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Fall George Floyd I Reaktionen auf das Urteil: "Endlich können wir wieder atmen"

Reaktionen auf das Chauvin-Urteil  

"Gerechtigkeit für George bedeutet Freiheit für alle"

21.04.2021, 04:44 Uhr | aj, dpa, AFP

Fall George Floyd I Reaktionen auf das Urteil: "Endlich können wir wieder atmen". George Floyds Bruder Philonise Floyd wischt sich die Tränen aus den Augen: Nach dem Urteil herrschte in der Familie Erleichterung. (Quelle: AP/dpa/Julio Cortez)

George Floyds Bruder Philonise Floyd wischt sich die Tränen aus den Augen: Nach dem Urteil herrschte in der Familie Erleichterung. (Quelle: Julio Cortez/AP/dpa)

Der Schuldspruch gegen den früheren Polizisten Derek Chauvin hat für große Emotionen gesorgt. US-Präsident Biden zeigte sich "erleichtert". Nötig seien aber echter Wandel und Reformen, sagt nicht nur er. 

Nach dem Schuldspruch wegen der Tötung des Afroamerikaners George Floyd hat US-Präsident Joe Biden eindringlich zu einem weiteren Kampf gegen Rassismus und Polizeigewalt aufgerufen. Struktureller Rassismus sei "ein Schandfleck auf der Seele unserer Nation", sagte Biden am Dienstag im Weißen Haus. Mit Blick auf die Familie Floyds betonte der Präsident: "Nichts kann jemals ihren Bruder, ihren Vater zurückbringen. Aber dies kann ein riesiger Schritt vorwärts auf dem Marsch zur Gerechtigkeit in Amerika sein." Das reiche aber nicht aus. Nötig seien echter Wandel und echte Reformen, damit Vorfälle wie die Tötung Floyds nicht mehr geschähen.

Man dürfe nach dem Schuldspruch nicht wegschauen und denken, "unsere Arbeit ist getan", betonte Biden. Der Präsident erinnerte an Floyds letzte Worte "I can't breathe" ("ich kann nicht atmen") und sagte: "Wir können diese Worte nicht mit ihm sterben lassen." Der Demokrat forderte den Kongress zur Verabschiedung eines nach George Floyd benannten Gesetzes für Polizeireformen auf, das allerdings an den Republikanern im Senat scheitern könnte. Biden hat den Kampf gegen den Rassismus zu einem seiner zentralen Anliegen erklärt.

"Heute können wir wieder atmen"

Die Familie von Floyd zeigte sich erleichtert. "Gerechtigkeit für George bedeutet Freiheit für alle", sagte sein Bruder Philonise Floyd am Dienstag in Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota. "Heute können wir wieder atmen." George Floyds Worte kurz vor seinem Tod  – "I Can't Breathe" ("Ich kann nicht atmen") – sind zu einem Inbegriff von Polizeigewalt und Rassismus in den USA geworden.

Im Prozess wegen der Tötung Floyds in Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota hatten die Geschworenen den weißen Ex-Polizisten Derek Chauvin in allen Anklagepunkten für schuldig befunden – der schwerwiegendste davon lautete Mord zweiten Grades ohne Vorsatz. Das genaue Strafmaß soll in acht Wochen vom Richter festgelegt werden. Biden sagte über die Tat: "Es war Mord am helllichten Tage." Biden telefonierte am Dienstag auch mit Floyds Angehörigen. Hier lesen Sie mehr zu dem Prozess.

"Wendepunkt der Geschichte"

Der Anwalt der Familie bezeichnete den Schuldspruch als "Wendepunkt in der Geschichte". "Schuldig!", schrieb Ben Crump nach dem Urteil auf Twitter. "Endlich ist schmerzlich verdiente Gerechtigkeit für George Floyds Familie eingetroffen." Der Schuldspruch sende eine klare Botschaft, dass auch die Strafverfolgung zur Rechenschaft verpflichtet sei.

Crump schrieb weiter: "Gerechtigkeit für das schwarze Amerika ist Gerechtigkeit für ganz Amerika!" Mit dem Urteil sei es aber nicht getan - es müsse nun eine Polizeireform geben. Crump nutzte später eine Ansprache vor Journalisten, um an andere Opfer von Polizeigewalt zu erinnern und einen Appell an das Land zu richten: Das Urteil gegen Chauvin müsse für Amerika ein Präzedenzfall sein. Es müsse dazu führen, dass man den Idealen und Versprechen gerecht werde, wenn man sage, dass Freiheit und Gerechtigkeit für alle gelte.

Vizepräsidentin Harris: "Es ist ein Problem für jeden Amerikaner"

Vizepräsidentin Kamala Harris mahnte an, dass die institutionalisierte Diskriminierung nicht nur ein Problem des schwarzen Amerikas oder anderer Minderheiten sei. "Es ist ein Problem für jeden Amerikaner. Denn es hält uns davon ab, das Versprechen von Freiheit und Gerechtigkeit für alle zu erfüllen. Und es hält unsere Nation davon ab, unser volles Potenzial auszuschöpfen."

Der Schuldspruch gegen den weißen Ex-Polizisten Derek Chauvin lasse aufatmen, sagte Harris. Nach dem Urteil der Jury in Minneapolis müsse die Arbeit aber weitergehen. "Wir müssen immer noch das System reformieren", sagte Harris. Die Aufgabe der Vereinigten Staaten sei es nun, George Floyds Vermächtnis und ihn als Person zu ehren. Sie warb für einen Gesetzesentwurf für weitreichende Polizeireformen.

Auch Ex-Präsident Barack Obama begrüßte den Schuldspruch gegen Chauvin. "Heute hat eine Jury das Richtige getan", schrieb der erste schwarze Präsident der amerikanischen Geschichte im Kurzbotschaftendienst Twitter. "Aber wahre Gerechtigkeit verlangt nach viel mehr." Obama spielte damit vermutlich einerseits auf die Debatte über Reformen bei der Polizei an, der immer wieder gewaltsame Übergriffe gegen Minderheiten zur Last gelegt werden. 

Auch Promis und Sport-Stars melden sich zu Wort

US-Basketball-Star LeBron James twitterte am Dienstagabend nur ein Wort: "Rechenschaft".

Dutzende Promis aus der Film- und Musikszene meldeten sich in ihren sozialen Medien zu Wort. Schauspielerin Elizabeth Banks dankte den Juroren. "Schuldig! Wie es sein sollte!", schrieb Oscar-Preisträgerin Viola Davis auf Twitter. "Nun...Ruhe in Frieden George Floyd." Schauspieler Jamie Foxx sprach von einem "bittersüßen Moment", denn Floyd komme dadurch nicht zurück. Dies sei ein kleiner Schritt, um den Afroamerikaner "und Tausende, wie dich, deren Leben sinnlos genommen wurde" zu ehren, schrieb Foxx auf Instagram. Auch Popstar Mariah Carey reagierte schnell auf den Schuldspruch: "Halleluja!", schrieb die Sängerin am Dienstag auf Twitter. "Ein Anfang...ein kleines Körnchen Hoffnung für unsere Zukunft."

Floyds schockierender Tod führte landesweit zu Demonstrationen und löste eine Debatte über systemischen Rassismus, Ungleichbehandlung und Polizeibrutalität gegen Schwarze in den USA aus. Im US-Kongress ist noch ein nach George Floyd benanntes Gesetz für Polizeireformen anhängig. Das Repräsentantenhaus, das von den Demokraten kontrolliert wird, hat dem Gesetz zugestimmt. Doch im Senat müssten im nächsten Schritt auch einige Republikaner es unterstützen.

Verwendete Quellen:
  • Nachtrichtenagenturen afp und dpa
  • Twitter

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