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Ex-Botschafter in Moskau schickt Putin-Orden zurück

Von Miriam Hollstein

28.02.2022Lesedauer: 3 Min.
Ernst-Jörg von Studnitz: Der Ex-Diplomat war sieben Jahre lang Botschafter in Moskau.
Ernst-Jörg von Studnitz: Der Ex-Diplomat war sieben Jahre lang Botschafter in Moskau. (Quelle: IMAGO/Müller-Stauffenberg)
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Der frühere deutsche Botschafter in Moskau, Ernst-Jörg von Studnitz, hat den an ihn verliehenen russischen "Freundschaftsorden" zurückgeschickt. In einem Brief findet er drastische Worte für seinen Schritt.

Fast sein ganzes Leben hat Ernst-Jörg von Studnitz den deutsch-russischen Beziehungen gewidmet. 1967 trat der heute 84-jährige Jurist in den diplomatischen Dienst ein und wählte gleich als erste Station nach der Ausbildung die Deutsche Botschaft in Moskau. 1995 kehrte er nach verschiedenen weiteren Stationen nach Moskau zurück – diesmal als Botschafter.

Seit 2002 ist er zudem Vorstandsmitglied des "Deutsch-Russischen Forums", das er mehr als zehn Jahre lang auch leitete. Bis heute ist er dort Ehrenvorsitzender. Für sein Engagement hat er zahlreiche Ehrungen erhalten.

Ex-Diplomat beklagt "lügenhafte Propaganda"

Doch eine davon will er nicht länger haben: den "Orden der Freundschaft der Russischen Föderation". Er wurde in Deutschland seit 1994 bislang nur an rund 30 Persönlichkeiten verliehen und ist die einzige unter den Auszeichnungen des Ex-Diplomaten, die direkt vom russischen Präsidenten vergeben wird.

Von Studnitz bekam ihn 2011 vom damaligen Präsidenten Dmitri Medwedew. Wladimir Putin war zu dieser Zeit Ministerpräsident, hatte das Präsidentenamt vorübergehend an seinen Getreuen Medwedew abgegeben, weil es damals noch eine strenge Amtszeitbegrenzung gab. 2012 übernahm Putin wieder.

Zusammen mit einem Begleitschreiben (das t-online vorliegt) an den derzeitigen Gesandten Moskaus in Berlin, Botschafter Sergej Netschajew, hat von Studnitz nun den Orden zurückgeschickt. Darin findet er ungewöhnlich undiplomatische Worte für seinen Schritt: "Ich will mit einem ruchlosen Zerstörer des europäischen Friedens in keiner Weise verbunden sein."

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Ex-Botschafter will aus Liste gestrichen werden

Er habe sich stets "mit großer Hingabe" für ein "friedliches und freundschaftliches Verhältnis zwischen unseren Völkern eingesetzt", schreibt er weiter: "Aber mit Ihrem machtbesessenen Führer, der durch lügenhafte Propaganda Gründe erfindet, um sich Nachbarvölker gefügig zu machen, gibt es nichts, das uns verbindet." Verbunden ist der Brief mit der Bitte, aus der Liste der Ordensinhaber gestrichen zu werden.

"Mit diesem Orden will ich in keiner Weise mehr identifiziert werden", sagt Ex-Botschafter von Studnitz zu t-online über seine Entscheidung. Er selbst ist Wladimir Putin mehrfach begegnet, hat einmal länger mit ihm gesprochen. Sein Urteil: "Der Mann ist berechnend, folgt seit seiner Rückkehr aus Dresden einem großen Plan." In Dresden war Putin von 1985 bis 1990 als KGB-Offizier im Einsatz, bevor er nach Moskau zurückkehrte.

"Russland wird zerfallen"

Von Studnitz ist überzeugt: "Putins größte Angst ist, dass ein slawisches Land wie die Ukraine ein freies, demokratisches Staatswesen entwickelt. Das bringt Putins Projekt in Gefahr." Lange hat der frühere Botschafter in Moskau versucht, die russische Position zu erklären. Auch nach der Annexion der Krim noch. Er habe das russische Vorgehen nie befürwortet, aber immer für einen differenzierten Blick auf die Situation geworben, sagt er heute.

Doch bei Putins Angriffskrieg in der Ukraine gibt es für ihn keine Differenzierung mehr. Auch für Russlands Zukunft sieht von Studnitz erst mal schwarz: "Russland wird zerfallen, wenn Putin so weitermacht. Wie einst die Sowjetunion. Russland hat keine demokratische Führungselite."

Er sieht für das Land nur einen Ausweg. So schreibt er am Ende seines Briefes an den russischen Botschafter: "Es bleibt nur die Hoffnung, dass Russland sich einst aus dem Verhängnis befreien kann, in dem es sich heute befindet. Welche Leiden das mit sich bringen kann, hat mein Volk als bittere Lehre erfahren müssen."

Selbst Russlandkenner von Putin überrascht

Die Rückgabe eines Ordens mag ein kleiner Schritt sein. Aber so wie der frühere Spitzendiplomat von Studnitz wenden sich gerade viele ab, die sich seit Jahrzehnten für Russland engagierten. Die meisten von ihnen sind trotz teils engster Kontakte zu den Eliten des Landes von Putins skrupellosem und blutrünstigem Vorgehen vollkommen überrascht worden.

Er habe nie gedacht, dass Wladimir Putin auf diese Weise ein souveränes Nachbarland und "Brudervolk" angreifen würde, gestand Matthias Platzeck, ehemaliger Ministerpräsident von Brandenburg und seit acht Jahren Vorsitzender des deutsch-russischen Forums, unlängst in einem Interview mit dem Radiosender "Radio Eins": "Mir hat das in den letzten Tagen so die Beine weggezogen, ich konnte kaum noch schlafen."

Putin als Judo-Ehrenpräsident suspendiert

Aber auch viele Verbände gehen nun auf Distanz. Während der Weltschachverband am Montag Sponsorenverträge mit russischen Firmen kündigte, suspendierte der Judo-Weltverband Putin als Ehrenpräsidenten persönlich.

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Von Peter Schink, Luis Reiß
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