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Proteste nach Tod von George Floyd: Trump beschließt zaghafte Polizeireform

Nach landesweiten Protesten  

Trump beschließt zaghafte Polizeireform – Kritik von Demokraten

16.06.2020, 22:24 Uhr | dpa

Proteste nach Tod von George Floyd: Trump beschließt zaghafte Polizeireform. Lässt sich für seine Polizeireform feiern: US-Präsident Donald Trump mit Gesetzteshütern im Garten des Weißen Hauses. (Quelle: AP/dpa/Evan Vucci)

Lässt sich für seine Polizeireform feiern: US-Präsident Donald Trump mit Gesetzteshütern im Garten des Weißen Hauses. (Quelle: Evan Vucci/AP/dpa)

Seine Reaktion auf die Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt in den USA sorgte für massive Kritik. Nun hat Donald Trump Reformen bei der Polizei verfügt. Seinen politischen Kontrahenten gehen diese jedoch nicht weit genug.

Nach wochenlangen Protesten infolge des Todes des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz hat US-Präsident Donald Trump begrenzte Polizeireformen beschlossen. Trump unterzeichnete am Dienstag im Weißen Haus eine Verfügung, die Polizeibehörden Mittel des Justizministeriums in Aussicht stellt. Die Behörden müssten sich dafür zur Einhaltung bestimmter Standards beim Einsatz von Gewalt verpflichten, sagte der Präsident. Unter anderem dürften Würgegriffe bei Verdächtigen nach diesen Standards nur bei Lebensgefahr für den betroffenen Polizisten zur Anwendung kommen.

Die Demokraten im Kongress kritisierten die Maßnahmen des Republikaners Trump umgehend. Die Vorsitzende des Repräsentantenhauses, die Demokratin Nancy Pelosi, teilte mit, die "schwache" Verfügung bleibe weit hinter dem zurück, was notwendig ist, "um die Epidemie der Rassenungerechtigkeit und Polizeibrutalität zu bekämpfen". Der Minderheitsführer der Demokraten im Senat, Chuck Schumer, bemängelte zudem, die "bescheidene" Verfügung mache die jahrelange "aufhetzende Rhetorik" Trumps nicht wett.

Entwurf der Demokraten ging erheblich weiter

Die Demokraten im Abgeordnetenhaus haben einen wesentlich weitergehenden Gesetzesentwurf vorgelegt, der unter anderem die Strafverfolgung von Polizisten bei Gewaltanwendung erleichtern soll. Das Weiße Haus hatte mitgeteilt, dass ein solcher Schritt nicht in Frage komme. Der Republikaner Trump sagte zu, für weiterreichende Reformen mit dem Kongress zusammenzuarbeiten.

Trump sagte, mit seiner Verfügung solle der gemeinsame Einsatz von Sozialarbeitern mit Polizisten gefördert werden. Polizeibehörden sollten außerdem Informationen über Beamte, die durch übermäßige Gewaltanwendung aufgefallen seien, untereinander austauschen. Damit solle verhindert werden, dass belastete Polizisten von einer Behörde zur nächsten wechselten. Man untersuche außerdem, ob Polizisten mit "weniger tödlichen Waffen" ausgestattet werden könnten.

Trump: "Ohne Polizei gibt es Chaos"

Trump wandte sich eindringlich gegen Forderungen, Polizeibehörden die Mittel zu kürzen. Amerikaner glaubten daran, dass "die tapferen Männer und Frauen" bei der Polizei Unterstützung verdienten. "Ohne Polizei gibt es Chaos, ohne Gesetz gibt es Anarchie, ohne Sicherheit gibt es eine Katastrophe", sagte er. "Wir werden Reformen haben, ohne unsere großartigen und extrem talentierten Polizeibeamten zu untergraben." Es gebe zwar auch "schlechte Polizeibeamte", bei ihnen handele es sich aber um eine kleine Minderheit.

Der Präsident versprach den Familien von Opfern von Polizeigewalt Gerechtigkeit. "Ihre Lieben werden nicht umsonst gestorben sein", sagte Trump bei seinem Auftritt im Rosengarten des Weißen Hauses nach einem Treffen mit Angehörigen. Er betonte, die Rechenschaftspflicht der Polizei müsse verbessert werden. Es müsse mehr Transparenz geben. In die Polizeiausbildung müsse mehr investiert werden.

Tod von George Floyd löste landesweite Proteste aus

Die USA werden seit Wochen von Protesten gegen Rassismus und Polizeigewalt erschüttert. Auslöser war der Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis (Minnesota) am 25. Mai. Ein weißer Polizeibeamter hatte ihm fast neun Minuten lang sein Knie auf den Hals gedrückt, obwohl Floyd ihn darum bat, ihn atmen zu lassen.

Angeheizt wurden die Proteste durch einen erneuten tödlichen Einsatz von zwei weißen Polizisten gegen einen Schwarzen in Atlanta (Georgia) am Freitagabend. Beim Tod von Rayshard Brooks bei einer Polizeikontrolle gab es erhebliche Zweifel an der Verhältnismäßigkeit der eingesetzten Gewalt. Die Obduktion ergab, dass der 27-Jährige an Organschäden und Blutverlust durch zwei Schussverletzungen im Rücken starb, wie CNN unter Berufung auf die Gerichtsmedizin berichtete.

Kritik an Trumps Reaktion auf Proteste

Trump hat den Tod von George Floyd mehrfach verurteilt und das Recht auf friedliche Demonstrationen betont. Ihm wird jedoch vorgeworfen, sich nicht klar gegen Rassismus zu positionieren und zu wenig Verständnis für den Zorn über Diskriminierung und Ungerechtigkeit zu zeigen. Die Proteste kommentierte er vor allem unter dem Aspekt der Sicherheit.

"Es wird keine Plünderungen oder Brandstiftungen mehr geben", sagte Trump am Dienstag. "Gewalt und Zerstörung werden nicht toleriert werden." Er fügte hinzu: "Amerikaner wollen Recht und Ordnung, sie fordern Recht und Ordnung." Manche Amerikaner "wissen gar nicht, dass es das ist, was sie wollen".

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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