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Klimastreik in Berlin: Schüler schwänzen aus Protest Untericht

Klimastreik von Berliner Schülern  

"Politikern ist unsere Zukunft egal. Die sind dann ja schon tot"

Von Helena Serbent

18.01.2019, 13:12 Uhr
Klimastreik in Berlin: Schüler schwänzen aus Protest Untericht. "Wer nicht hüpft, der ist für Kohle!": Mit diesem Slogan forderten Jugendliche in Berlin den Kohleausstieg. (Quelle: dpa)

"Wer nicht hüpft, der ist für Kohle!": Mit diesem Slogan forderten Jugendliche in Berlin den Kohleausstieg. (Quelle: dpa)

Mehr als 25.000 Kinder und Jugendliche haben deutschlandweit den Unterricht verlassen. 500 von ihnen sind in Berlin vor das Reichstagsgebäude gezogen. Vor Ort erklären sie, was sie dazu bringt.

Schuleschwänzen klingt für viele Jugendliche erst einmal verlockend. Aber am Freitagmorgen ist es kalt in Berlin. Die Pfützen sind gefroren, Kinder tragen dicke Jacken. Im Klassenzimmer wäre es jetzt wärmer als auf dem Platz vor dem Bundestag. Dennoch haben sich hier um die 500 Kinder und Jugendliche um 10 Uhr verabredet. Sie schwänzen die Schule nicht einfach so: Die Schüler streiken für eine klimafreundliche Politik.

Deutsche Schüler folgen schwedischem Vorbild

"Fridays For Future" ist das Motto, unter dem in ganz Europa Jugendliche auf die Straße gehen. "Wir sind hier und wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut", ist einer der Slogans, den sie in Berlin singen. Die Kinder tragen Banner, Schilder und haben Sticker vom BUNDjugend auf die Kleidung geklebt, auf denen "Kohle stoppen, Klima retten“ steht. Es ist bereits das zweite Mal, dass die Jugend hier für ein Umdenken in der Klimapolitik demonstriert. Beim letzten Mal waren es etwa 350, sie werden mehr. Auch in Göttingen kamen nach Polizeiangaben am Freitagmorgen 200 Jugendliche zusammen, in Halle sollen 250 bis 300 gewesen sein. Deutschlandweit dürften es laut der Nachrichtenagentur dpa 25.000 gewesen sein.

Das Vorbild der Jugendlichen ist die Schwedin Greta Thunberg. Jeden Freitag geht sie nicht in die Schule, sondern stellt sich mit einem Schild vor das Parlament in Stockholm. Von den Politikern fordert sie, dass diese endlich etwas gegen den Klimawandel tun. Seit dem Sommer 2018 protestiert Greta und klagte auf der Klimakonferenz in Katowice die Weltpolitiker an. Greta ist das große Vorbild der Schüler, die zur Kundgebung vor dem Bundestag gekommen sind.

Jede Sekunde nutzen

"Warum lernen ohne Zukunft" steht auf dem Banner, das von Laurencio und Quentin gehalten wird. Zusammen mit ihren Freunden Magali, Yeison und Oskar, alle zwischen 13 und 16 Jahre alt, sind sie zum Schulstreik gekommen. "Ich will über meine Zukunft selbst entscheiden", erklärt Magali. "Deshalb bin ich heute hier. Den Politikern ist unsere Zukunft egal. Die sind dann ja schon tot." Darüber, dass Konservative der Meinung sind, Schüler sollten nur außerhalb der Schulzeit demonstrieren dürfen, müssen die fünf lachen. "Natürlich wollen sie nicht, dass wir streiken. Aber nur so bekommen wir die Aufmerksamkeit der Politik. Auf diese Art zeigen wir, wie ernst es uns ist", erklärt Oskar. Und Laurencio fügt hinzu: "Man sollte jede Sekunde, jeden Tag nutzen, um für das Klima zu kämpfen."

Hüpfen gegen Kohle und Kälte

Zwei Stunden lang stehen sie hier und sprechen sich vor allem gegen die Kohleindustrie aus. Immer wieder erklingen Sprechchöre: "Grünkohl statt Braunkohle", "Es gibt kein Recht für's Kohlebaggerfahren" und "Wer nicht hüpft, der ist für Kohle". Hüpfen hilft auch, an diesem kalten Januarmorgen die Füße warm zu halten.

Am Mikrofon steht Karl Klingberg, selbst ein Berliner Schüler. Er hat den ersten Klimastreik in Berlin initiiert. Nun stimmt er die Gesänge seiner Gleichgesinnten an. Er mobilisiert die Schüler, trotz der Kälte für das Klima zu kämpfen und lädt sie ein, am 25. Januar wiederzukommen. Dann wollen sie vor das Bundeswirtschaftsministerium ziehen. Karl stimmt ein lautes "Buuuh" an. Das sollen die Gegner ihrer Bewegung bis nach Heidelberg hören. Dort wurde der Schulstreik verboten, Junge-Union-Mitglieder riefen dazu auf, die beteiligten Schüler zu bestrafen. Das kommt hier nicht gut.


Aber es gibt auch gute Nachrichten, berichten Luisa Neubauer, die diese Veranstaltung mitorganisiert hat. "Beim letzten Streik waren wir in 14 Städten. Heute wollten wir in 40 Städten sein. Wir sind in 50 Städten, in 55 Städten dabei." Der Protest soll sich ausweiten. "In Brüssel waren gestern 12.500 Leute dabei", jubelt Karl und die Menge jubelt mit.


Die Schüler halten zwei Stunden lang durch. Der Jungen Union, der Politik und dem Wetter zum Trotz. Dann und wann wird wieder gehüpft, gegen die Kohle und die Kälte.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Nachrichtenagentur dpa

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