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Die Bilanz der Panikmache

  • Lamya Kaddor
Eine Kolumne von Lamya Kaddor

13.05.2021Lesedauer: 6 Min.
SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach und RKI-Chef Lothar Wieler: Beide warnten vor sehr hohen Infektionszahlen im Fr├╝hjahr.
SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach und RKI-Chef Lothar Wieler: Beide warnten vor sehr hohen Infektionszahlen im Fr├╝hjahr. (Quelle: Christian Spicker/Jens Schicke/Collage von t-online/imago-images-bilder)
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Ob Karl Lauterbach, das RKI oder manche Medien: Was haben sie nicht gewarnt vor gigantischen Neuinfektionen in der dritten Welle. Am Ende kam es anders. Das muss Folgen haben.

Ab Mitte M├Ąrz ├╝berschlugen sich die Warnungen vor explodierenden Corona-Inzidenzen in Deutschland. Vielfach schlimmer als an Weihnachten sollte es nach Ostern werden. Das Robert Koch-Institut und sein Pr├Ąsident Lothar Wieler kamen in Modellrechnungen auf Werte zwischen 300 bis ├╝ber 500 ÔÇô wegen der britischen Virusvariante B.1.1.7.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Gesundheitsminister Jens Spahn mahnten in Dauerschleife. Regierungsberatende Forscher der TU Berlin erkl├Ąrten am 19. M├Ąrz sogar, man m├╝sse unter Umst├Ąnden mit Inzidenzen von 2.000 im Mai rechnen. Prominent verbreitet wurde dieses 2.000er-Horrorszenario vom Gesundheitsexperten Karl Lauterbach. "Dies w├╝rde massive Zunahme der Covid-Toten und Invaliden bedeuten", schrieb der SPD-Politiker auf Twitter und verkn├╝pfte es mit der Forderung: "Wir brauchen daher die Ausgangssperre ab 20 Uhr." Auch Schnelltests k├Ânnten das nur bremsen, nicht voll vermeiden.

In der Kommunikation ist ordentlich etwas schiefgelaufen

Prominente Virologinnen und Virologen pflichteten ihm bei. Coronatests, Impfungen, die Wetterlage im Fr├╝hling d├╝rften allesamt keine gr├Â├čeren Effekte haben, hie├č es. Und dann begannen die Inzidenzen, noch bevor die Bundesnotbremse mit ihrer Ausgangssperre ab 22 Uhr in Kraft trat, zu sinken.

In der Kommunikation der Expertinnen und Experten ist offenbar ordentlich etwas schiefgelaufen. Der Epidemiologe Ralph Brinks bilanzierte sogar im BR24-Podcast "Possoch kl├Ąrt": "Ich sehe das eigentlich auch so, dass das viel Panikmache ist". Wie dem auch sei, f├╝r das Vertrauen der Bev├Âlkerung ist das in jedem Fall eine schwere Hypothek f├╝r die Zukunft.

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Kritik an Prognosen des RKI

H├╝ten wir uns dennoch, die Modellierer jetzt zum Feindbild zu machen. Sie geben in der Regel ein Konfidenzintervall an ÔÇô eine Spanne, von der sie glauben, dass sich die Inzidenz dazwischen bewegen wird. Dabei gibt es logischerweise ein schlimmstes und ein glimpflichstes Szenario. Man m├╝sste nun im Einzelfall pr├╝fen, ob sie selbst das schlimmste Szenario hervorgehoben haben, oder ob es von Medien und ├ľffentlichkeit sensationsheischend herausgegriffen wurde.

Dar├╝ber hinaus ist in Betracht zu ziehen, mit welchen Methoden gearbeitet wurde. Der Modellierer Cornelius R├Âmer beispielsweise kritisierte insbesondere das RKI. Deren Prognosen seien extrem simpel beziehungsweise holzschnittartig gewesen, sagte er bei ZDF-heute live. Im Nachhinein werde man feststellen m├╝ssen, dass das RKI eben nicht die besten Modellierungserfahrungen und nicht den "besten Track-Record", also nicht die beste Referenzliste mit Erfolgen, habe. Andere seien da besser gewesen.

RKI muss sich selbstkritisch analysieren

Dabei ist das RKI "die" fachliche Instanz in der Coronavirus-Pandemie, an der sich alle in Politik und Gesellschaft orientieren. Lothar Wieler betont nun zwar, dass es sich um verschiedene Szenarien gehandelt habe. Aber ├Âffentlich wahrgenommen wurde das so eben vielfach nicht ÔÇô und deshalb muss auch das RKI hier selbstkritisch in die Analyse seiner ├ľffentlichkeitskommunikation gehen.


Sollte es eine vierte Welle oder gar eine neue Pandemie geben, werden sich jenseits von Corona-Leugnern zahlreiche Menschen irritiert an die vielen Warnungen auf Basis der nicht eingetretenen schlimmsten Szenarien erinnern; wobei bei einigen Modellierungen selbst die glimpflichsten Szenarien weiter ├╝ber der tats├Ąchlichen Inzidenz lagen.

Es ist ein wenig wie mit Wetterberichten

Gescheitert sind die meisten Prognosen offenbar daran, die gro├čen Unbekannten wie das Verhalten der Bev├Âlkerung, die Entwicklung der Impfrate und den Effekt von Saisonalit├Ąt in passende Parameter zu ├╝berf├╝hren. Nicht alle Modelle seien gleich schlecht gewesen, wendet Cornelius R├Âmer ein. Der Vorwurf der Panikmache an die Modellierer insgesamt sei daher ungerechtfertigt. Dem ist gewiss zuzustimmen. H├Ąngen bleiben bei den Menschen trotzdem die Fehler. Es ist tats├Ąchlich ein wenig wie mit Wetterberichten.

Daf├╝r werden die Computer ebenso mit bestimmten Daten gef├╝ttert und am Ende kommen verschiedene Szenarien heraus. Expertise und Erfahrung leiten Meteorologen dann zu den wahrscheinlichsten. Nur wei├č beim Wetterbericht jeder, dass die mal mehr und mal weniger zutreffen ÔÇô anders als bei Prognose ├╝ber den Verlauf von Pandemien. Das h├Ątte viel deutlicher herausgestellt werden m├╝ssen.

M├Âglichkeit gezielter Kampagnen besteht

Ich gehe davon aus, dass dahinter in der Regel kein Kalk├╝l stand. Dennoch besteht zumindest die M├Âglichkeit gezielter Kampagnen. Die Wissenschaft spricht von Pr├Ąventionsparadoxon: Die Warnung mittels Modellberechnungen f├╝hrt dazu, dass Menschen ihr Verhalten ver├Ąndern, und die Berechnungen am Ende nicht zutreffen. Das k├Ânnte man gezielt einsetzen.


"Der Spiegel" prophezeite f├╝r Mai Neuinfektionen von weit ├╝ber 40.000 und einer Inzidenz von ├╝ber 1.000. Der "Bild" teilte die zust├Ąndige Redaktion auf Nachfrage mit, die ├╝bertriebenen Vorhersagen h├Ątten dazu "beigetragen, Szenarien zu verhindern, von denen sie selbst ausgingen". Dies sei "kein Manko, sondern im Gegenteil ihr gro├čer Wert".

Beherzteres Einschreiten w├Ąre n├Âtig gewesen

Erfreulicherweise sind die schlimmsten Prognosen nicht eingetreten. Dennoch sterben an den meisten Wochentagen t├Ąglich zwischen 200 und 300 Menschen mit einer Covid-19-Erkrankung. Und das seit Monaten. Seit dem Herbst haben wir eine dramatische Situation in Deutschland, die gr├Â├čtenteils die Politik zu verantworten hat, weil sie sich statt f├╝r einen kurzen, aber harten Lockdown f├╝r einen weicheren Dauer-Lockdown entschieden hat. Beherzteres Einschreiten w├Ąre n├Âtig gewesen.

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Aber bei aller Notwendigkeit, f├╝r die Gefahren einer Pandemie zu sensibilisieren, sind ├ťbertreibungen oder gar Panikmache ein ganz schlechtes Mittel. Sie m├Âgen im ersten Moment wirken. Sie haben h├Âchstwahrscheinlich dazu beigetragen, dass sich Bev├Âlkerung und Politik diszipliniert haben (viele blieben zu Hause; die Notbremse wurde durch Bundestag und Bundesrat gebracht). Sp├Ąter verkehrt sich dieser Effekt jedoch ins Gegenteil: Menschen f├╝hlen sich instrumentalisiert, hinters Licht gef├╝hrt und reagieren in Zukunft nicht mehr. Sowohl die Wissenschaftskommunikation als auch Politik und Medien m├╝ssen aus diesen Erfahrungen lernen.

Neid und Missgunst unter den Experten

Die jetzt so verkorkste Situation zwischen der Realit├Ąt und den Warnungen ist n├Ąmlich bis zu einem gewissen Grad auch das Ergebnis eines Wettbewerbs unter Expertinnen und Experten. Er hat sich im Lauf der Pandemie auf dem Laufsteg der Eifers├╝chteleien und Eitelkeit zugetragen. In der Wissenschaft ist es ein verbreitetes Ph├Ąnomen: Sobald ein Kollege oder eine Kollegin besonders viel Aufmerksamkeit bekommt, entsteht Neid und Missgunst. Am Anfang sprach alle Welt von Christian Drosten, sp├Ąter dr├Ąngten nach und nach andere ins Rampenlicht.

Sie wollten ebenfalls in die Beratungsgremien der Regierung, und die allabendlichen TV-Talkshows, in die Onlinemedien, ins Radio etc. Ein Ticket daf├╝r l├Ąsst sich leider oft am einfachsten durch steile Thesen oder provokante Antithesen l├Âsen.

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Drosten macht sich auff├Ąllig rar

Eigentlich zieren sich viele Forschende, in die Medien zu gehen. Beide Seiten stehen seit jeher in einem Spannungsverh├Ąltnis. Medien werfen Forschenden vor, zu verkopft und theoretisch zu sein, weshalb sie ihre Thesen vereinfachen und zuspitzen. Forschende werfen Medien eben das vor und sehen ihre Forschungsergebnisse dadurch falsch oder verzerrt wiedergegeben, was ihnen anschlie├čend Naser├╝mpfen und kritische Nachfragen auf Fachkongressen einbringt.

In der Corona-Pandemie scheint es bisweilen so, als habe sich das ein St├╝ck weit gewandelt. Abgesehen von Christian Drosten, der die Problematik mehrfach angesprochen hat ÔÇô und sich schon seit L├Ąngerem auff├Ąllig rar macht.

Andere Experten muss man suchen

Neben dieser Dynamik innerhalb der Wissenschaften resultiert die Misere au├čerdem aus den Ritualen in den Medien. Es werden zu oft die gleichen Expertinnen und Experten befragt. Wenn unz├Ąhlige Male ein Karl Lauterbach ein Forum erh├Ąlt, dessen Grundthese zwar nie falsch, aber immer dieselbe war (Lockdown versch├Ąrfen!), fehlt der Platz f├╝r andere Expertinnen und Experten. Das hei├čt nicht, dass diese in den deutschen Medien gar nicht vorgekommen w├Ąren, aber man musste sie suchen und ist nicht dauernd ├╝ber sie gestolpert.

So sagte beispielsweise der von vielen weniger hofierte Epidemiologe Klaus St├Âhr schon am 9. Februar mit Blick auf B.1.1.7. im ZDF: "Die Szenarien mit exponentiell steigenden Infektionszahlen durch die Variante stimmen nicht mit der Realit├Ąt der Bek├Ąmpfung ├╝berein." Dabei verwies er auf die Erfahrungen in Irland, Gro├čbritannien oder D├Ąnemark, wo die Infektionszahlen deutlich zur├╝ckgegangen seien, w├Ąhrend gleichzeitig der Anteil der Mutante an den Infektionen stieg.

Am Ende des Tages liegt ein Klaus St├Âhr mit seiner Einsch├Ątzung n├Ąher an der Wirklichkeit als ein Karl Lauterbach mit seinem Verweis auf die 2000er-Inzidenz. Ein gutes Argument f├╝r Medienschaffende also, fachliche Einsch├Ątzungen k├╝nftig besser zu streuen und weniger oft auf dieselben Personen zu setzen ÔÇô nicht nur in der Corona-Pandemie. Dann k├Ânnen Menschen jenseits der Wissenschaft auch besser erkennen, dass Wissenschaft zumeist keine absoluten Wahrheiten produziert, sondern mit Thesen und Gegenthesen stetig um die richtigen Details ringt.

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