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Nach Corona-Ausbruch in Bayern: Das ist Markus Söders große Angst


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Nach Ausbruch in Bayern: Das ist Markus Söders große Angst

dpa, Josefine Kaukemüller

Aktualisiert am 28.07.2020Lesedauer: 3 Min.
Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern: "Corona kommt schleichend zurück, leider aber mit aller Macht."
Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern: "Corona kommt schleichend zurück, leider aber mit aller Macht." (Quelle: Peter Kneffel/dpa-bilder)
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Er hatte immer gewarnt: Corona sei nicht vorbei, eine zweite Welle nur eine Frage der Zeit. Nun hat Bayerns Ministerpräsident Söder einen Hotspot im eigenen Land. Und muss reagieren.

Als Markus Söder am Montagmorgen im Prinz-Carl-Palais in München steht und über den neuen Corona-Hotspot in Mamming spricht, ist es auf den Tag genau ein halbes Jahr her, dass der erste Mensch in Deutschland positiv auf das neuartige Virus getestet wurde. Ausgerechnet in Bayern war das damals. Als die Welle richtig losbrach, hatte der Ministerpräsident und CSU-Chef das Leben im Freistaat weitgehend herunterfahren lassen – und erst spät und langsam gelockert. Später und langsamer als manch anderes Bundesland.


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Am 15. Januar gibt es die erste bestätigte Infektion mit dem neuartigen Virus außerhalb Chinas: Ein Fall in Thailand wird bekannt.
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Seit dem Wochenende nun kennt jeder, der die Corona-Berichterstattung verfolgt, die niederbayerische Gemeinde Mamming mit rund 3.340 Einwohnern und über tausendjähriger Geschichte. Idyllisch gelegen an den Isarauen. Mehr als 170 Erntehelfer auf einem Gemüsehof haben sich nachweislich mit dem Coronavirus infiziert – auch weil der Betreiber sich nicht an sein eigenes Schutzkonzept gehalten haben soll. Auf sogenannten Gurkenfliegern sollten die Arbeiter liegen und pflücken. Immer dieselben Leute, immer in derselben Reihenfolge. Doch wer sich abends mit wem treffe, sei für die Behörden nur schwer zu kontrollieren, sagt Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU).

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Warum muss man Urlaub in einem Risikogebiet machen?

Unterkünfte von Erntehelfern stehen auf dem Gelände eines Bauernhofs hinter Absperrgitter.
Unterkünfte von Erntehelfern stehen auf dem Gelände eines Bauernhofs hinter Absperrgitter. (Quelle: Armin Weigel/dpa-bilder)

Am Montag riegeln Absperrgitter das Gelände ab. Vereinzelt gehen Menschen in kleinen Gruppen über das Gelände. Unaufgeregt. Am Wochenende war hier noch mehr los. In der Nähe wird eine Teststation aufgebaut. Auch Mamminger Bürger sollen sich testen lassen können.

Mit deutlichen Worten mahnt Söder noch mal: "Corona verzeiht keinen Leichtsinn", sagt er. Und: "Corona kommt schleichend zurück, leider aber mit aller Macht." Jeder müsse auf die Hygieneregeln – Abstand und Mund-Nasen-Schutz – achten. Höhere Bußgelder sollen Druck auf die Betriebe vergrößern, Schutzkonzepte einzuhalten.

Insbesondere mit Blick auf die in Bayern gerade begonnenen Sommerferien und Erinnerungen an die Faschingsurlauber, die aus dem österreichischen Skiort Ischgl das Virus haufenweise nach Bayern einschleppten, sorgt sich der CSU-Chef um viele "Mini-Ischgls". Orte, in denen niemand das Infektionsgeschehen so richtig unter Kontrolle hat. Und er stellt die Frage: Warum muss man Urlaub in einem Risikogebiet machen?


Söder bekräftigt seine Forderung nach einer Pflicht für Corona-Tests an Flughäfen für Urlaubsrückkehrer aus Risikogebieten. Appelle und Forderungen – viel mehr bleibt ihm nicht übrig. Denn hier ist der Bund am Zug. Ob eine solche Pflicht überhaupt möglich ist, muss erst mal rechtlich geprüft werden. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat eine solche Prüfung am Wochenende bereits angekündigt, denn: "Das ist ja ein Eingriff in die Freiheit, jemanden zum Test zu verpflichten."

Ohnehin sind die ausgewiesenen Risikogebiete nur ein Teil des Problems. Urlaubsorte wie St. Wolfgang in Oberösterreich, wo sich Dutzende Mitarbeiter von Tourismusbetrieben mit dem Coronavirus infiziert haben, zählen nicht dazu – fast die gesamte EU gilt nicht als Corona-Risikogebiet. Und: Viele Urlauber sind in den europäischen Ferienregionen sowieso mit dem Auto oder mit der Bahn unterwegs.

Bayern will Testzentren in Grenznähe

In Bayern soll es nun auch an den Hauptbahnhöfen München und Nürnberg sowie an Straßen nahe der Grenze – freiwillige – Testangebote für Autoreisende geben. Nicht nur für solche aus Bayern, wie Söder betont. Das sei "Amtshilfe" für andere Länder.

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Der Corona-Ausbruch in Mamming rückt die zurückhaltende, vorsichtige Strategie der bayerischen Regierung im Kampf gegen die Pandemie in ein neues Licht. Bislang hatte Söder viel Lob für seinen Kurs bekommen. In Umfragen schossen die Beliebtheitswerte nach oben, inzwischen wird er sogar als Kanzlerkandidat gehandelt, weil er Krisen meistern könne.

Auch mit Blick auf den Corona-Ausbruch beim Schlachtbetrieb Tönnies in Nordrhein-Westfalen, wo Regierungschef Armin Laschet (CDU) einen lockereren Kurs fährt, hatte Söder vor zu schnellen Lockerungen gewarnt. Der Fall diente Söder als Referenz, dass das Infektionsrisiko nach wie vor hoch sei. Die Reaktion: Als eines der ersten Bundesländer verhängte Bayern Urlaubsverbote für Menschen aus Risikogebieten.

Nun hat es mit Mamming den Freistaat selbst getroffen. Gefragt nach Parallelen und Kritik an der Lockerungspolitik weicht Söder am Montag aus: Man könne die Fälle nie vergleichen. Es gehe aber immer darum, schnell zu reagieren, nach ersten Fällen zügig weiträumig zu testen. "Die Zeitachse", sagt Söder über Mamming, war "sehr in Ordnung".

Für die Opposition ist das ein gefundenes Fressen: Grüne, SPD und FDP in Bayern werfen der Landesregierung unter anderem mangelhafte Kontrolle der Unterkünfte auf dem Gemüsehof vor und geben Söder deswegen eine Mitverantwortung. "Beim arroganten Umgang der bayerischen Staatsregierung mit dem Gesundheitsschutz von Erntehelfern war es nur eine Frage der Zeit, wann es wieder Corona-Herde in Bayern geben würde", sagt die FDP-Landtagsabgeordnete Julika Sandt.

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Verwendete Quellen
  • Nachrichtenagentur dpa
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Von Miriam Hollstein
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