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Reichsbürger und QAnon: Falscher Major nach Hunderten "Todesurteilen" verhaftet


Falscher Major nach Hunderten "Todesurteilen" verhaftet

  • Lars Wienand
  • Nicolas Lindken
Von L. Wienand, C. Exner, N. Lindken

Aktualisiert am 06.12.2021Lesedauer: 8 Min.
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Parallelwelt: Das ist der falsche Major und Hochstapler, der massenhaft Todesurteile ausspricht. (Quelle: t-online)
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1906 lachte die Welt über einen Schuster, der als "Hauptmann von Köpenick" ein Rathaus besetzte. 2021 will ein Arbeitsloser als Major Deutschland "befreien". Das ist allerdings nicht zum Lachen, sondern macht Angst. Ein Video zeigt den Mann, der dahintersteckt und zu was er aufrief.

Als das Ende der heimlichen Herrschaft über Europa kam, klopfte es nicht an bei "Major Thorsten G. Jansen". Das Einsatzkommando der Polizei rammte stattdessen seine Tür auf. Jansen, der selbsternannte "Befehlshaber" der alliierten "SHAEF"-Besatzungstruppen war schneller überwältigt, als er sich frühmorgens die Augen reiben konnte. Im Rems-Murr-Kreis ist ein Hochstapler festgenommen worden, der seit Frühjahr 2020 deutschlandweit mit öffentlichen "Todesurteilen" Angst verbreitet hat. Sein Instrument war dafür vor allem der Instant-Messaging-Dienst Telegram, auf dem er seinen Anhängern fast alles ungefiltert schreiben konnte.

Es ist eine der absurdesten Geschichten der Corona-Pandemie. Sie ist verbunden mit erschütternden Einzelschicksalen von Mittätern, die auch Opfer sind. Weil sie den "Major Torsten Jansen" ernst genommen haben, verloren einige ihr Zuhause, ihren Job oder sogar ihre Kinder. t-online dokumentiert mehrere Fälle.

Probleme mit dem Amt? – SHAEF regelt

Jansen erzählte stets in seinen Sprachnachrichten auf Telegram, dass aktuell Krieg herrsche – ein Krieg, in dem unter seinem Kommando Soldaten und Polizisten in ganz Deutschland im Kampf für das deutsche Volk fallen würden – und dass er an der Spitze von SHAEF steht und SHAEF-Gesetze gelten. Das ist absurd: SHAEF (Supreme Headquarters, Allied Expeditionary Force) war das Oberkommando der Alliierten im nordwestlichen und mittleren Europa während des Zweiten Weltkriegs. Es wurde Mitte 1945 aufgelöst.

Trotzdem behaupten seit Jahrzehnten Menschen, die Alliierten hätten eigentlich das Kommando in der Bundesrepublik, sagt Politikwissenschaftler Jan Rathje, Autor des Buchs "Reichsbürger, Selbstverwalter und Souveränisten: vom Wahn des bedrohten Deutschlands". Ein entlassener Reichsbahner in Berlin bezog sich in den 1980er-Jahren auf SHAEF-Gesetze, um zum "Ur-Reichskanzler" aufzusteigen. Es interessierte kaum wen, aber entsprechende Gruppen waren auch schwer zu finden und fanden kaum Interessierte, so Rathje, Mitarbeiter beim Center für Monitoring, Analyse und Strategie (CeMAS).

Anfang 2020 begann die Corona-Pandemie und mit dem Virus verbreiteten sich auch Verschwörungsmythen aus der QAnon-Szene, und auf Europa rollte das große Nato-Manöver Defender 2020 mit einem sehr ähnlichen Logo wie SHAEF zu. Dank schnell wachsender Telegram-Gruppen gab es viel Resonanz für das Narrativ.

Seither ist die Erzählung populärer in Teilen des Netzes, dass SHAEF regiert. Und Major Jansen behauptete, an der Spitze zu stehen. Zugleich erklärte er, dass deutsche Gesetze und deutsche Regeln nicht gelten würden.

"Friseur Gottes": "Ich schere die bösen Schafe", schrieb Jansen zu diesem Foto einer Walther P22. Es kann sich auch um eine Schreckschusswaffe handeln. Bei seiner Festnahme wurde keine Waffe gefunden.
"Friseur Gottes": "Ich schere die bösen Schafe", schrieb Jansen zu diesem Foto einer Walther P22. Es kann sich auch um eine Schreckschusswaffe handeln. Bei seiner Festnahme wurde keine Waffe gefunden. (Quelle: Parler)

Daran haben sich seine Anhänger gehalten. Maskenpflicht? Nicht nach SHAEF-Gesetz! Schulpflicht? Gibt es nach den angeblichen alliierten Vorschriften nicht. Auch keine GEZ, keine Mahnbescheide von den nicht legitimierten Gerichten. SHAEF – vermeintlich die Antwort auf jeden Geld- und Behördenärger.

Liste aller Bürgermeister

Die SHAEF-Gläubigen haben immer verzweifelter versucht, auch den Rest von Deutschland davon zu überzeugen. Ihr Dilemma: Wenn alle anderen nicht die Ansicht teilen, dass deutsche Gesetze keine Gültigkeit mehr hätten, Gerichte nichts zu sagen haben und Gebühren nicht bezahlt werden müssen, stürzen sie selbst unaufhörlich ins Unglück. Anhänger haben deswegen, zumindest ihren Schilderungen nach, Zigtausende Adressen per E-Mail und Brief mit Informationen über die "wahre" Rechtslage angeschrieben.

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Das gab es auch früher bereits als Strategie im Reichsbürgermilieu, ebenfalls bis hin zu Todesdrohungen von Menschen mit Phantasieämtern an Vertreter der Bundesrepublik, so Rathje.

Rumgereicht wurde unter Jansen-Anhängern eine Datei mit den Adressen von 10.791 Bürgermeistern Deutschlands. Die hat ein Versicherungsmakler aus Nordhorn beigesteuert, "Präsident des Deutschen Reichsgerichts". Einige in der Szene kommen aus der Reichsbürgerbewegung, aus der der SHAEF-Glauben auch zu QAnons gelangt war. Viele sind aber erst durch Corona dazu gestoßen. Sie möchten glauben, dass Corona-Regeln nicht gelten – sie hat es schließlich unter den Alliierten auch noch nicht gegeben.

SHAEF-Kundgebung: Anhänger von "Major Jansen" in Hannover. Die Gesichter sind von der Redaktion unkenntlich gemacht.
SHAEF-Kundgebung: Anhänger von "Major Jansen" in Hannover. Die Gesichter sind von der Redaktion unkenntlich gemacht. (Quelle: Telegram)
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Alle Polizeidienststellen und Staatsanwaltschaften sollten mit Unterlagen über die wahre Gesetzeslage aufgeklärt werden, Schulen, Kitas, Pfarrer, Schornsteinfeger wurden angeschrieben – und Rückmeldungen an einen René N. weitergeleitet. N. sagte in einer Sprachnachricht, er habe ein kleines Redaktionsteam zur Bearbeitung. Auch wo er aktuell wohnt, wurde am Mittwoch durchsucht.

In Hannover trafen sich Jansen-Anhänger, um in der Fußgängerzone über die "wahre Gesetzeslage" aufzuklären. Bei Ebay-Kleinanzeigen wurden versteckte Aufrufe aufgegeben, die Ebay zügig löschte. Eine Annonce erschien in einer Tageszeitung, ehe weitere in dieser und anderen Zeitungen abgelehnt wurden. Ballons mit Informationen zur angeblichen Gesetzeslage stiegen auf, Briefkästen wurden geflutet, Accounts in Social Media wie der von Karl Lauterbach zugespamt.

Zeitungsanzeige: Zur Aufklärung schalteten Jansen-Anhänger Kleinanzeigen. Eine wurde in einer sächsischen Zeitung abgedruckt.
Zeitungsanzeige: Zur Aufklärung schalteten Jansen-Anhänger Kleinanzeigen. Eine wurde in einer sächsischen Zeitung abgedruckt. (Quelle: Telegram)

Wer Anhängern die naheliegende Antwort gab, dass sie den Quatsch sein lassen sollen, bekam mit etwas Pech erst recht Post: Dann hatte Jansen ein Todesurteil in seinem Kanal mit zeitweilig 12.000 Abonnenten verkündet. Mit Foto, mit Adresse. Und es gab für Opfer fast keine Möglichkeit, bei dem in Dubai sitzenden Dienst Telegram eine Löschung zu erreichen.

"Knüpfen Sie ihn an der Laterne auf"

Die ersten Urteile hatte Jansen im Frühjahr 2020 gegen Politiker verhängt, das aber bald ausgeweitet. Tod durch Hängen, Tod durch Erschießungskommando, Tod durch Giftspritze, manchmal auch für die ganze Familie. Jansen war großzügig und veröffentlichte die Urteile in diversen Netzwerken.

Für Betroffene war das oft ein Schock. Gegen ihn wird nun ermittelt wegen öffentlicher Aufforderung zu Straftaten, Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten, Veröffentlichen von Feindeslisten und anderer Delikte.

Todesurteil zugestellt: Einer der Unterstützer von Major Jansen postete das Foto seiner Nachricht an einen niedersächsischen Polizisten, der Einsatzleiter bei einer Zwangsräumung war.
Todesurteil zugestellt: Einer der Unterstützer von Major Jansen postete das Foto seiner Nachricht an einen niedersächsischen Polizisten, der Einsatzleiter bei einer Zwangsräumung war. (Quelle: Telegram)

In Bad Doberan ging der "Major" noch weiter. Er forderte auf, einen Bürgermeister "an der nächsten Laterne aufzuknüpfen". Nach Hinweis eines Twitter-Nutzers stürmte die Polizei das Haus eines Anhängers, der den Rat bekommen hatte. Der hatte sich beklagt, dass der Bürgermeister nicht das "Amtsblatt der Alliierten Hohen Kommission" ausliegen hat. Jansen riet zu einem Ultimatum. Danach "machen Sie es langsam, damit er lange leidet und es möglichst viele mitbekommen".

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Er versicherte: "Unsere loyalen Polizeibeamten werden nicht eingreifen". Andererseits räumte er ein, dass die Polizei nicht komplett unter Kontrolle ist: Es könne noch vereinzelt "Constellis" geben, die "schwarze Garde des Merkel-Regimes". Dem Doberaner Bürger müsse klar sein: "Sie können natürlich in dem Fall auch sterben".

"Taktisch unklug": Die gewiefte Militärstrategin First Lieutenant Andra gibt den hilfreichen Rat, sich nicht umbringen zu lassen.
"Taktisch unklug": Die gewiefte Militärstrategin First Lieutenant Andra gibt den hilfreichen Rat, sich nicht umbringen zu lassen. (Quelle: Telegram)

"Meint Ihr, er könnte dann weitermachen?"

Die Polizei gehört nach Überzeugung der Szene dem amerikanischen Sicherheitsunternehmen Constellis, die Regierung müsse für jeden Einsatz bezahlen. Die Bundesregierung und alle Behörden seien auch Firmen. Als Beleg dient ein weltweites Verzeichnis mit eindeutig zuzuordnenden Identifikationsnummern für Wirtschaftsteilnehmer. Und auch Behörden sind Wirtschaftsteilnehmer, wenn sie Aufträge vergeben.

Nach dem Fall in Bad Doberan war die Staatsanwaltschaft Rostock die nächste Behörde, die den "Major" suchte und bei dem Empfänger der Sprachnachricht durchsuchte. Quer durch Deutschland gibt es nun Staatsanwaltschaften, die ermitteln. Aber dem Anschein nach nichts unternahmen.

Wenn in den Gruppen des "Majors" mal Zweifel an ihm und seiner Befehlsgewalt aufkam, hatte seine Adjutantin, "First Lieutenant Andra Jansen", eine einleuchtende Erklärung dafür: "Meint Ihr denn, er könnte seit anderthalb Jahren Staatsmänner, Politiker und Richter einfach zum Tode verurteilen und einfach weitermachen?" Vielleicht ist das eine Lektion: Wenn Behörden nicht handeln, interpretieren Menschen in der Corona-Krise das als Legitimation für ihr Handeln oder das von Leuten an der Spitze.

Seltsame Gewissheit: Die Adjutantin des Majors, der damals noch im "Rang" eines deutschen "Hauptmanns" war, begründete seine Echtheit damit, dass niemand etwas gegen ihn unternimmt. Das hat sich jetzt erledigt.
Seltsame Gewissheit: Die Adjutantin des Majors, der damals noch im "Rang" eines deutschen "Hauptmanns" war, begründete seine Echtheit damit, dass niemand etwas gegen ihn unternimmt. Das hat sich jetzt erledigt. (Quelle: Screenshot Telegram)

Jetzt kann Jansen nicht mehr weitermachen. Die Zentralstelle zur Bekämpfung von Hasskriminalität im Internet bei der Staatsanwaltschaft Göttingen war mit ihren Ermittlungen am weitesten und konnte einen Haftbefehl erwirken. Nach den Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft ist er in den vergangenen Monaten keiner Arbeit nachgegangen, wovon er lebte, ist unklar..

Durchsuchung bei Führungstrio

Baden-Württembergische Spezialkräfte nahmen ihn bei Adjutantin Andra in Weissach im Tal* im Rems-Murr-Kreis fest. Auch bei ihr und bei bei René N. führte die Polizei Durchsuchungen durch. Auch wenn Rene N. anders als der Major und seine Adjutantin als Zivilist auftrat, macht er das Führungstrio komplett. Alle drei betreiben Telegram-Kanäle, dazu gibt es öffentliche und zeitweise öffentliche Gruppen.

Bei René N. war die Durchsuchung der zweite Einsatz in kurzer Zeit: Im Juli hatten Spezialkräfte sein gemietetes Haus gestürmt. Dem Obergerichtsvollzieher hatte er geschrieben: "Sie bringen beim Zutritt hier Ihrer angedrohten Aktion sich selbst und Ihre Familien um." Das Haus sei vermint. Den Brief hatte er in seinem Telegram-Kanal verbreitet.

Solche Schreiben sollten auch als Vorlage für andere Menschen mit ähnlichen Problemen dienen, um ihnen "zu helfen". Ihm brachte es einen bevorstehenden Strafprozess wegen versuchter Nötigung. Er hatte eine Firma für Solartechnik, die sei aber "plattgelegt" worden vom Finanzamt, behauptete er

Aufklärungsarbeit: Ein Paar dokumentierte, wie es in Süddeutschland Rathäuser und Einkaufszentren abfährt und überall an die Eingänge Zettel hängt mit der "Information", dass deutsche Gesetze nicht mehr gelten. Sie wurden von der Redaktion unkenntlich gemacht.
Aufklärungsarbeit: Ein Paar dokumentierte, wie es in Süddeutschland Rathäuser und Einkaufszentren abfährt und überall an die Eingänge Zettel hängt mit der "Information", dass deutsche Gesetze nicht mehr gelten. Sie wurden von der Redaktion unkenntlich gemacht. (Quelle: Telegram)

Sprengsätze gab es nicht bei ihm, das Haus in Balingen konnte ohne Zwischenfälle geräumt werden, René N. musste sich eine andere Bleibe suchen. Fast zeitgleich war der Major aus seiner Wohnung in Bad Zwischenahn bei Oldenburg geflogen. Er galt seit dem Sommer als untergetaucht.

"Major" flog wegen unbezahlter Miete raus

Jansen hatte im Februar, März und April jeweils 550 Euro Miete und Nebenkosten für seine Wohnung nicht gezahlt – er hat das Schreiben gepostet. Jansen war offensichtlich finanziell klamm. Auch er hatte eine Firma, mit der er gescheitert war. Die Personalvermittlung wurde im Handelsregister 2014 von Amts wegen gelöscht. "Die Wirtschaftskrise hat mich ruiniert", sagte er in einem Video. "Ich weiß wie es ist, wenn du gar nichts mehr hast." Das Video zeigt ihn in einem Jackett in einem kombinierten Wohn- und Arbeitszimmer im Dachgeschoss. Aktuelle Fotos vom "Major" in Uniform gab es nie.

Der "Major": Bei der Bundeswehr war Jansen offenbar tatsächlich. Das Foto wurde mehrfach gepostet, wenn es Zweifel an seinem militärischen Hintergrund gab.
Der "Major": Bei der Bundeswehr war Jansen offenbar tatsächlich. Das Foto wurde mehrfach gepostet, wenn es Zweifel an seinem militärischen Hintergrund gab. (Quelle: Telegram)

Wäre er Major der US-Streitkräfte, hätte er mit der Miete kein Problem gehabt – in der Region würden ihm monatlich allein 907 Euro Mietzuschuss zustehen. So viel sind maximal für einen Major vorgesehen. Es ist die vierte von zehn Dienstgradstufen für Offiziere der Army – und sie ist weit von einem Kommando entfernt, das Jansen vorgab.

Das hielt Jansen nicht davon ab, deutschen Generälen Anweisungen zu geben. Drei-Sterne-General Martin Schelleis, Inspekteur der Streitkräftebasis, sollte ihm Informationen zu einer Handynummer liefern. "Schelli" nannte er ihn manchmal.

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Anweisung: Der Major schickt in sozialen Netzwerken eine Botschaft, sie sollen Informationen zu einer (im Original lesbaren) Handynummer ermitteln. Von der Nummer hatte er zunächst eine beleidigende Nachricht und dann einen Anruf bekommen.
Anweisung: Der Major schickt in sozialen Netzwerken eine Botschaft, sie sollen Informationen zu einer (im Original lesbaren) Handynummer ermitteln. Von der Nummer hatte er zunächst eine beleidigende Nachricht und dann einen Anruf bekommen. (Quelle: Screenshot Twitter)

"Schellis" Dienststelle bittet auf Anfrage von t-online zunächst "um Verständnis, dass nicht alle absurden Inhalte des Internets durch uns bewertet werden können". Auf erneute Nachfrage lässt sich ein Sprecher zumindest auf die Aussage ein, dass "nach den hier öffentlich vorliegenden Informationen (...) der von Ihnen benannte 'Major Jansen' bereits Berührung mit dem deutschen Rechtsstaat zu haben [scheint]". Die Bundeswehr habe volles Vertrauen in die Justiz.

Wegen Jansen vor Glück geweint

Jansens Anhänger zeigten volles Vertrauen in ihn. René N., seit fast zehn Jahren in der Reichsbürgerszene unterwegs, sagte in einer Sprachnachricht, er habe viel von SHAEF gehört und das als Quatsch abgetan. Dann habe er Major Jansen gehört und vor Glück geweint.

Jansens Vermieter bekam auch sein Todesurteil: Im Krieg dürften Vermieter ihren Mietern nicht kündigen. Das schrieben Anhänger dann Vermietern. Ihr Druckmittel und Hoffnungsträger: der Major mit seinen kurzen Prozessen.

Amnestie: Gefangenen, die "Herzensmenschen" sind, versprach Major Jansen die Freilassung, wie das auch Trump gemacht habe. Das postete er mit einem Foto der deutschen Generäle Markus Laubenthal und Martin Schelleis.
Amnestie: Gefangenen, die "Herzensmenschen" sind, versprach Major Jansen die Freilassung, wie das auch Trump gemacht habe. Das postete er mit einem Foto der deutschen Generäle Markus Laubenthal und Martin Schelleis. (Quelle: Telegram)

In den vergangenen Wochen spitzte sich die Situation zu. Die SHAEF-Chefs wurden zunehmend Zielscheibe zum Spott anderer QAnon-Kanäle und Reichsbürger, die zwar auch an Trump als heimlichen Strippenzieher und Befreiung glauben, denen "Majoran Jansen", aber zu peinlich ist. Jansen reagierte mit Todesurteilen für prominente Telegram-Kanalbetreiber und dem Aufruf an seine Anhänger, die Kanäle der "Gatekeeper" zu verlassen. Es wurde einsamer und verschworener.

"Jetzt können Sie sich selbst befreien"

Sie setzten zunehmend verzweifelt-wütende Postings ab: "Wir haben Ihnen diese Befreiungsarmee an die Hand gegeben, zwei Jahre lang", sagte Jansen am 23. November. "Aber selbst die eigenen Leute haben nicht dahintergestanden. Jetzt ist Schluss, jetzt können Sie sich alle selbst befreien."

Die Anhänger erwarteten vom obersten Militär Europas weiter Rat bei einem Mahnbescheid über 370 Euro. Seine Partnerin Andra schrieb am Montag: „WAS MUSS PASSIEREN DASS DIESES LAND AUFWACHT!!!!! Braucht ihr Bomben??"

Am Mittwoch knallte es an der Tür. Das war das SEK.

Hinweis der Redaktion: Texte und die Daten in den Screenshots aus Telegram sind unverändert, sie sind aber mit einem anderen Hintergrund optisch aufbereitet.

*An dieser Stelle hatten wir zunächst "Weissach" geschrieben. Durchsucht wurde in Weissach im Tal.

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Verwendete Quellen
  • Eigene Recherchen
  • ruhrbarone.de: Durchgeknallt auf Telegram: Der Fake-SHAEF-Commander und seine Jünger
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