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Hat die #Metoo-Debatte das Denken der Deutschen verändert?

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Sexismus als Problem  

Hat #MeToo das Denken der Deutschen verändert?

Von Jonas Schaible

08.03.2018, 17:50 Uhr
Hat die #Metoo-Debatte das Denken der Deutschen verändert?. Demonstration von in Seoul: #metoo hat weltweit Debatten ausgelöst – in Südkorea ebenso wie in Deutschland. (Quelle: YNA/dpa)

Demonstration in Seoul: #MeToo hat weltweit Debatten ausgelöst – in Südkorea ebenso wie in Deutschland. (Quelle: YNA/dpa)

Die #MeToo-Debatte hat demonstriert, wie verbreitet sexuelle Übergriffe sind. Doch eine Umfrage von t-online.de zeigt: Die Problemwahrnehmung hat sich kaum verändert. Vor allem Anhänger von zwei Parteien sagen: Alles nicht so schlimm.

Nur rund 15 Prozent der Deutschen halten seit der #MeToo-Debatte sexuelle Belästigung für ein größeres Problem als zuvor. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey für t-online.de. Rund 39 Prozent sagen zudem, sie hielten sexuelle Belästigung unverändert für ein Problem. 

Dagegen sagen rund 22 Prozent der Befragten sogar, sie sähen sexuelle Belästigung jetzt eher weniger oder deutlich weniger als Problem. Und rund 18 Prozent geben an, sexuelle Belästigung weder vorher für ein Problem gehalten zu haben, noch das jetzt zu tun.

Der Weinstein-Skandal war der Auslöser

Das Schlagwort #MeToo wurde am 15. Oktober 2017 von der Schauspielerin Alyssa Milano in einem Tweet verwendet. Sie schlug Opfern von sexuellen Übergriffen vor, auf ihren Tweet mit #MeToo zu antworten. Sie reagierte damit auf Enthüllungen mehrerer US-Zeitungen. Die hatten Zeugen zu Wort kommen lassen, die von Belästigung und sexueller Gewalt durch den Filmemacher Harvey Weinstein berichteten. 

In den ersten beiden Tagen registrierte Twitter mehr als 825.000 Erwähnungen von #MeToo. Allein am ersten Tag nutzten 4,7 Millionen Menschen auf Facebook den Hashtag. Aus einem Tweet wurde ein globales Schlagwort, das Frauen und Männer nutzten, um über eigne Erfahrungen zu sprechen. Offensichtlich brach sich etwas Bahn.

Auch gegen andere Prominente wie Schauspieler Kevin Spacey oder den Komiker Louis C.K. wurden in der Folge glaubhafte Vorwürfe vorgebracht. In Deutschland trug das "Zeit Magazin" zahlreiche Berichte von Belästigung und Gewalt bis hin zu Vergewaltigung gegen den Regisseur Dieter Wedel zusammen.

Im Zuge der Diskussion wurde deutlich, wie verbreitet Übergriffe in der Schauspielbranche sind. Zu den Golden Globes erschienen fast alle Frauen im schwarzen Kleid. Das Magazin "Time" kürte die Frauen, die "das Schweigen brachen" zur "Person des Jahres 2017".

Trotzdem scheint die Debatte das Denken der Deutschen nicht allzu sehr verändert zu haben – nur ein Drittel gibt an, seine Position geändert zu haben, und der größere Teil davon sieht jetzt sogar ein kleineres Problem.

Mehr als die Hälfte der Frauen wurde schon belästigt

Sexuelle Belästigung ist weit verbreitet: Nach einer Studie des Bundesministeriums für Frauen sagen 58 Prozent der Frauen, sie hätten seit dem 16. Lebensjahr sexuelle Belästigung erfahren. 13 Prozent berichten von sexualisierter, 40 Prozent von sexualisierter oder körperlicher Gewalt. Allerdings wird individuell und gesellschafts-übergreifend manches Verhalten unterschiedlich bewertet.

Frauen, die mit Belästigung häufiger konfrontiert sind als Männer, sehen darin tendenziell auch ein größeres Problem. Das zeigt sich auch in der aktuellen Umfrage: Rund 60 Prozent der Frauen, aber nicht einmal 50 Prozent der Männer sagen, sie sehen Belästigung seit #MeToo unverändert oder stärker als Problem als zuvor.

Große Unterschiede zwischen Ost und West

Jüngere Menschen nehmen sexuelle Belästigung stärker als Problem wahr als Ältere und Städter stärker als Menschen, die auf dem Land leben.

Auffallend sind die Unterschiede zwischen Ost und West: Im Osten sehen viel mehr Menschen grundsätzlich kein Problem, deutlich weniger sehen unverändert ein Problem und weniger sehen jetzt stärker ein Problem.

Die Wahrnehmung ist politisch

Extreme Unterschiede finden sich zwischen den Anhängern der Bundestagsparteien. Offenbar ist die Frage, ob sexuelle Belästigung ein Problem ist, zur politischen Frage geworden. Vielleicht sogar zu einer parteipolitischen.

Schlüsselt man die Ergebnisse entweder nach Alter, Beschäftigungsstatus, Familienstand, Geschlecht, Kaufkraft, Religion, Schulabschluss, Ost/West oder Bevölkerungsdichte des Wohnorts auf, ist unter keiner Gruppe die Problemwahrnehmung so groß, wie unter Anhängern der Grünen. Und in keiner Gruppe ist sie so gering, wie unter Anhängern der AfD. 

Allerdings: Selbst unter Grünen-Anhängern sagen etwa 12 Prozent, nach #MeToo sähen sie weniger ein Problem als zuvor. Und rund 7 Prozent sehen nach wie vor kein Problem.

Unter AfD-Anhängern sagt fast ein Drittel, es gebe unverändert kein Problem. Und noch einmal rund 27 Prozent sagen, nach #MeToo sehen sie weniger ein Problem. Insgesamt sind das rund 60 Prozent, die jetzt unverändert oder stärker davon überzeugt sind, dass sexuelle Belästigung kein Problem sei. 

Auffällig ist aber auch: Auch FDP-Anhänger sind extrem skeptisch. Unter ihnen sagen 22 Prozent, sie sähen unverändert kein Problem, 27 Prozent sehen sexuelle Belästigung jetzt weniger als Problem und nicht einmal 2 Prozent sehen es seit #MeToo viel stärker als Problem – selbst unter AfD-Anhängern finden sich 6 Prozent, die das so sehen.

Wie misst man Veränderung in der Einstellung?

Die Ergebnisse sind allerdings mit etwas Vorsicht zu interpretieren. Um Änderungen in der Einstellung zu messen, befragen Sozialwissenschaftlerinnen normalerweise Menschen mehrfach. Dann jeweils über ihre Haltung zum aktuellen Zeitpunkt – so können sie die Angaben miteinander vergleichen.

Menschen zu fragen, wie sich ihre Haltung verändert hat, sodass sie ihre Haltung jetzt und in der Vergangenheit gleichzeitig einschätzen müssen, gilt als weniger verlässlich. Trotzdem verrät es viel über die Selbstwahrnehmung zum jetzigen Zeitpunkt. Und damit über die Haltung gegenüber politischen Maßnahmen momentan.

t-online.de kooperiert für repräsentative Umfragen mit dem Umfrageinstitut Civey. Abstimmen kann jeder, doch berücksichtigt werden nur die Abstimmungen registrierter User. Wenn Sie sich registrieren, tragen Sie zu besseren Ergebnissen bei. Alle Informationen zur Methodik finden Sie hier (https://civey.com/faq/).

Für diese Umfrage stellte Civey zwischen dem 6. und dem 8. März 5.050 Menschen online die Frage: "Wie hat sich durch die "#MeToo-Debatte" Ihre persönliche Sicht auf das Thema „sexuelle Belästigung“ verändert?" Der statistische Fehler für die Haltung der Gesamtbevölkerung beträgt 2,5 Prozentpunkte, wird aber für die Teilgruppen je nach Befragtenzahl angepasst.

Verwendete Quellen:
  • Civey-Umfrage für t-online.de
  • Bericht von CNN über die Verbreitung von #MeToo in den ersten Tagen (Eng.)

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