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Umfrage – Deutschland-Puls: Die Jugend hat das Vertrauen in die deutsche Politik verloren

Deutschland-Puls  

Die Jugend hat das Vertrauen in die deutsche Politik verloren

Von Patrick Diekmann

24.05.2019, 13:26 Uhr
Umfrage – Deutschland-Puls: Die Jugend hat das Vertrauen in die deutsche Politik verloren. Deutschland-Puls von t-online.de: Die Deutschen sind zufrieden – aber nicht wegen der Politik. (Quelle: imago images)

Deutschland-Puls von t-online.de: Die Deutschen sind zufrieden – aber nicht wegen der Politik. (Quelle: imago images)

Die Deutschen trauen der Politik nicht zu, die aktuellen Probleme im Land zu lösen. Dies zeigt der Deutschland-Puls von t-online.de. Die Umfrage über die Stimmung im Land offenbart zudem einen Generationenkonflikt.

Kurz vor der Europawahl am Sonntag wird deutlich, was die wichtigsten Themen sind, die die Deutschen bewegen: Aktuell machen sich viele Menschen im Land Gedanken über den Klimaschutz, hohe Mieten und die Vorsorge im Alter. Darunter leidet aber offenbar nicht die allgemeine Zufriedenheit  im Land, denn der überwiegende Teil der Menschen ist zufrieden. Dies zeigt eine aktuelle Umfrage des Deutschland-Puls von t-online.de. Darin wird auch deutlich, dass der Klimaschutz in der Gesellschaft immer mehr als ernstzunehmendes Problem gesehen wird. Doch eine große Mehrheit der Deutschen traut aktuell ihrer Politik nicht zu, die dringenden Probleme im Land zu lösen.

t-online.de wollte herausfinden, wie zufrieden die Menschen in Deutschland sind und welche Themen aktuell für die Bevölkerung relevant sind. Dazu erheben wir in Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey einmal im Monat den Deutschland-Puls. Die Stimmung im Land soll so eingefangen und Trends dokumentiert werden.

Mit dem Leben zufrieden

Wie ist die Stimmung in Deutschland vor der Europawahl 2019? Laut dem aktuellen Deutschland-Puls im Mai geben knapp 76 Prozent der Befragten an, aktuell mit ihrem Leben zufrieden zu sein. Lediglich 13 Prozent seien demnach unzufrieden mit ihrer aktuellen Lebenssituation.

Dieses Ergebnis bestätigt sich mehrheitlich in allen Altersgruppen und sozialen Schichten. Menschen im Alter von über 65 Jahren sind am zufriedensten, von den Befragten im Alter von 18 bis 29 Jahren sind vergleichsweise wenig (70 Prozent) zufrieden, immerhin 18 Prozent von den Jüngeren geben an, mit ihrem Leben aktuell nicht zufrieden zu sein. In Westdeutschland und in den neuen Bundesländern ist die Zufriedenheit mehrheitlich nahezu gleich.

Betrachtet man die verschiedenen politischen Lager, fällt auch hier auf, dass in allen Lagern eine Zufriedenheit mit der individuellen Lebenssituation herrscht. Dabei sind 86 Prozent der Anhänger von CDU/CSU aktuell mit ihrem Leben zufrieden, nur sechs Prozent geben im Deutschland-Puls das Gegenteil an. Unter den Anhängern von SPD, Grünen und FDP ist die Zufriedenheit mit um die 80 Prozent ähnlich hoch. Und selbst im Lager der klassischen Protestparteien ist eine deutliche Mehrheit mit der aktuellen Lebenssituation zufrieden. Bei den Linke-Anhängern sagen das 71 Prozent, im Lager der AfD machen immerhin noch 64 Prozent diese Angabe.

Kein Vertrauen in die deutsche Politik

Doch für diese allgemeine Zufriedenheit macht die Bevölkerung nicht die deutsche Politik verantwortlich. Nur 12 Prozent der Befragten sind demnach der Auffassung, dass die Politik aktuell in der Lage ist, die wichtigsten Probleme im Land zu lösen, knapp 76 Prozent sind der gegenteiligen Auffassung.

Eher junge Menschen gehen aktuell in Deutschland regelmäßig bei "Fridays for Future" für mehr Klimaschutz auf die Straße. Die Auffassung, dass die deutsche Politik zu wenig für die jüngeren Generationen tut, findet sich auch in unserer Befragung wieder. 81 Prozent der 18 bis 29-Jährigen sehen bei der deutschen Politik keine Problemlösungskompetenz. Bei den Menschen im Alter von über 65 sagen das aber auch noch 72 Prozent der Befragten. Im Osten (80 Prozent eher kein Zutrauen) und im Westen (73 Prozent eher kein Zutrauen) ist das Zeugnis für die deutsche Politik ähnlich schlecht.

Auch aufgeteilt auf die unterschiedlichen politischen Lager sehen alle Wählergruppen die deutsche Politik aktuell negativ. Selbst das Lager der Regierungsparteien: Bei der Union sind immerhin noch 31 Prozent ihrer Anhänger der Meinung, dass die deutsche Politik dringliche Probleme lösen kann, knapp 49 der Unionsanhänger sehen dies negativ. Bei der SPD wird die Unzufriedenheit der eigenen Basis noch viel deutlicher. Hier glauben 60 Prozent der befragten SPD-Anhänger, dass die Politik aktuell keine dringlichen Probleme lösen kann. Obwohl ihre Partei mit an der Regierung beteiligt ist.

Bei der Opposition fällt die Ablehnung der aktuellen Politik erwartungsgemäß deutlich aus. Linke-(91 Prozent) und AfD-Anhänger (97 Prozent) sehen die Arbeit der Bundesregierung besonders negativ.

Klimaschutz wird relevanter

Zusätzlich fragen wir im Deutschland-Puls auch regelmäßig ab, welche politischen Themenbereiche für die Bevölkerung aktuell relevant sind. So gaben im Mai 27 Prozent der Befragten an, dass sie beim Thema  "Gesundheit/Rente/Sozialsysteme" den größten Handlungsbedarf sehen, danach kommen die Themen "Migration/Integration" (26 Prozent) und der "Klimaschutz" (19 Prozent). Eher unwichtiger sind den Menschen "Außenpolitik/Europa" (6 Prozent) und "Wirtschaft, Arbeitsplätze" (7 Prozent). Daraus lässt sich schließen, dass sich Deutschland noch in einer guten wirtschaftlichen Situation befindet.


Doch die Trends in der öffentlichen Wahrnehmung dieser Themen sind bemerkenswert. t-online.de erhebt den Deutschland-Puls seit September 2018. Zu diesem Zeitpunkt haben noch 36 Prozent "Migration/Integration" den größten Handlungsbedarf gesehen, der Klimaschutz war mit 8 Prozent weit abgeschlagen. Das Thema wurde in den letzten Monaten besonders durch die junge Generation in die Gesellschaft getragen und verfängt sich dort auch offenbar immer mehr.


Dabei wird auch ein Generationenkonflikt deutlich. Knapp 30 Prozent der Befragten im Alter von 18 bis 29 sehen beim Klimaschutz den größten Handlungsbedarf, bei der Generation 65+ sind es nur noch 16 Prozent. Das Thema "Gesundheit/Rente/Sozialsysteme" wird dagegen durch alle Altersgruppen als relativ wichtig empfunden.

Bei den einzelnen Wählergruppen gibt es dagegen wenige Überraschungen. Während für Anhänger von SPD und Linken soziale Herausforderungen besonders relevant sind, ist bei der Basis von AfD und der Union eher das Thema Migration dominierend. Auffällig dabei ist, dass nur ein Prozent der AfD-Anhänger den Klimaschutz als das Thema mit dem größten Handlungsbedarf einschätzt.

Informationen zur Methodik

Die genaue Fragestellung der ersten bevölkerungsrepräsentativen Umfrage lautete: "Wie zufrieden sind Sie insgesamt mit Ihrem Leben aktuell?",​mit den Antwortmöglichkeiten "Sehr zufrieden", "Eher zufrieden", "Unentschieden", "Eher unzufrieden" und "Sehr unzufrieden". Das Meinungsforschungsinstitut Civey berücksichtigte für das Gesamtergebnis die Antworten von 5.121 bevölkerungsrepräsentativ ausgewählten Befragten vom 22. April bis 22. Mai 2019.

Die genaue Fragestellung der zweiten bevölkerungsrepräsentativen Umfrage lautete: "Wie gut ist die deutsche Politik aktuell in der Lage, die wichtigsten Probleme im Land zu lösen?",mit den Antwortmöglichkeiten "Sehr gut", "Eher gut“, "Unentschieden", "Eher schlecht" und "Sehr schlecht".Das Meinungsforschungsinstitut Civey berücksichtigte für das Gesamtergebnis die Antworten von 5.101 bevölkerungsrepräsentativ ausgewählten Befragten vom 22. April bis 22. Mai 2019.

Die genaue Fragestellung der dritten bevölkerungsrepräsentativen Umfrage lautete: "In welchem Politikbereich sehen Sie aktuell den größten Handlungsbedarf?" mit den Antwortmöglichkeiten "Wirtschaft/Arbeitsplätze", "Innere Sicherheit", "Migration/Integration“,"Umwelt-/Klimaschutz", "Gesundheit/Rente/Sozialsysteme", "Außenpolitik/Europa", "In einem anderen" und "Weiß nicht". Das Meinungsforschungsinstitut Civey berücksichtigte für das Gesamtergebnis die Antworten von 5.082 bevölkerungsrepräsentativ ausgewählten Befragten vom 22. April bis 22. Mai 2019.

Die Ergebnisse sind repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren. Der statistische Fehler der Gesamtergebnisse beträgt 2,5 Prozentpunkte. Alle Teilnehmer haben u.a. Daten wie Alter, Geschlecht und Wohnort angegeben und wurden registriert und verifiziert. Civey korrigiert Verzerrungen durch ein mehrstufiges Gewichtungsverfahren.

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