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Neuer US-Botschafter Douglas Macgregor: Donald Trumps Deutschland-Piesacker

Designierter US-Botschafter für Berlin  

Trumps neuer Deutschland-Piesacker

28.07.2020, 16:06 Uhr
Neuer US-Botschafter Douglas Macgregor: Donald Trumps Deutschland-Piesacker. Douglas Macgregor soll neuer US-Botschafter in Berlin werden: In der Vergangenheit fiel der Ex-Oberst nicht gerade mit lobenden Worten bezüglich Deutschlands auf.  (Quelle: BMG-2048/Wikimedia Commons/CC-BY-SA-4.0)

Douglas Macgregor soll neuer US-Botschafter in Berlin werden: In der Vergangenheit fiel der Ex-Oberst nicht gerade mit lobenden Worten bezüglich Deutschlands auf. (Quelle: BMG-2048/Wikimedia Commons/CC-BY-SA-4.0)

Donald Trump hat im Fernsehen einen neuen Berlin-Botschafter gefunden. Der frühere Armee-Oberst ist daheim umstritten – und liegt beim Thema Deutschland ganz auf Trumps harter Linie.

Wenn es um Deutschland ging, gab sich der angehende Spitzendiplomat zuletzt eher weniger diplomatisch: "Deutschland hat tatsächlich keine Streitkräfte mehr. Die Streitkräfte in Deutschland sind hoffnungslos demoralisiert", urteilte Douglas Macgregor vor zwei Jahren über die Bundeswehr. 2019 nannte er die Nato in einem Aufsatz einen "Zombie", dem er den finalen Tod in Aussicht stellte.

So spricht der Mann, der Amerikas oberster Vertreter in Deutschland werden soll.

Donald Trump nominierte den früheren Armee-Oberst Douglas Macgregor am Montag für den Botschafterposten in Berlin, der seit dem Abgang Richard Grenells vakant ist. Grenell machte sich mit seinen schroffen Ansagen zu Verteidigungspolitik, Handel und dem Umgang mit dem Iran in Berlin höchst unbeliebt – die Erleichterung war groß, als Grenell im Frühjahr zurück nach Washington ging. Doch unter einem Botschafter Macgregor könnte es für Deutschland ähnlich ungemütlich werden.

Eine typische Trump-Personalie

Macgregor gibt sich in seinen öffentlichen Auftritten als jemand, der Trumps außenpolitische Impulse befeuern und umsetzen will: den Rückzug der Truppen aus der Welt sowie die Bekehrung angeblich undankbarer Verbündeter wie Deutschland.
 


Das Verhältnis zwischen Washington und Berlin ist auf einem Tiefpunkt. Der US-Präsident attackiert die Bundesregierung bekanntlich ausdauernd für die aus seiner Sicht zu niedrigen Verteidigungsausgaben und die Handels- und Energiepolitik. Als Bestrafung ist unter anderem ein Abzug von knapp zehntausend US-Soldaten aus Deutschland angedacht, dessen Details in dieser Woche bekannt gegeben werden sollen. Macgregor, ein Experte für Militärstrategie, dürfte ihn dabei aggressiv unterstützen. 

Die Personalie ist typisch für die Rekrutierungsmethoden Donald Trumps. Trump sucht Leute, die ihn bestärken und die er aus dem Fernsehen kennt.

Er forschte zu DDR und Sowjetunion

Macgregor ist dem Präsidenten wohl in erster Linie als häufiger Gast seines Lieblingssenders Fox News bekannt – durch solche meinungslastigen Auftritte hatte schon Vorgänger Grenell die Aufmerksamkeit Trumps erlangt. So ist Macgregor seit 2017 mehr als dreißig Mal in der Meinungsshow des Moderators Tucker Carlson aufgetreten, die Trump regelmäßig schaut.

In Washington fiel sein Name zuletzt immer wieder, wenn es einen Posten im Trumps Sicherheitsteam zu füllen galt. Macgregor wurde zum Ende seiner Militärkarriere als Querdenker gelobt und geächtet. Er attackierte herrschende Armeestrategien in der Öffentlichkeit, für einen Offizier höchst ungewöhnlich. Seine Karriere endete im Jahr 2004, ohne den gewünschten Aufstieg zum General. In den vergangenen Jahren ist er vor allem als konservativer Meinungsmacher aufgefallen.

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Verbindungen zu Deutschland hat Macgregor – anders als Grenell – durchaus. Mehrfach war er in den Achtzigerjahren in Deutschland stationiert und forschte damals auch zu Militärbeziehungen von DDR und Sowjetunion. Laut einem langjährigen Wegbegleiter spricht er gar fließend Deutsch. Im Golfkrieg kämpfte er und wurde mit dem "Bronze Star" ausgezeichnet, im Kosovokrieg beriet er das Nato-Oberkommando.

"Globalisten, Nihilisten, Marxisten"

In seinen Auftritten bei Fox News lobte er Trump wiederholt für dessen isolationistischen Impulse – und zeigte sich auch sonst ganz auf Linie des Präsidenten. Er verbreitete eine Verschwörungstheorie über einen Flüchtlingstreck, den Trump ins Zentrum des Halbzeitwahlkampfes 2018 gestellt hatte: nämlich dass die Karawane, die sich auf die US-Südgrenze zubewege, von US-Milliardär George Soros finanziert sei. Bei einem Auftritt in einer konservativen Denkfabrik erklärte er 2019, warum er Trump unterstütze und wetterte dabei gegen "Globalisten", "Nihilisten" und "Marxisten", die Amerika bedrohten.

Ob er sich als Botschafter auch derart äußern und wann er das Amt überhaupt antreten würde, ist unklar. Denn dafür müsste ihn der US-Senat erst einmal bestätigen. Trumps Republikaner haben dort zwar die knappe Mehrheit – doch Macgregors harsche Äußerungen über Außen- und Innenpolitik der USA könnten auch manchem Parteifreund aufstoßen.

Außerdem steht der Zeitplan in den Sternen. Bis zur Präsidentschaftswahl im November sind es keine hundert Tage mehr und die Kammer hat in der aktuellen Corona-Krise gerade Dringlicheres zu tun.

Bei der Wahl schließlich gilt Trumps Herausforderer Joe Biden momentan als Favorit. Der Demokrat, der sich zur Partnerschaft mit Europa bekennt, würde nach einem Wahlsieg wohl rasch einen eigenen Botschafter nach Berlin schicken – einen, der die Nato nicht als Zombie und Deutschland nicht als undankbar bezeichnet.

Verwendete Quellen:

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