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Umfragen zur Bundestagswahl: Wie genau sind sie eigentlich?

Die wichtigsten Fragen  

Wie genau sind eigentlich Wahlumfragen?

16.09.2021, 17:25 Uhr | t-online

Umfragen zur Bundestagswahl: Wie genau sind sie eigentlich?. Stimmzettel und Umschlag für die Briefwahl: Dieses Verfahren erschwert die "Exit Polls" am Wahltag. (Quelle: imago images/U. J. Alexander)

Stimmzettel und Umschlag für die Briefwahl: Dieses Verfahren erschwert die "Exit Polls" am Wahltag. (Quelle: U. J. Alexander/imago images)

Speziell im Wahljahr bestimmen Umfragen den politischen Betrieb. In den Wochen vor der Bundestagswahl gibt es täglich neue Zahlen. Doch wie kommen sie zustande – und welche Probleme gibt es?

t-online beantwortet die neun wichtigsten Fragen rund um Wahlumfragen in Kooperation mit "Wissenschaft im Dialog".

Seit wann gibt es Wahlumfragen?

Die erste Meinungsumfrage wurde am 24. Juli 1824 in den USA durchgeführt. In Harrisburg, Pennsylvania, befragte eine Lokalzeitung ihre Leserinnen und Leser zur anstehenden Präsidentschaftswahl. In Deutschland hat sich die Meinungsforschung erst nach dem Zweiten Weltkrieg etabliert. 1947 wurde das erste Meinungsforschungsinstitut in Deutschland, das Institut für Demoskopie Allensbach, von Elisabeth Noelle-Neumann gegründet.

Wie werden Umfragen durchgeführt?

Die meisten Meinungsforschungsinstitute nutzen telefonische Interviews, da sie eine zufällige Stichprobenziehung erlauben. Dafür werden die Telefonnummern von einem Computer generiert. Seit einigen Jahren werden aber auch immer mehr Umfragen online durchgeführt. Denn aufgrund der zunehmenden Digitalisierung und Mobilität der Gesellschaft, sind Menschen zumindest über das Festnetztelefon heute schlechter erreichbar. Zunehmende Werbeanrufe und eine generelle Skepsis gegenüber Umfragen sind zusätzliche Gründe für eine geringere Antwortbereitschaft. Um diese Herausforderungen zu umgehen, setzen viele Meinungsforschungsinstitute heutzutage einen Mix an Methoden ein – beispielsweise die Kombination von telefonischen und Online-Umfragen.

Was sind die Nachteile der verschiedenen Methoden?

In Telefoninterviews gibt es immer wieder Effekte wie soziale Erwünschtheit, wobei Antworten nicht unbedingt ehrlich sind, sondern sich an dem orientieren, was als sozial akzeptabel angesehen wird. Online-Umfragen dagegen haben den Nachteil, dass sich die Stichprobe selbst rekrutiert. Deswegen müssen die Antworten im Nachhinein nach soziodemografischen Merkmalen gewichtet werden, um Repräsentativität zu erreichen. Dazu müssen sich die Teilnehmenden registrieren und ebenfalls Informationen wie Alter und Wohnort angeben – was wiederum viele Menschen von einer Teilnahme abhält.

Was heißt eigentlich repräsentativ?

Eine Umfrage ist repräsentativ, wenn die Stichprobe möglichst genau die Bevölkerungsgruppe, über die man eine Aussage treffen möchte, abbildet. Damit ermöglicht die Umfrage Rückschlüsse von der kleinen Gruppe an Befragten auf die gesamte Bevölkerungsgruppe. Die Repräsentativität wird durch eine zufällige Stichprobenziehung und anschließende Gewichtung der Antworten nach bestimmten soziodemografischen Merkmalen, wie zum Beispiel Alter und Wohnort, erreicht.

Wie viele Personen nehmen üblicherweise an Umfragen teil?

Damit eine Wahlumfrage repräsentativ ist, müssen in der Regel um die 1.000 Befragten einbezogen werden. Dafür kontaktieren Meinungsforschungsinstitute einige Tausend Menschen, denn von den angesprochen Personen nehmen lediglich zwischen 10 und 30 Prozent tatsächlich teil.

Was unterscheidet Umfragen von Prognosen und Hochrechnungen?

Umfragen zeigen ein Stimmungsbild – die Absicht der Wählerinnen und Wähler zum Zeitpunkt der Befragung – und können damit nicht eindeutig voraussagen, wie das Wahlergebnis ausfallen wird. Eine Prognose über den Ausgang einer Wahl wird anhand der sogenannten "Exit-Polls" berechnet, für die Wählerinnen und Wähler beim Verlassen des Wahllokals darum gebeten werden, ein weiteres Mal ihr Kreuz zum Zweck der Meinungsforschung zu setzen.

Damit kann eine gute Einschätzung über den Ausgang der Wahl gegeben werden. Jedoch nimmt die Genauigkeit von Prognosen mit der zunehmenden Zahl von Briefwählerinnen und Briefwählern ab, da diese nur durch statistische Modelle Berücksichtigung in den Exit Polls finden. Für Hochrechnungen werden die ersten Auszählungsergebnisse der Stimmabgaben verwendet, anhand derer dann auf das Wahlergebnis geschlossen wird.

Wie exakt waren die Umfragen der Meinungsforschungsinstitute bei der Bundestagswahl 2017?

Bei der letzten Bundestagswahl lagen die Meinungsforschungsinstitute im Durchschnitt 1,57 Prozentpunkte daneben. Die höchste Abweichung vom tatsächlichen Ergebnis lag bei 4,1 und die geringste bei 0,2 Prozentpunkten. Das bedeutet, dass damals kein Meinungsforschungsinstitut mit seinen Umfragen exakt richtig lag, die meisten Umfragen aber innerhalb der statistischen Fehlertoleranz von 1,5 bis 3 Prozentpunkten lagen.

Wie viele Umfragen pro Woche gibt es üblicherweise kurz vor einer Bundestagswahl in Deutschland?

Vor der Bundestagswahl 2017 haben die verschiedenen deutschen Meinungsforschungsinstitute insgesamt zwischen sechs und neun Umfragen wöchentlich durchgeführt. In der letzten Woche vor der Wahl kamen sie zusammen auf zwölf Umfragen – diese Ergebnisse werden aber nicht mehr medial verbreitet, um die Entscheidung der Wählerinnen und Wähler nicht zu beeinflussen.

Inwieweit beeinflussen Berichte über Umfragen Wählerinnen und Wähler?

Es ist empirisch nicht belegbar, inwieweit Umfrageergebnisse Wahlentscheidungen beeinflussen können. Jedoch wird angenommen, dass einige Wählerinnen und Wähler aufgrund von Umfrageergebnissen ihre Stimme für die vorne liegende Partei abgeben oder im Gegenteil die schwächelnden Parteien unterstützen. Für die sogenannten "strategischen Wählerinnen und Wähler" sind Umfragen eine gute Entscheidungsgrundlage. Diese Gruppe von Menschen überlegt sich vor einer Wahl genau, wie sie ihre Stimme am besten einsetzen kann, um ein bestimmtes Ergebnis hinsichtlich der Verteilung der Bundestagssitze wie auch der möglichen Koalitionen zu erzielen.

Dieser Artikel ist im Rahmen des Projekts "Die Debatte" von Wissenschaft im Dialog entstanden. "Die Debatte" ist eine Plattform für die Diskussion aktueller kontroverser Themen aus der Wissenschaft. Sie will die wissenschaftliche Perspektive stärker in öffentlich viel diskutierte Themen einbringen.

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