum Wirkstoff Remdesivir hoffnungsvoll. (Quelle: Evan Vucci/AP/dpa)

US-Präsident Trumps Berater, Anthony Fauci, spricht von einem "signifikanten, positiven Effekt" des Mittels Remdesivir bei Corona-Patienten. Zugelassen ist das Mittel bisher aber noch nirgendwo.

Erste Ergebnisse einer klinischen Studie zum Wirkstoff Remdesivir bei der Behandlung von Covid-19-Patienten sind einem ranghohen US-Experten zufolge sehr positiv zu bewerten. Die Resultate müssten noch unabhängig geprüft und veröffentlicht werden, die Hinweise auf eine deutlich kürzere Krankheitsdauer seien aber vielversprechend, sagte am Mittwoch der Immunologe Anthony Fauci, ein Berater von US-Präsident Donald Trump.

Remdesivir habe eine "signifikante positive Wirkung bei der Verringerung der Zeit bis zur Genesung" gezeigt, sagte Fauci, der Chef des Nationalen Instituts für Infektionskrankheiten (NIAID) der USA ist. An der klinischen Studie nahmen 1. 063 Covid-19-Patienten in den USA, in Europa und Asien teil. Sie erhielten entweder das vom US-Pharmakonzern Gilead hergestellte Mittel Remdesivir, das ursprünglich gegen Ebola entwickelt wurde, oder ein Placebo.

Wirkstoff lässt Covid-Patienten schneller genesen

Laut den vorläufigen Studienergebnissen benötigten mit Remdesivir behandelte Patienten im Mittelwert elf Tage bis zur Genesung. Patienten, die ein Placebo erhielten, benötigten dagegen 15 Tage. Das zeige, dass das Medikament das neuartige Coronavirus "blockieren" könne, sagte Fauci.

Der Epidemiologe Peter Horby von der Oxford-Universität in Großbritannien erklärte, zunächst müssten die vollständigen Ergebnisse abgewartet werden. Sollten sich die ersten Zahlen aber bestätigen, wäre dies "ein fantastisches Ergebnis und eine großartige Neuigkeit für den Kampf gegen Covid-19".

Weniger eindeutig ist die Studie in der Frage, ob das Mittel auch die Sterblichkeit von Patienten senken kann. Bei Patienten, die Remdesivir erhielten, lag die Sterblichkeit bei acht Prozent. In der Kontrollgruppe betrug die Sterblichkeit 11,6 Prozent. Der Unterschied ist zu gering, um ihn eindeutig dem Medikament zuzuschreiben.

Eine Ampulle des Medikamentes Remdesivir: Erfolgsversprechende Ergebnisse im Kampf gegen Covid-19. (Quelle: Ulrich Perrey/dpa-POOL/dpa)Eine Ampulle des Medikamentes Remdesivir: Erfolgsversprechende Ergebnisse im Kampf gegen Covid-19. (Quelle: Ulrich Perrey/dpa-POOL/dpa)

Remdesivir dringt in Viren ein und verhindert damit ihre Vermehrung. Der Pharmakonzern Gilead testet den Wirkstoff gegen Krankheiten wie Ebola, Marburg, Mers and Sars. Offiziell als Medikament zugelassen ist Remdesivir bislang aber nicht. Sein Einsatz gegen die Lungenerkrankung Covid-19 könnte nun aber über klinische Studien hinaus ausgeweitet werden.

Studie aus China kommt zu anderen Ergebnissen

Allerdings veröffentlichte das Fachmagazin "The Lancet" am Mittwoch eine Studie aus China, wonach Remdesivir bei der Behandlung von Covid-19 nicht wirksam ist. Es gebe keinen "statistisch signifikanten klinischen Nutzen". Weder beschleunige das Mittel im Vergleich zu einem Placebo den Heilungsprozess, noch senke es die Sterblichkeitsrate von Patienten. Die Studienautoren verwiesen allerdings auf die geringere Zahl von nur 237 Versuchsteilnehmern.

Die "Financial Times" hatte bereits vergangene Woche über die China-Studie berichtet. Die Zeitung berief sich auf eine Zusammenfassung der Studie, die offenbar aus Versehen kurzzeitig auf der Website der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu sehen war.

Gilead hatte diese Darstellung der Studienergebnisse zurückgewiesen. Die Studie sei wegen geringer Beteiligung vorzeitig beendet worden und daher statistisch nicht signifikant. US-Virologe Fauci sagte am Mittwoch ebenfalls, die Studie aus China sei "nicht adäquat".  

Trump: Wünschen uns sehr schnelle Genehmigungen

Trump sagte am Mittwochabend (Ortszeit) auf die Frage, ob er sich von der Behörde einen beschleunigten Zulassungsprozess für das Mittel wünsche, er wolle, dass man so schnell wie möglich vorangehe. "Wir wünschen uns sehr schnelle Genehmigungen."

Das ursprünglich gegen das Ebolavirus entwickelte Medikament ist bislang weltweit noch nirgendwo zugelassen. Das Biotech-Unternehmen Gilead erklärte in einer Pressemitteilung, man sei sich der "positiven Daten" aus der klinischen Studie bewusst, die Kommunikation liege aber beim NIAID. Die Nachrichten zu Remdesivir beflügelten am Mittwoch die Börsen. Die Lebensmittel- und Arzneimittelbehörde (FDA) sei derzeit in Gesprächen mit dem Arzneimittelhersteller Gilead, um Remdesivir rasch für Patienten in Krankenhäusern verfügbar zu machen, sagte Fauci.

Weltweit sind schon mehr als 225.000 Menschen an den Folgen des Coronavirus gestorben. Im Kampf gegen die Pandemie werden mehrere Medikamente getestet, unter anderem die Malaria-Mittel Hydroxychloroquin und Chloroquin. Außerdem wird mit Hochdruck an Impfstoffen gearbeitet.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagenturen afp und dpa

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