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Thomas Reiter im Interview: Die Reise zum Mars führt über den Mond


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Die Reise zum Mars führt über den Mond

t-online, Martina Borusewitsch

Aktualisiert am 24.02.2012Lesedauer: 7 Min.
Die künstlerische Darstellung zeigt die Landung der NASA-Sonde "Phoenix" auf dem Mars. Eine bemannte Mission könnte frühestens 2030 realisiert werden
Die künstlerische Darstellung zeigt die Landung der NASA-Sonde "Phoenix" auf dem Mars. Eine bemannte Mission könnte frühestens 2030 realisiert werden (Quelle: dpa-bilder)
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Thomas Reiter

t-online.de: Wann werden die ersten Menschen den Mars erreichen? Wie wird das sein?


Foto-Serie: Mission "Mars 500"

Bei "Mars 500" sollten die Auswirkungen eines Fluges zum Mars auf den menschlichen Körper und seine Psyche getestet werden. Echte Missionen zum Mars werden voraussichtlich nicht vor 2030 stattfinden.
In dieser Halle am Rand von Moskau fand das "Mars 500"-Experiment statt.
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Thomas Reiter: Es wäre denkbar, dass das Mitte 2030, vielleicht 2040, durchaus zu bewerkstelligen wäre. Aber dann müsste man sich Mitte dieses Jahrzehnts einig sein. Ich sehe das im Moment nicht, dass man sich dazu entschließt. Insbesondere weil ich davon überzeugt bin, dass das doch sehr viel Aufwand bedeutet und, selbst von den großen Raumfahrtnationen wie den USA, Frankreich, und in Zukunft sicherlich auch China, die ja enorme Ressourcen in die Raumfahrt stecken, nicht alleine zu bewerkstelligen sein wird. Es müssen Kooperationen zustande kommen. Letztendlich hängt es von den politischen Entscheidungsträgern ab, ob die sagen, sie wollen über so ein langes Programm Mittel zur Verfügung zu stellen.

Wie wäre das? Wenn Sie mal an Ihren ersten Flug zurückdenken? Der Mars ist ja ziemlich unwirtlich, felsig und kalt – trotzdem, könnten Sie sich das vorstellen?

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Russland plant die nächste Provokation

Ja, ich könnte mir das vorstellen. Ich halte den Gedanken, tatsächlich mit eigenen Füßen auf der Oberfläche eines anderen Himmelskörpers zu stehen, für absolut faszinierend. Das hat mich schon als Elfjährigen geprägt, als ich gesehen habe, wie Neil Armstrong seine ersten Schritte auf dem Mond unternommen hat. Ich würde einiges dafür geben, wenn ich bei so einer Mission dabei sein könnte.

Ein Flug zum Mars ist eine sehr große Herausforderung, die sich mit dem, was ich erlebt habe, nur sehr begrenzt vergleichen lässt. Einmal dorthin zu reisen, zu unserem Nachbarplaneten, und zu sagen, jetzt bist du auf einem anderen Himmelskörper! Man sieht am Himmel dann nicht nur die Sterne, sondern auch die Erde als kleinen Punkt. Das würde mich schon begeistern.

Verglichen mit meinen Erfahrungen: Der Start, also der Beginn der Reise, wäre relativ ähnlich. Man darf aber nicht vergessen: So eine Mission wird sehr lange dauern. Knapp drei Jahre, wenn man mit der heute verfügbaren Antriebstechnologie fliegt. Wenn sich die Technologien weiterentwickeln kann man die Transferzeit verringern. Aber die Reisezeit wird immer noch bei knapp zwei Jahren liegen. Man muss sich auf eine lange Abwesenheit von Zuhause einstellen. Einer der großen Unterschiede gegenüber einer Mission, wie ich sie gemacht habe, ist, dass ich immer die Erde gesehen habe, wenn ich aus dem Fenster geguckt habe.

Das sieht man auf einem Mars-Flug für lange Zeit nicht! Da ist man von der Schwärze des Weltraums umgeben und sieht vielleicht auf der einen Seite die Erde als kleinen Punkt, auf der anderen Seite den Mars als Zielort – ansonsten ist Schwärze um einen herum. Man sieht natürlich die Sonne, aber es gibt kein Tag oder Nacht. Im Orbit auf der ISS hat man wenigstens noch alle 90 Minuten Sonnenaufgang und –untergang, auch wenn das andere Zeiträume sind, es erinnert noch an die Erde.

Kann man da den Koller vermeiden? Vor allem für den Teil der Crew, der nicht auf den Mars geht sondern an Bord bleibt, um auf das Schiff aufzupassen?

Erst mal ist es gar nicht gesagt, dass jemand an Bord des Orbiters bleiben muss. Es ist durchaus vorstellbar, dass alle auf die Oberfläche runtergehen und der Orbiter vollautomatisiert um den Mars kreist. Es ist aber natürlich eine enorme Belastung, so eine lange Zeit in dem dunklen Weltraum zu verbringen. Aber ich denke, das ist zu schaffen. Allein dieses Ziel vor Augen zu haben, in welcher Zeit auch immer. Seien es acht Monate, neun oder ein Jahr – dann tatsächlich auf einem anderen Planeten zu sein ist motivierend und lässt einen sicherlich einige dieser Härten vergessen, die damit verbunden sind.

Werden einige von uns auf dem Mars vielleicht irgendwann eine neue Heimat finden?

Das halte ich im Moment für sehr futuristisch. Ich kann mir sehr wohl vorstellen, dass wir das schaffen, dort Menschen hinzuschicken. Dass das ein neuer Lebensort wird, das würde ich heute noch wirklich im Bereich der Science Fiction einordnen. Wenngleich man natürlich hoffen kann, falls auf dem Mars tatsächlich Wasser gefunden wird in Form von Eis, dass man für längere Zeit dort leben kann – für Wochen, Monate, vielleicht sogar noch länger. Aber es ist eben nicht ein Planet wie die Erde.

Halten Sie es grundsätzlich für möglich, dass Menschen dauerhaft an einem anderen Ort als der Erde leben?

Wenn man weit in die Zukunft schaut, könnte es durchaus einmal eine Rolle spielen. Da müssen aber noch viele Entwicklungen stattfinden. Es ist ja zum Beispiel die Rede vom sogenannten Terraforming. Auf dem Mars hat es ja offensichtlich einmal größere Mengen von Wasser gegeben. Bestehen Möglichkeiten, den Planeten über langfristige Prozesse wieder so hinzubekommen, dass er eine eigene Atmosphäre hat, dass es dort flüssiges Wasser gibt - dann könnte ich mir das vorstellen, aber nochmal: Das ist im Moment noch Science Fiction und wird in ferner Zukunft liegen.

Wie war der erste Blick aus dem Fenster, als Sie zum ersten Mal ins All gestartet sind?

Es war faszinierend. Man kann es gar nicht richtig glauben, dass man jetzt wirklich da oben ist und mit eigenen Augen die Erde sieht. Den ersten Blick aus dem Fenster nimmt man natürlich nach dem Start, wenn man noch in dieser engen Sojus-Kapsel - anderthalb Kubikmeter für drei Erwachsene - sitzt. Und in dem Moment, in dem sich die dritte Stufe trennt, ist die Kapsel erst einmal nicht stabilisiert, die dreht sich dann so lange, bis das Lagekontrollsystem aktiviert wird. Während sie sich dreht, sieht man tatsächlich das erste Mal die Erde vorbeiziehen. Da sagt man sich, "unglaublich, jetzt bist du tatsächlich im Weltraum". Es wird aber bis zum Ende nicht langweilig.

Wie nah kommt das, was die Kollegen von Mars 500 simuliert haben, an eine echte Raumfahrtmission?

Sehr nah. Und die Erfahrung der Mars-500-Kollegen ist enorm wichtig für die Vorbereitung solcher langen Missionen, vor allem die psychologischen Aspekte über so einen langen Zeitraum. Auch für die medizinische Forschung ist das sehr wichtig.

Was können wir von dem Betrieb der ISS für längere Missionen lernen?

Man möchte gerade bei einer Mission zum Mars so wenig Ersatzteile und Verbrauchsmaterialien wie möglich mitnehmen. Und wenn dann beispielsweise die Lebenserhaltungssysteme einen geschlossenen Kreislauf hätten, könnte man damit Gewicht einsparen und besser, schneller zu unserem Nachbarplaneten hinkommen.

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Noch wird das CO2 herausgefiltert und nach außen in das Vakuum geleitet. Wasser muss noch immer zur ISS gebracht werden, es kann noch nicht zu 100 Prozent wiederaufbereitet werden. Diese Kreisläufe kann man durch Weiterentwicklung schließen. Es gibt viele Beispiele, wo man die ISS als Testplattform für die Entwicklung neuer und verbesserter Technologien nutzt.

Geschlossene Kreisläufe: Das geht auf der ISS schon so weit, dass man Körperflüssigkeiten wiederverwendet, um Brauchwasser herzustellen?

Ja, das ist richtig. Das Kondensat von Urin, die Luftfeuchtigkeit des Atems sowie Schweiß, der verdunstet, wird von einem System aufgefangen und gefiltert. Das System erzeugt daraus destilliertes Wasser. Mit Mineralien versetzt könnte man es sogar trinken. Das wird auf der ISS aus psychologischen Gründen noch nicht gemacht. Das so aufbereitete Wasser wird zur Herstellung von Sauerstoff mittels Elektrolyse benutzt. Es gibt noch viele Bereiche, die da oben getestet werden und die man dann für eine Marsmission verwenden kann.

Die ESA bereitet einen neuen "Lunar Lander" vor. Warum der Mond?

Es gibt verschiedene Gründe, warum man nochmal den Mond ansteuern sollte. Es gibt nach wie vor ein großes wissenschaftliches Interesse – der Mond ist ja mit der Erde vor vielen Millionen Jahren entstanden. Wie hat sich der Mond seitdem entwickelt? Die Bereiche, in denen die Apollokapseln damals landeten, sind nicht unbedingt die geologisch interessantesten, wie man jetzt dank verschiedener Sonden weiß. Insbesondere die Polregionen wären interessant, wo man Wassereis vermutet.

Außerdem könnte man die weiche Landung auf Planeten üben, dabei gilt es, Hindernisse zu vermeiden. Wenn man das gemeistert hat, ist der nächste Schritt, die Station zu vergrößern, und dort die Technologien zu testen, die auch für eine Marsmission eingesetzt werden.

Auch ohne die Wissenschaft ist das etwas, das einfach begeistert: Viele werden sich an das berühmte Bild vom Erdaufgang erinnern können, das Weihnachten 1968 vom Mond aus gemacht wurde. Wenn man sich vorstellt, dass man so etwas mit eigenen Augen sehen könnte - das reißt mich noch heute vom Hocker.

Die ISS und der Mond sind also Trainingslager für einen Mars-Flug?

Absolut, ich denke, der Mond ist eine wichtige Zwischenstation. Wenn man plant, länger dort zu bleiben, müssen Systeme entwickelt werden, um die dort vorhandenen Ressourcen zu nutzen. Sollte es in den Polregionen Wassereis geben, hat man eine ganz wichtige Ressource, die man nicht mehr mitbringen muss. Nämlich Wasser zum Trinken, um Essen zuzubereiten, um Pflanzen zu züchten, um Treibstoff und Sauerstoff zu erzeugen. Dann muss man natürlich Systeme entwickeln, die dort auch zuverlässig funktionieren und das Wasser auftauen, filtern, remineralisieren. Diese Systeme, wenn sie sich auf dem Mond bewährt haben, würde man dann mitnehmen auf dem Weg zum Mars.

Was bedeutet der Ausstieg der NASA aus der geplanten Exo-Mars-Mission?

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Im vergangenen Jahr ist noch eine NASA-Mission zum Mars gestartet. Aber unser neues gemeinsames Projekt Exo-Mars ist den Sparzwängen leider zum Opfer gefallen. Das heißt aber nicht, dass das Projekt am Ende ist. Auch Russland ist sehr interessiert an einer gemeinsamen Mission. Die Russen haben bisher kein großes Glück gehabt mit Mars-Missionen. Wir haben das gerade letztes Jahr mit der russischen Sonde Phobos Grunt erlebt, es trat eine Fehlfunktion auf und sie blieb im Erdorbit.

Noch ist die Technik nicht so weit, dass ein großes Raumschiff wie aus Science-Fiction-Serien von der Erde aus Richtung Mars starten könnte. Wie könnte das funktionieren?

Man müsste die Einzelteile mit Trägerraketen in den Orbit schicken und das Raumschiff dort zusammenbauen. Wenn es irgendwann auf dem Mond eine Station gäbe, dann wäre das auch vom Mond aus denkbar. Ich bin überzeugt, dass der Weg für den Menschen nicht direkt zum Mars führen wird, sondern über eine Zwischenstation - und das ist aus meiner Sicht der Mond.

Gibt es Leben im Weltall?

Ich habe da keinen Zweifel dran. Der Nachweis ist natürlich noch zu erbringen. Auch hier spielt der Mars eine große Rolle, weil ich denke: Wenn es in diesem Jahrzehnt möglich ist, einen Nachweis zu erbringen, dann auf dem Nachbarplaneten Mars.

Für mich ist es einfach eine Frage der Wahrscheinlichkeit. Ich kann es mir nicht vorstellen, dass in diesen unendlichen Weiten, in diesem wunderschönen Sternenhimmel, die Erde der einzige Platz sein soll, wo es intelligentes Leben gibt.

Als ich an Bord der Raumstation war, hat mir meine Schwester eine Karte geschickt. Darauf stand: „Der beste Beweis dafür, dass es intelligentes Leben im Weltraum gibt, ist, dass sie noch nicht Kontakt mit uns aufgenommen haben.“

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