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Dritten Corona-Welle – Lauterbach warnt: "Wir müssen zurück in den Lockdown"

Lauterbach zur dritten Welle  

"Wir müssen zurück in den Lockdown"

19.03.2021, 15:16 Uhr | lw, dpa, AFP

Lauterbach: AstraZeneca "kein Impfstoff zweiter Klasse"

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach begrüßt die Wiederaufnahme der Impfungen mit dem Astrazeneca-Wirkstoff. Es sei kein Impfstoff zweiter Klasse. (Quelle: t-online)

"Kein Impfstoff zweiter Klasse": So äußerte sich SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach zur Wiederaufnahme der Impfungen mit dem Astrazeneca-Wirkstoff. (Quelle: t-online)


Die Infektionszahlen steigen, die Impfkampagne ist durch den Astrazeneca-Stopp ins Stocken geraten. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat nur eine Lösung: ein sofortiger Lockdown. 

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat sich dafür ausgesprochen, die Corona-Maßnahmen schnell wieder zu verschärfen. "Man kann es drehen und wenden wie man will, wir müssen zurück in den Lockdown", sagte er am Freitag in der Bundespressekonferenz in Berlin. Es mache keinen Sinn zu warten. Je früher man reagiere, desto kürzer müsse der Lockdown sein, um wieder auf eine beherrschbare Fallzahl zu kommen. Lauterbach sprach vom Beginn einer "fulminanten dritten Welle".

Seinen Angaben nach ist durch die stattfindende Verdrängung der alten Virusvariante durch neue Varianten Mitte April mit einer bundesweiten Inzidenzzahl von 200 zu rechnen. Wenn die Fallzahlen nicht abgebremst würden, sei eine Überlastung der Intensivstationen in wenigen Wochen zu erwarten. In diesem Zusammenhang riet Lauterbach auch stark von Reisen an Ostern ab. "Dann befeuern wir die dritte Welle", so der Gesundheitsexperte. Reisen würden Mutationen weiter ins Land tragen.

Lage an Ostern wie vor Weihnachten

Der Vizepräsident des Robert Koch-Instituts, Lars Schaade, appellierte ebenso an die Bürger, an Ostern nicht zu reisen. Deutschland befinde sich im exponentiellen Wachstum, es stünden schwere Wochen bevor. "Es ist sehr gut möglich, dass wir an Ostern eine Lage haben wie vor Weihnachten", so Schaade. Tests gäben keine hundertprozentige Sicherheit, deshalb solle man weiterhin Kontakte meiden. 

Lauterbach begrüßte zugleich die für diesen Freitag geplante Fortsetzung der Impfung mit Astrazeneca. Es handele sich dabei um einen sehr wirksamen Impfstoff, der bei den älteren Menschen die Krankenhauseinweisungen und den Tod sehr sicher verhindern könne. "Daher ist der Impfstoff sicher, und der Nutzen ist gewährleistet, und ich begrüße ausdrücklich, dass in Deutschland die Impfung wieder begonnen hat." Er würde diesen Impfstoff jederzeit nehmen, denn es sei kein Impfstoff zweiter Klasse sagte Lauterbach.

Zugleich brachte Lauterbach das Corona-Vakzin von Curevac ins Spiel. "Die Datenlage für diesen Impfstoff ist gut", sagte der Gesundheitsexperte. Man könne überlegen, Curevac über eine Notfallzulassung zu prüfen. Das Mittel sei gut und schnell produzierbar.  

"Ich hätte nichts dagegen, wenn wir früher in den Hausarztpraxen beginnen könnten"

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hofft derweil auf ein schnelleres Impftempo in Deutschland. "Ich hätte nichts dagegen, wenn wir früher in den Hausarztpraxen beginnen könnten", sagte Spahn bei der Pressekonferenz. Bislang ist von den Ländern geplant, dass die Hausärzte spätestens ab 19. April großflächig in die Corona-Impfungen einbezogen werden sollen. Dennoch dämpfte Spahn die Erwartungen: In den Praxen sollten zunächst die Bürger mit Vorerkrankungen geimpft werden und das lediglich "in kleiner Zahl". Eine Praxis könnte in einer Woche gegebenenfalls nur eine Impfsprechstunde einführen. 

Über eine Beschleunigung der Impfkampagne beraten am Nachmittag auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder. Der Einstieg der Hausärzte ist dabei ein Thema. Die Hausärzte sollen dann eventuell auch die Möglichkeit bekommen, von den strengen Vorgaben der Impfpriorisierung abzuweichen, wenn sie dies aus ärztlicher Sicht für ratsam halten.

"Nicht die Lösung der Probleme"

Spahn betonte, Impfen sei ein "zentraler Schritt raus aus der Pandemie". Dies brauche aber Zeit. Es gebe in Europa noch nicht genug Impfstoff, um die dritte Welle allein durch Impfen zu stoppen. Es werde "noch einige Wochen dauern, bis die Risikogruppen vollständig geimpft sind". Deshalb seien gerade flächendeckende Testungen ein sehr wichtiges Werkzeug, um die Pandemie einzudämmen, aber "nicht die Lösung der Probleme".

Die derzeit steigenden Fallzahlen könnten laut Spahn dazu führen, "dass wir in den kommenden Wochen keine weiteren Öffnungsschritte vornehmen können – im Gegenteil, vielleicht sogar Schritte rückwärts gehen müssen". Um das Verständnis dafür in der Bevölkerung zu erhalten, sollte es einheitliche Regeln geben, sagte Spahn.

Zügiger Erwerb von Sputnik V

Der CDU-Politiker sprach sich zudem für zügige Vereinbarungen zum möglichen Erwerb des russischen Corona-Impfstoffs Sputnik V aus – notfalls auch im nationalen Alleingang ohne europäische Partner. Er könne sich "vorstellen, dass wir Verträge zügig abschließen", sagte Spahn. Sein Ministerium sei "in engem Austausch" mit den russischen Stellen, dabei gehe es auch um ein sogenanntes Memorandum of Understanding, also eine vorvertragliche Absichtserklärung.

Bei dem möglichen Erwerb von Sputnik V wolle Deutschland nicht unbedingt auf eine Entscheidung auf EU-Ebene warten, sagte Spahn. "Ich bin tatsächlich sehr dafür, dass wenn die Europäische Union dann nichts macht, wir das auch national machen." Voraussetzung sei, dass das russische Präparat in der EU zur Verimpfung zugelassen werde. Dazu müsse die russische Seite noch Daten liefern: "Sobald ausreichend Datenpakete da sind, ist eine ordentliche Zulassung schnell möglich", sagte Spahn.

Die Impfkampagne war in Deutschland durch die Aussetzung der Impfung mit Astrazeneca für einige Tage wegen möglicher sehr seltener Blutgerinnsel im Gehirn ausgesetzt worden. Am Donnerstag erklärte die Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) nach einer Überprüfung den Impfstoff für "sicher und wirksam". Der Nutzen überwiege die Risiken.

Verwendete Quellen:
  • Pressekonferenz am 19. März 2021
  • Nachrichtenagenturen dpa und AFP

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