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"Mr. VizeprÀsident, jetzt rede ich!"

  • Johannes Bebermeier
Von Fabian Reinbold, Johannes Bebermeier

Aktualisiert am 08.10.2020Lesedauer: 3 Min.
Kamala Harris im TV-Duell mit Mike Pence: Schlagabtausch um Amerikas große Streitthemen.
Kamala Harris im TV-Duell mit Mike Pence: Schlagabtausch um Amerikas große Streitthemen. (Quelle: Patrick Semansky/dpa-bilder)
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Weniger chaotisch als Trump gegen Biden, doch genauso kontrovers: Im TV-Duell der Vize-Kandidaten haben sich Kamala Harris und Mike Pence beharkt und wichen den großen Fragen aus.

Jetzt waren die Vizes dran: Die demokratische Senatorin Kamala Harris und VizeprÀsident Mike Pence haben sich ihr erstes und einziges TV-Duell geliefert. Weil Joe Biden schon 77 Jahre alt ist, Donald Trump 74 und es Zweifel an beider Gesundheit gibt, wurde die Debatte im Vorfeld auch als Ausblick auf den möglichen nÀchsten US-PrÀsidenten gesehen. Doch beide stellten sich ganz in den Dienst ihrer Chefs.


"Habt keine Angst" – wie Trump Corona weiter verharmlost

5. Oktober: "Gehen Sie raus, seien Sie vorsichtig", sagt Trump, nachdem er das Krankenhaus verlassen hat. Demonstrativ legt er vor dem Weißen Haus seine Schutzmaske ab. Der PrĂ€sident fordert die US-BĂŒrger auf, sich nicht vor dem Coronavirus zu fĂŒrchten. Die USA hĂ€tten "die besten Medikamente der Welt". Auch einen Impfstoff werde es bald geben.
5. Oktober: Trump gibt auf Twitter seine anstehende Entlassung aus dem Krankenhaus bekannt: "Ich fĂŒhle mich richtig gut! Habt keine Angst vor Covid. Lasst nicht zu, dass es euer Leben beherrscht. (...) Ich fĂŒhle mich besser als vor 20 Jahren!"
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Die wichtigsten Erkenntnisse zum 90-minĂŒtigen Duell in Salt Lake City:

Es geht auch weniger rabiat: Dieses Duell war keine wilde Rauferei wie das von Trump geprĂ€gte Duell der PrĂ€sidentschaftskandidaten vergangene Woche. Es ging sogar um Inhalte. Doch eine wahre Debatte war es auch nicht: Die beiden unterbrachen sich stĂ€ndig, warfen sich LĂŒgen vor, ĂŒberzogen ihre Redezeiten – und beantworteten viele der großen Fragen nicht. Moderatorin Susan Page mahnte eine "zivile und respektvolle Debatte" an, hatte aber erhebliche Probleme, die Regeln durchzusetzen.

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Der Corona-Faktor: Das Duell war auch optisch vom Corona-Ausbruch im Weißen Haus geprĂ€gt. Die Kandidaten waren statt acht nun zwölf Fuß auseinander, sie standen nicht, sie saßen an Tischen. Außerdem wurden – nach anfĂ€nglichem Widerstand des Pence-Lagers – Plexiglas-Scheiben zwischen ihnen aufgebaut. Eine eher symbolische Geste. Immerhin: Im spĂ€rlichen Publikum wurde die Maskenpflicht eingehalten – anders als es die Entourage Donald Trumps vor einer Woche getan hatte.

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Worum es ging: Um die Corona-Bilanz der Trump-Regierung, die SteuerplĂ€ne Joe Bidens, um Krankenversicherung und Klimawandel, Polizeireform und sogar auch um die Außenpolitik: Kamala Harris versprach, dass sich eine Biden-Regierung wieder daran erinnern wĂŒrde, wer die Freunde und wer die Gegner sind. Wird man in Europa gerne hören.

So schlug sich Kamala Harris: Es war ihr wichtigster Auftritt in diesem Wahlkampf – und sie war sichtlich nervös. Ihren stĂ€rksten Moment hatte die Ex-StaatsanwĂ€ltin als AnklĂ€gerin in der Corona-Krise. "Das amerikanische Volk ist Zeuge des grĂ¶ĂŸten Versagens einer Regierung in der Geschichte unseres Landes geworden", begann sie ihre allererste Antwort und sagte dann: "Diese Regierung hat das Recht auf eine Wiederwahl verwirkt." StĂ€rker wurde es nicht mehr. Die stĂ€ndigen Unterbrechungen durch Pence wehrte sie so ab: "Mr. VizeprĂ€sident, jetzt rede ich!". Es waren ihre einstudierten Antworten, die am besten ankamen. Es war ein ordentlicher, kein außerordentlicher Auftritt, der seinen Zweck erfĂŒllte.

So gab sich Mike Pence: Er gab den netten Trump. Inhaltlich war Pence vom PrĂ€sidenten nicht zu unterscheiden. Harris bezeichnete er als radikale Linke und Biden als "Cheerleader des kommunistischen Chinas". Wie sein Boss arbeitete er mit zahlreichen Unwahrheiten. Das fĂŒr ihn kritischste Thema versuchte Pence mit einem rhetorischen Kniff abzurĂ€umen. Statt darĂŒber zu reden, was seine Regierung in der Corona-Pandemie (falsch) gemacht hat, sprach er ĂŒber die BĂŒrger. Pence betonte wieder und wieder, das amerikanische Volk habe Respekt fĂŒr die Opfer in der Pandemie verdient. Die Botschaft: Jede Kritik an der Corona-Historie verbietet sich. Anderen Fragen wich er aus, wie der nach einer friedlichen AmtsĂŒbergabe oder mangelnder Transparenz bei Trumps Corona-Erkrankung.

Interessieren Sie sich fĂŒr die US-Wahl? Washington-Korrespondent Fabian Reinbold schreibt ĂŒber den Wahlkampf, seine Arbeit im Weißen Haus und seine EindrĂŒcke aus den USA unter Donald Trump einen Newsletter. die dann einmal pro Woche direkt in Ihrem Postfach landet.

Der heimliche Star: Eine Fliege stahl Pence und Harris die Show – und brachte Ablenkung von der zeitweise etwas zĂ€hen Debatte. Sie landete auf den Haaren des VizeprĂ€sidenten und verweilte dort minutenlang. Pence bemerkte sie offenbar nicht, bei den Zuschauern erlangte sie schnell Kultstatus.

Fazit: Die Demokratin und der Republikaner haben ihr Duell ohne grĂ¶ĂŸere UnfĂ€lle (von der Fliege abgesehen) ĂŒberstanden. FĂŒr unentschlossene WĂ€hler bot dieser Abend wenig Erhellendes. Er dĂŒrfte wenig Ă€ndern an der Dynamik im Rennen. Das ist gut fĂŒr Biden und Harris, die in den Umfragen klar vorn liegen, und schlecht fĂŒr Trump.

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