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Machte Trump sich mit Miss Moskau erpressbar?


Miss Moskau, Donald Trump – und die Frage der Erpressbarkeit

  • Jonas Mueller-Töwe
Von Jonas Mueller-Töwe

Aktualisiert am 30.08.2020Lesedauer: 4 Min.
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Donald Trump und die ehemalige Miss Moskau Maria Kalinina: Beide hatten sich in den Neunzigerjahren in Russland kennengelernt.
Donald Trump und die ehemalige Miss Moskau Maria Kalinina: Beide hatten sich in den Neunzigerjahren in Russland kennengelernt. (Quelle: imago-images-bilder)
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Russland-Reisen von Donald Trump, bevor er Präsident wurde, sorgen immer wieder für Spekulationen. Nun geht es um ein Model, das einst sogar bei Thomas Gottschalk auf der Couch saß.

Im Moskau der Neunziger Jahre geht es wild zu. Geschäftsleute wittern das große Geld, das Partyleben ist legendär. Gleichzeitig bestimmen jedoch Gewalt und Kriminalität die Schlagzeilen und weite Teile der Wirtschaft. Wer nach dem Fall des Sowjetkommunismus im großen Stil Geschäfte machen will in Moskau, in ganz Russland, der braucht ein sogenanntes "Dach", im Russischen: "Krysha". Gemeint sind Banden, die die eigenen Interessen wenn nötig mit Waffengewalt durchsetzen.

Die "Dächer" setzen sich aus Überbleibseln des Militärs, der Geheimdienste und der Mafien zusammen. Die Diebe mit weißen Kragen an den Schaltstellen der Macht und die tätowierten Diebe auf der Straße sind in gegenseitiger Abhängigkeit verbunden. Erpressung, Schutzgeld und Auftragsmorde sind an der Tagesordnung. Nicht selten werden die Unternehmer selbst zum Opfer ihrer angeblichen Beschützer.

Die Reisen des Geschäftsmannes Trump

In diesen Jahren reist ein Geschäftsmann aus New York nach Moskau, um nach attraktiven Immobilien-Deals Ausschau zu halten. Er hat dorthin bereits in den Achtziger Jahren Kontakte geknüpft und glaubt ans große Geschäft mit der Marktwirtschaft, die für Russland neu ist.

Sein Name: Donald Trump.

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Ein US-Journalist behauptet sogar, dass er sich in dieser Zeit mit der russischen Mafia eingelassen hat, um seine immensen Schulden zu begleichen. Strafrechtlich bewiesen ist das nicht. Es gibt aber Hinweise darauf, dass Trump 1996 ins schillernde Leben der Moskauer Neureichen eintauchte, wo sich zwielichtige Geschäftsleute, Kriminelle und Geheimdienste rege vermischten.

Strip-Club, Gerüchte und Kameras

Ein neu veröffentlichter Bericht des für Geheimdienste zuständigen US-Senatsausschusses befeuert nun weitere Spekulationen über Trumps damalige Reisen nach Moskau, über seine Kontakte dort und über seine möglichen Affären. Zwar heißt es ausdrücklich, der Ausschuss habe nicht festgestellt, dass der russische Geheimdienst Informationen über Trump habe, die ihn erpressbar machten - sogenanntes "Kompromat". Gelegenheiten, solches Material zu sammeln, listet der Bericht aber einige auf.

Für Besonderes Interesse sorgen – beispielsweise neben einem möglichen Besuch im Strip-Club – Gerüchte über eine angebliche kurzfristige Liaison des heutigen US-Präsidenten, die frühere Geschäftspartner dem Ausschuss zutrugen. Demnach hatten die Männer damals den Eindruck, der verheiratete Trump bändele mit der damaligen "Miss Moskau" an. Ihr Name ist im Bericht geschwärzt.

Schauspielerin und Model

Mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit handelt es sich bei der Frau um Maria Kalinina, ein Model, das mit 16 Jahren "Miss Moskau 1988" und in Deutschland durch einen "Wetten, dass...?"-Besuch im selben Jahr bekannt wurde. In den USA hatte sie später eher verhaltenen Erfolg als Schauspielerin. Unter anderem spielte sie im Horror-Film "Stay Alive" die blutrünstige Gräfin Bathory.

"Miss Moskau 1988" bei "Wetten, dass...?": Der Frau wird ein intimer Kontakt zum späteren US-Präsidenten Donald Trump nachgesagt. Ein Senatsbericht befeuert Spekulationen über mögliches Erpressungsmaterial.
"Miss Moskau 1988" bei "Wetten, dass...?": Der Frau wird ein intimer Kontakt zum späteren US-Präsidenten Donald Trump nachgesagt. Ein Senatsbericht befeuert Spekulationen über mögliches Erpressungsmaterial. (Quelle: imago-images-bilder)
Maria Kalinina in der Low-Budget-Produktion "Stay alive": Es war eine ihrer größeren Hollywood-Rollen.
Maria Kalinina in der Low-Budget-Produktion "Stay alive": Es war eine ihrer größeren Hollywood-Rollen. (Quelle: EntertainmentPictures/imago-images-bilder)

Ausfindig gemacht hat Kalinina der Investigativ-Journalist Michael Weiss, der für das US-Nachrichtenportal "The Daily Beast" arbeitet. Er ist den öffentlich zugänglichen Spuren gefolgt und auf Quellen gestoßen, die Kalinina identifizieren dürften. So gaben beispielsweise Kalinina und Trump zwei Jahre später, im Jahr 1998, der russischen Zeitung "Kommersant" ein gemeinsames Interview.

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Trump erzählt dabei von seiner Reise im Jahr 1996 nach Moskau, bei der ihm Kalinina Gesellschaft geleistet habe. Sie sei damals die "schönste Hostess in [Moskau] gewesen", die weder von Claudia Schiffer noch Tina Turner in den Schatten gestellt worden sei, wurde Trump zitiert. Beide hätten demnach im selben Hotel gewohnt. Im gleichen Bericht behauptet er, in Verhandlungen über einen "Trump Tower" in Moskau zu stehen.

Auch Kalinina selbst hat die Bekanntschaft mit Trump eingeräumt: In einem Bericht der "Komsomolskaya Pravda" vom Juni diesen Jahres schildert sie, Trump habe wohl Gefühle für sie gehabt, eine Affäre habe es aber nicht gegeben. "Ich sagte ihm sofort: 'Ich habe einen Freund.'" Dann seien sie Freunde geblieben.

Kalinina im Jahr 2008: Heute hat sie die Schauspielerei hinter sich gelassen und ist Yoga-Lehrerin.
Kalinina im Jahr 2008: Heute hat sie die Schauspielerei hinter sich gelassen und ist Yoga-Lehrerin. (Quelle: Chernykh/imago-images-bilder)

Es ist für sie nicht das erste Mal, dass ihr ein Techtelmechtel mit einem Präsidenten nachgesagt wird: Im Jahr 1991 musste sie sich gegen Gerüchte erwehren, sie verbinde eine besondere Beziehung mit Michael Gorbatschow. "Ich kann mir das nicht einmal vorstellen", sagte Kalinina damals der "L.A. Times". "Er ist so alt wie mein Vater." Sie habe ihn auch nie getroffen.

Doch nicht nur mit der angeblichen Affäre sorgt der Senatsbericht für neue Spekulationen über den heutigen US-Präsidenten. Zusätzlich gibt es offenbar Bedenken, welche Informationen dem russischen Geheimdienst bei einem späteren Moskau-Trip zugefallen sein könnten. Demnach wiederholten mehrere Zeugen gegenüber dem Ausschuss, dass sie von Video-Bändern gehört hätten, die Donald Trump während seines Aufenthalts 2013 mit Prostituierten im Moskauer Hotel Ritz-Carlton zeigen sollen.

Während die Senatoren keine Belege für die tatsächliche Existenz solcher Bänder finden konnten, schlussfolgert der Bericht zumindest, dass das Hotel vom russischen Geheimdienst überwacht werde. Demnach sei dem Luxushotel wahrscheinlich ein permanenter Offizier zugeteilt, der Zugriff auf das System der Überwachungskameras habe, mit dem auch Gästezimmer bespitzelt würden. Das Hotel stelle demnach ein hohes Sicherheitsrisiko dar, auch wegen der regelmäßig hohen Anzahl der dort anwesenden Prostituierten. Ob Trumps dortiger Aufenthalt ihn erpressbar gemacht hat, ist weiterhin unklar.

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Verwendete Quellen
  • eigene Recherchen
  • US-Senat: ""Report (...) on Russian active measures campaigns and interference in the 2016 U.S. election", Vol V (engl.)
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