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TV-Triell in Analyse: So haben sich Baerbock, Scholz und Laschet geschlagen


"Können Sie bitte bei den Fakten bleiben?"

  • Johannes Bebermeier
  • Tim Kummert
Von Johannes Bebermeier, Tim Kummert

Aktualisiert am 20.09.2021Lesedauer: 3 Min.
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Olaf Scholz: Beim TV-Triell am Sonntag konnte er die Zuschauer wohl am meisten überzeugen. (Quelle: Reuters)
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Am Sonntag hatten die drei Kanzlerkandidaten ihre letzte Chance, sich in einem TV-Triell zu beweisen. Konnte Laschet überzeugen? Griff Baerbock an? Hat Scholz gepatzt?

Olaf Scholz (SPD) liegt vorne, Armin Laschet (CDU) dahinter und Annalena Baerbock (Grüne) auf Platz drei: Die Ausgangslage vor dem dritten TV-Triell an diesem Sonntag war so ziemlich die gleiche wie vor dem ersten Triell Ende August.

Neu ist, dass der Wahltag jetzt nur noch eine Woche entfernt liegt. Die Menschen kennen die Kandidaten inzwischen. Deshalb kommen wir in der Analyse des letzten TV-Triells (dieses Mal bei ProSieben und Sat.1) direkt zum Wesentlichen:

Gab es neue Erkenntnisse?

Rot-Grün ist zurück – zumindest für das dritte TV-Triell. Scholz und Baerbock verbünden sich diesmal so klar wie noch nie gegen Laschet. Die Themen Armut und Mindestlohn kommen ihnen dabei anfangs zu Hilfe. "Können Sie bitte bei den Fakten bleiben?", ruft Baerbock dem CDU-Kanzlerkandidaten an einer Stelle zu. "Das ist doch Humbug" und "Ich frage mich, was mit Ihnen eigentlich los ist" an anderer Stelle.

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Als sie Laschet erklären will, warum Kinder aus ihrer Sicht nicht ins Hartz-IV-System gehören, sagt der CDU-Chef: "Ich habe jetzt nicht verstanden, wogegen sie gerade gesprochen hat." Als die Moderatorinnen Scholz fragen, ob er es verstanden habe, sagt er: "Ich habe verstanden, was Frau Baerbock gesagt hat, und unterstütze sie darin." Laschet kann bei dem Thema kaum punkten.

Wer hat enttäuscht?

Der Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet. Bereits am Anfang wird er bei der Mindestlohn-Diskussion (siehe: Der kurioseste Satz) von Scholz und Baerbock in die Enge getrieben. Auch im weiteren Verlauf bessert sich die Lage nicht wirklich. Manchmal liegt das weniger an Laschets inhaltlichen Punkten, sondern an seiner Kommunikation: Weil er Sätze von Baerbock ("Ich frage mich, was mit Ihnen eigentlich los ist, Herr Laschet") oder Scholz ("Ich mach das nicht, weil Wahlkampf ist, sondern weil es mir um die Würde der Menschen geht") kaum kontert. Im Gegensatz zum zweiten Duell, in dem er seine beiden Gegner attackierte, hört Laschet zumindest gefühlt viel zu (auch wenn er bei der Redezeit lange Zeit vorn liegt).

Was hat positiv überrascht?

Es gab zwei Trielle im Privatfernsehen, eins in den Öffentlich-Rechtlichen. Und für ARD und ZDF ist es nicht die allerbeste Nachricht, dass sowohl RTL vor vier Wochen als auch ProSiebenSat.1 keine schlechteren Sendungen auf die Beine gestellt haben als sie. Zumal es auch dieses Mal zu ordentlichen inhaltlichen Debatten kommt. Und ProSiebenSat.1 hat auch aus den vorherigen, etwas länglichen Triellen gelernt: Es gibt Einspielfilme, und es kommen Betroffene zu Wort. Das verhindert, dass die Kandidaten drumherum reden.

Allerdings: Auch im letzten Triell geht es wieder nur um Deutschland. Europa? Die Welt? Spielt auch in diesen 90 Minuten keine Rolle.

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Der kurioseste Satz

Den sagt an diesem Abend wohl Laschet. Es geht gerade um die Frage, warum er – im Gegensatz zu den Grünen und der SPD – gegen einen flächendeckenden Mindestlohn von 12 Euro ist (also 2,40 Euro mehr als jetzt). Laschet weist darauf hin, dass die Tarifparteien höhere Löhne aushandeln könnten. Dann warnt er vor einer Spirale nach oben: "Demnächst sagt die AfD 15 Euro, das verzerrt worum es geht: Arbeitsplätze zu erhalten und Menschen gerecht zu bezahlen." Warum ein Mindestlohn einer gerechten Bezahlung im Wege stehen sollte, bleibt sein Geheimnis. Ein konkret ausformuliertes Argument, warum er gegen die 12 Euro ist, bekommt er nicht wirklich zusammen.

Der seltsamste Moment

Die drei Kandidaten dürfen sich gegen Ende der Sendung noch gegenseitig Fragen stellen. Baerbock will Scholz Versagen bei der Geldwäsche nachweisen und fragt, wieso da nicht mehr passiert sei. Scholz antwortet länglich. Laschet will trotzdem "da anschließen" und fragt Baerbock, was sie von Scholz bei der Sondersitzung des Finanzausschusses erwarte, den es nächste Woche gibt: "Ist die Frage jetzt an Herrn Scholz?", wundert sich Baerbock. "An Sie!", sagt Laschet. "An mich?" – "Sie müssen ja irgendeine Idee haben, warum sie das beantragt haben." Baerbock sagt dann etwas von "voller Transparenz". Wirklich funktioniert hat das Alle-fragen-alle-mal-irgendwas-Format nicht.

Der lustigste Moment

Für den sorgt an diesem Abend eine Comicfigur: Um das Thema Umweltschutz einzuleiten, hält Moderatorin Linda Zervakis ein altes Mickey-Maus-Heft hoch: "Vor über 30 Jahren hat sich die Mickey Maus schon mit dem Klimawandel beschäftigt", sagt Zervakis, dazu werden die Zeichnungen von absterbenden Bäumen aus dem Heft eingeblendet. Ob seine Partei überhaupt den Klimawandel ernstnehme, lautet die Frage an Laschet. Der kann nur entgegnen, dass Klaus Töpfer als Umweltminister in der Regierung von Helmut Kohl an der Rio-Konferenz teilgenommen habe, die 1992 Umweltfragen in einem globalen Rahmen diskutierte.

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  • Eigene Beobachtungen
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