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Afghanistan: US-Soldaten leiten Truppenabzug ein

Soldaten kehren heim  

US-Soldaten leiten Truppenabzug aus Afghanistan ein

25.04.2021, 15:44 Uhr | dpa

Afghanistan: US-Soldaten leiten Truppenabzug ein. US-Soldaten nach einem Selbstmordanschlag in Afghanistan: Alle Truppen sollen in den nächsten Monaten das Land verlassen (Archivfoto). (Quelle: imago images/Tahir Safi)

US-Soldaten nach einem Selbstmordanschlag in Afghanistan: Alle Truppen sollen in den nächsten Monaten das Land verlassen (Archivfoto). (Quelle: Tahir Safi/imago images)

Bis zum 11. September sollten alle US- und Nato-Truppen aus Afghanistan verschwunden sein. Nun könnten die amerikanischen Soldaten aber schon schneller abrücken.

Nach fast 20 Jahren haben die USA und Nato den Prozess ihres Abzugs aus Afghanistan mit örtlichen Maßnahmen faktisch eingeleitet. Das erklärte der General der US- und Nato-Streitkräfte in Afghanistan, General Austin Scott Miller, am Sonntag vor Journalisten in Kabul. Offizielles Datum werde der 1. Mai sein, sagte Miller. Gleichzeitig habe man "durch das Ergreifen von Maßnahmen vor Ort" bereits damit begonnen.

US-Präsident Joe Biden hatte vergangene Woche angekündigt, die US-Truppen bis zum 11. September nach Hause zu holen. Nach den USA hatte auch die Nato entschieden, die Truppen abzuziehen. Mittlerweile ist ein Vorziehen des Abzugs auf den 4. Juli im Gespräch. Beides sind symbolische Daten: Am 11. September 2001 waren die Al-Kaida-Anschläge in den USA und der 4. Juli ist der an die Unabhängigkeit 1776 erinnernde Nationalfeiertag der USA.

Übergabe an afghanische Soldaten

Miller sagte am Sonntag, man werde einen geordneten Abzug organisieren. Das heiße, dass alle Stützpunkte und weitere Ausrüstung den afghanischen Sicherheitskräften übergeben würden. Sollten die militant-islamistischen Taliban die US- oder Nato-Kräfte angreifen, werde man mit einer "entschiedenen Reaktion" antworten.

In einem noch unter US-Präsident Donald Trump unterzeichneten USA-Taliban-Abkommen war im Vorjahr vereinbart worden, die Truppen bereits zum 1. Mai abzuziehen. Die Taliban bestehen weiter auf diesen Abzugstermin und warnten Mitte April, "jeglich notwendige Gegenmaßnahme zu ergreifen", sollten sich die USA nicht daran halten.

Nach offiziellen Angaben waren zuletzt 2.500 US-Soldaten in Afghanistan stationiert. Darüber hinaus befinden sich auch noch rund 18.000 US-Vertragskräfte, sogenannte "Contractors", in dem Land, die verschiedene Aufgaben erfüllen. Die Nato hat noch rund 7.500 Soldaten im Land, darunter rund 1.100 aus Deutschland.

Gewalt nimmt zu

Zuletzt hat die Gewalt in Afghanistan wieder deutlich zugenommen. Am Wochenende wurden mindestens 29 Menschen getötet und zahlreiche andere verletzt. Es häufen sich wieder gezielte Attentate auf Intellektuelle und Vertreter der Medien und des Staates. In der Hauptstadt Kabul erschossen Unbekannte am Samstag bei drei Vorfällen einen Universitätsdozenten, einen Regierungsbeamten und vier Polizisten. Das US-Militär machte in der Vergangenheit die Taliban für derartige Anschläge verantwortlich.

Daneben kam es zu Angriffen auf Militärposten und Anschlägen mit am Straßenrand versteckten Bomben in mehreren Provinzen, bei denen Sicherheitskräfte und Zivilisten getötet wurden. Ein Teil davon wurde von den Taliban reklamiert. Am Sonntag kamen zudem mindestens sieben Zivilisten in der zentralen Provinz Wardak durch Regierungskräfte ums Leben – vier bei einem Luftangriff und drei durch Mörserbeschuss.

In den ersten drei Monaten 2021 wurden nach Zählung des UN-Hilfseinsatzes Unama in Afghanistan mindestens 573 Zivilisten getötet und 1.210 verwundet. Das sind fast 30 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Dabei stiegen insbesondere die Zahl der verletzten oder getöteten Frauen um 37 Prozent und die der Kinder um 23 Prozent.

Eine geplante hochrangige Friedenskonferenz in Istanbul für diesen Samstag hatten die Taliban wegen des längeren Verbleibs der US-Truppen abgesagt. Beobachter befürchten, dass bei einem Abzug der internationalen Truppen ohne politische Lösung des Konflikts das Land in einen neuen Bürgerkrieg abgleiten könnte.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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