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Militär: Deutschland startet mit Partnern Initiative für EU-Eingreiftruppe

"Robust und zügig handeln"  

Deutschland will schnelle EU-Eingreiftruppe gründen

21.10.2021, 09:43 Uhr | dpa

Militär: Deutschland startet mit Partnern Initiative für EU-Eingreiftruppe. Bundeswehrsoldaten mit US-Marines in Afghanistan: Künftig will Deutschland mit anderen EU-Ländern militärisch unabhängiger von den USA handeln können. (Quelle: imago images/Cpl. Davis Harris/U.S. Marine)

Bundeswehrsoldaten mit US-Marines in Afghanistan: Künftig will Deutschland mit anderen EU-Ländern militärisch unabhängiger von den USA handeln können. (Quelle: Cpl. Davis Harris/U.S. Marine/imago images)

Gemeinsam mit mehreren Ländern setzt sich Deutschland für eine EU-eigene schnelle Eingreiftruppe ein. Künftig will man weniger abhängig vom US-Militär sein. Das habe eine Krise in den letzten Monaten gezeigt.

Deutschland hat gemeinsam mit vier weiteren Staaten eine neue Initiative für den Aufbau einer schnellen militärischen Eingreiftruppe der EU gestartet. Das Konzept sieht nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur vor, die bereits existierenden EU-Battlegroups zu schlagkräftigen und kurzfristig einsetzbaren Krisenreaktionskräften weiterzuentwickeln. Dazu sollen auch Weltraum- und Cyberfähigkeiten sowie Spezialeinsatzkräfte und strategische Lufttransportkapazitäten bereitgestellt werden.

"Die jüngsten Ereignisse in Afghanistan haben erneut gezeigt, dass die EU in der Lage sein muss, (...) robust und zügig zu handeln", heißt es in dem von Deutschland, den Niederlanden, Portugal, Finnland und Slowenien verfassten Papier, das der dpa vorliegt. Dazu sei es notwendig, die Verfügbarkeit, Bereitschaft, Einsatzfähigkeit und Kompetenz der Streitkräfte zu verbessern und militärische Kooperationsformate unter den EU-Mitgliedstaaten besser zu nutzen.

"Koalition der Willigen" möglich

Konkret schlagen die fünf Länder dazu auch vor, über den bislang noch nie genutzten Artikel 44 des EU-Vertrags Einsätze von "Koalitionen von Willigen" zu ermöglichen. Dies würde insgesamt mehr Flexibilität sowie einen modularen Ansatz für das Krisenmanagement der EU ermöglichen und könnte die Handlungsfähigkeit der EU erhöhen, heißt es in dem Konzeptpapier. Zudem sollten bereits existierende regionale Kooperationen besser genutzt werden.

Zur Gesamtstärke der Eingreiftruppe werden in dem Konzeptpapier keine konkreten Angaben gemacht. Lediglich zu der dafür vorgesehenen Landstreitkräfteeinheit heißt es, sie solle die Größe einer Brigade erreichen können – das könnten damit rund 5.000 Soldaten sein.

Das bisherige EU-Battlegroup-Konzept sieht vor, dass ständig zwei Einheiten mit im Kern jeweils rund 1.500 Soldaten bereitgehalten werden, die alle sechs Monate wechselnd von unterschiedlichen EU-Staaten zur Verfügung gestellt werden. Zuletzt hatte es allerdings immer wieder Probleme gegeben, genügend Truppen zusammenzubekommen. So gibt es derzeit beispielsweise nur eine Battlegroup. Zum Einsatz kamen die EU-Kräfte noch nie.

Afghanistan-Einsatz als Maßstab

Diskussionen über den Aufbau einer neuen Eingreiftruppe gibt es in der EU bereits seit längerem. Sie wurden zuletzt durch die militärische Abhängigkeit von den USA beim Evakuierungseinsatz in Afghanistan noch einmal befeuert. So soll die neue Truppe auf jeden Fall so stark sein, dass sie theoretisch einen Militäreinsatz wie den der Amerikaner zur Sicherung des Flughafens in Kabul übernehmen könnte.

Die Vereinigten Staaten hatten nach der Machtübernahme der Taliban Mitte August mit rund 6.000 US-Soldaten Evakuierungsflüge ermöglicht. Wegen ihres Abzugs mussten die Europäer dann allerdings ihre Rettungsflüge für schutzbedürftige Menschen früher als eigentlich gewünscht einstellen.

Das Konzeptpapier soll nun im Idealfall Eingang in den sogenannten strategischen Kompass finden. Über ihn soll bis zum Frühjahr kommenden Jahres festgelegt werden, was die EU in Krisen genau können soll, aber auch, was nicht. Der Titel des Papiers ist in dieser Hinsicht deutlich. Er lautet: "Mehr Bereitschaft, mehr Flexibilität, mehr Zusammenarbeit – gemeinsam auf eine neue Ebene des Krisenmanagements der EU".

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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