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Milliardenkonzern Unilever boykottiert Facebook und Twitter

Von dpa
Aktualisiert am 26.06.2020Lesedauer: 2 Min.
Zunehmend unter Druck: Weitere Großkonzerne ziehen sich aus Facebook zurĂŒck.
Zunehmend unter Druck: Weitere Großkonzerne ziehen sich aus Facebook zurĂŒck. (Quelle: Imagebroker/imago-images-bilder)
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Die Plattformen Twitter und Facebook verlieren mit Unilever einen weiteren Großkonzern, der keine Werbung mehr schalten will. Auch Honda schließt sich an. Beide Unternehmen wĂ€hlen deutliche Worte.

Facebook gerĂ€t wegen seines umstrittenen Umgangs mit rassistischen, hetzerischen und manipulativen Inhalten immer stĂ€rker unter Druck. Der KonsumgĂŒterriese Unilever und der Autobauer Honda gaben am Freitag bekannt, in den USA vorerst keine Werbeanzeigen mehr bei dem Online-Netzwerk und seiner Tochter Instagram zu schalten. Damit erhĂ€lt eine in der Vorwoche gestartete Boykottaktion gegen die Plattform bedeutenden Zulauf.

Honda teilte mit, im Juli keine Anzeigen mehr bei Facebook und Instagram zu platzieren, um ein Zeichen gegen "Hass und Rassismus" zu setzen. Unilever will sogar das ganze restliche Jahr auf bezahlte Werbung verzichten – nicht nur bei Facebook, sondern auch bei Twitter. Der Kurznachrichtendienst, auf dem US-PrĂ€sident Donald Trump mit Vorliebe seine hĂ€ufig umstrittenen Botschaften veröffentlicht, steht ebenfalls schon lĂ€nger in der Kritik.

Facebook in der Defensive

Unilever begrĂŒndete die Entscheidung mit der Verantwortung der Unternehmen im Umgang mit kontroversen BeitrĂ€gen im Netz – speziell angesichts der angespannten politischen AtmosphĂ€re in den USA. Facebook und Twitter mĂŒssten mehr tun, besonders bei Hasskommentaren und spalterischen BeitrĂ€gen wĂ€hrend des US-Wahlkampfes. Sein US-Werbebudget will der niederlĂ€ndisch-britische Konzern indes nicht kĂŒrzen, sondern nur auf andere Unternehmen umverteilen.

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Facebook betonte in einer Stellungnahme, jĂ€hrlich Milliarden Dollar in die Sicherheit seiner Community zu investieren. Der Konzern arbeite kontinuierlich mit externen Experten zusammen, um seine Richtlinien zu ĂŒberprĂŒfen und zu aktualisieren. Dank dieses Engagements wĂŒrden fast 90 Prozent der Hasskommentare gefunden, bevor Nutzer auf sie aufmerksam machten. "Wir wissen, dass wir mehr zu tun haben", erklĂ€rte ein Unternehmenssprecher. Facebook werde deshalb noch weitere Instrumente, Technologien und Richtlinien entwickeln.

Aufrufe von BĂŒrgerrechtlern

Facebook-Chef Mark Zuckerberg kĂŒndigte zudem in einem Livestream an, dass sein Unternehmen stĂ€rker gegen Hassnachrichten vorgehen und Falschmeldungen vor den US-PrĂ€sidentschaftswahlen im November löschen werde. Außerdem wĂŒrden die Standards fĂŒr Werbung erhöht, um auch dort abwertende und hasserfĂŒllte Botschaften bezĂŒglich ethnischer Zugehörigkeit, Religion oder sexueller Vorlieben zu blockieren. "Ich stehe gegen Hass und alles, was zu Gewalt anstachelt", so Zuckerberg.

US-BĂŒrgerrechtsorganisationen hatten Firmen in der vergangenen Woche zu dem Boykott gegen Facebook aufgerufen. So soll der Konzern an einer empfindlichen Stelle getroffen werden – Facebook macht fast seinen ganzen Umsatz mit Werbeerlösen. Die US-Protestwelle gegen Rassismus und Polizeigewalt hat die Kritik an Facebook, zu nachlĂ€ssig mit kontroversen BeitrĂ€gen umzugehen, wieder stark aufflammen lassen. Dazu trug auch Konzernchef Mark Zuckerberg wesentlich bei, der sich weigerte, gegen umstrittene Aussagen von US-PrĂ€sident Donald Trump einzuschreiten. DafĂŒr gab es sogar Kritik von eigenen Mitarbeitern.

Zuvor hatten sich bereits etliche andere Unternehmen, darunter der US-Mobilfunk-Gigant Verizon und die bekannten Outdoor-Marken The North Face und Patagonia der Initiative #StopHateForProfit angeschlossen. Unilever – dessen Eiscreme-Marke Ben & Jerry's ebenfalls schon mit dabei war – geht nun aber noch einen Schritt weiter – denn eigentlich ging es bei der Aktion zunĂ€chst nur um einen Werbe-Boykott im Juli. An der Börse gerieten Facebook und Twitter nach der Mitteilung des KonsumgĂŒterkonzerns stark unter Druck.

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